Eines vorweg! Wenn sich einige Rezensenten von diesem Buch abwenden, dann kann man das in einem gewissen Sinne verstehen. Hoerster verlangt gewohnt viel von seinem Leser, dem er dann aber auch gewohnt viel liefert. Auch der Tierfreund in mir hat sich zunächst vehement geweigert, von allzu lieb gewordenen Positionen Abstand zu nehmen. Aber, ganz im Ernst: Aufgeklärtes Herz, was willst du mehr? Wer den Sinn diskutierender Auseinandersetzung vornehmlich darin sieht, seine eigenen Phrasen in gedruckter Form zu lesen, der lasse die Finger von diesem Buch. Es wird intellektueller Schweiß gefordert, gerade von philosophisch weniger Bewanderten. Hoerster ist unbestechlich in seiner Logik, unübertroffen in seiner gedanklichen Präzision. Geradezu selbstverständlich ist es, dass er die zwar wohl gemeinten, emphatischen, aber leider argumentativ unzureichend bis albernen Allgemeinplätze der momentanen tierethischen Diskussion mit stets generösem Spott beiseite fegt.
Was bleibt ist freilich viel. Ein Tieraltruismus, subjektiv bis intersubjektiv begründet, der rationalen Belastungen standhält, der in einem nächsten Schritt gefüllt werden muss von all denen, die ein Interesse an einer möglichst leidarmen Welt ebenso haben wie an intellektuell redlicher Auseinandersetzung.
Den Enttäuschten sei ins Büchlein geschrieben: Dass ein Berufen auf die wie auch immer geartete Autorität der Bibel, esoterische Mätzchen eines Albert Schweitzer oder Tom Regan vor einem Denker wie Hoerster nicht bestehen bleiben können, ist eigentlich selbstverständlich. Dass auch Peter Singer hier durchaus relativierungsbedürftig ist, ist da schon deutlich spannender. Es ist einfach schön, einem redlichen Suchenden über die Schulter zu sehen. Hoerster ist ein Aufklärer im besten Sinne. Sorgfältig, unbestechlich und unbequem bis zur Schmerzgrenze.
Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Büchlein für all diejenigen, die sich den Gebrauch des eigenen Verstandes noch nicht haben nehmen lassen.