Kempowski hat mit diesem „3. Band seiner deutschen Chronik“ 1973 eigentlich Material sammeln wollen für den Roman „Tadellöser & Wolff“. Dabei ist ein Kaleidoskop unterschiedlicher Antworten herausgekommen, die von verschiedensten Leuten unterschiedlicher Berufe und Bildungsniveaus auf die Frage gegeben wurden, oft sehr spontan und sehr persönlich. Die Antworten werden in einem Nachwort von Sebastian Haffner, betitelt „Die Deutschen und Hitler“ sehr detailliert analysiert und durch eine Analyse der damaligen Zeit ergänzt (Taschenbuch-Ausgabe Goldmann-Verlag von 1991). Für mich der wichtigste Satz Haffners zum Urteil ausländischer Beobachter über das Nachkriegsdeutschland, die Deutschen seien über Hitler nicht weggekommen: „Die Art, wie die Vergangenheit sich erledigt hat, das beinahe stumme Zu-den-Akten-Legen und Darüber-Hinweggehen, hat viel Kopfschütteln erregt. Man hatte eine Auseinandersetzung mit den Nazis erwartet, so etwas wie einen Kampf und nachträglichen Sieg der Gegner Hitlers über seine Anhänger – und dabei übersehen, dass das gar nicht möglich war, weil sie dieselben Leute waren. 1938 oder 1940 hatte es kaum mehr Hitlergegner gegeben, und jetzt gab es kaum mehr Hitleranhänger. Nicht davon zu reden, dass wohl fast jeder immer ein Stückchen Anhänger und ein Stückchen Gegner in sich gehabt hatte.“