Aus der Amazon.de-Redaktion
24 Jahre später treffen sie die Erinnerungen wie eine Keule: Da ist der Teppich, auf dem die Mutter lag, da das Schlafzimmer, aus dem sie die Waffe holte. Währenddessen scheint sich in der Vorortidylle wenig verändert zu haben, und so begegnet sie -- ohne selbst erkannt zu werden -- den bekannten Gesichtern aus ihrer Kindheit: Sergeant Earley, den damals ermittelnden Polizeibeamten, oder die tratschsüchtige Nachbarin Marcella Williams, die sie im Gerichtsprozess seinerzeit bezichtigte. Für Celia steht fest: Sie muss herausfinden, was damals wirklich geschehen ist, und ihre eigene Unschuld beweisen.
Mary Higgins Clark ist die Grand Dame der amerikanischen Kriminalliteratur, die Freunden intelligenter Unterhaltung hier ein wahres Fest bereitet. Dazu benötigt sie nicht, wie die neue Generation amerikanischer Krimi-Autoren, Dutzende Leichen und bestialisch verübte Morde. Subtil und beharrlich webt sie einen erzählerisch wie psychologisch raffinierten Plot, der sich wie ein Spinnennetz über die vermeintliche Vorstadtidylle legt. Verschiedene Erzählperspektiven erlauben es Higgins Clark, gleichsam ungefiltert das verletzte Selbst der Celia Nolans darzustellen, aber auch die Marotten, Motive und Abgründe von Grundstücksmaklern, Lokaljournalisten und Staatsanwälten, die jeder auf ihre Art in den Fall verstrickt sind.
Hab acht auf meine Schritte ist eine wahre Lehrstunde in Sachen Vielschichtigkeit und psychologischem Gespür. Mary Higgins Clark beweist mit diesem eindringlichen und unheimlichen Roman einmal mehr eindrucksvoll ihr Können. --Henrik Flor, Literaturtest -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Eine mörderische Story.« (Bunte )
»Ein routinierter Thriller von einer der erfolgreichsten Krimiautorinnen der Welt.« (Hamburger Morgenpost )
Kurzbeschreibung
Klappentext
Die Welt
»Die Königin der Spannung.«
The New York Times
»Eine mörderische Story.«
Bunte
Über den Autor
Auszug aus Hab acht auf meine Schritte von Mary Higgins Clark, Andreas Gressmann. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Es ist unfassbar, aber ich stehe genau auf demselben Fleck,
auf dem ich damals stand, als ich meine Mutter erschossen
habe. Ich frage mich, ob ich dies wirklich erlebe, oder ob es
nur zu einem Albtraum gehört. In der ersten Zeit nach dieser
furchtbaren Nacht hatte ich andauernd Albträume. Einen
großen Teil meiner Kindheit habe ich damit verbracht,
Bilder von diesen Träumen für Dr. Moran zu malen, einen
Psychologen in Kalifornien, wo ich nach dem Prozess gelebt
habe. Dieses Zimmer kam in vielen dieser Zeichnungen vor.
Der Spiegel über dem offenen Kamin ist noch derselbe,
den mein Vater ausgesucht hat, als er das Haus einrichten
ließ. Er wurde in die Wand eingelassen und mit einem Rahmen
versehen. Ich erblicke mein Spiegelbild darin. Mein Gesicht
ist leichenblass. Meine Augen wirken nicht mehr dunkelblau,
sondern schwarz, in ihnen scheinen sich alle
schrecklichen Visionen zu spiegeln, die aus meiner Erinnerung
auftauchen.
Die Augenfarbe habe ich von meinem Vater geerbt. Die
Augen meiner Mutter waren heller, saphirblau, sie passten
perfekt zu ihren goldblonden Haaren. Ich selbst wäre aschblond,
wenn meine Haare noch ihre natürliche Farbe hätten.
Ich lasse sie jedoch dunkler färben, seitdem ich vor sechzehn
Jahren an die Ostküste zurückgekehrt bin, um die Hochschule
für Design in Manhattan zu besuchen. Außerdem bin
ich zehn Zentimeter größer als meine Mutter. Trotzdem, mit
zunehmendem Alter werde ich ihr äußerlich in vielerlei Hinsicht
immer ähnlicher, und ich bemühe mich, diese Ähnlichkeit
so weit wie möglich zu kaschieren. Ich habe immer
mit der Angst gelebt, jemand könnte zu mir sagen: "Sie kommen
mir irgendwie bekannt vor ..." Damals war das Bild
meiner Mutter durch alle Medien gegangen, und gelegentlich
taucht es immer noch auf, wenn die Geschichte um ihren
Tod wieder aufgewärmt wird. Wenn also jemand zu mir
sagt, ich käme ihm bekannt vor, weiß ich, dass es ihr Bild ist,
das er im Kopf hat. Ich dagegen, Celia Foster Nolan, ehemals
Liza Barton, jenes Kind, das von der Boulevardpresse
"Little Lizzie Borden" getauft wurde, würde wohl kaum als
das pausbäckige Mädchen mit den goldenen Locken wiedererkannt
werden, das damals von der Anklage des vorsätzlichen
Mordes an seiner Mutter sowie des Mordversuchs an
seinem Stiefvater freigesprochen - wenn auch nicht entlastet
- worden war.
Mein zweiter Ehemann, Alex Nolan, und ich sind jetzt seit
einem halben Jahr verheiratet. Wir wollten heute eigentlich
mit meinem vierjährigen Sohn Jack zu einem Reitturnier in
Peapack, einer vornehmen Ortschaft im Norden New Jerseys,
aber auf einmal ist Alex Richtung Mendham gefahren,
einer benachbarten Stadt. Erst dann hat er mir verraten, dass
er eine wunderbare Überraschung zu meinem Geburtstag
habe, und ist in die Straße eingebogen, die zu diesem Haus
führt. Alex hat den Wagen geparkt, und wir sind eingetreten.
Jack zieht mich an der Hand, aber ich bleibe wie angewurzelt
stehen. Er ist voller Tatendrang und möchte, wie die
meisten Vierjährigen, alles erkunden. Ich lasse ihn los, und
im Nu läuft er aus dem Zimmer und rennt den Flur entlang.
Alex steht hinter mir. Ohne ihn anzusehen, spüre ich seine
Aufregung. Er glaubt, dass er ein wunderschönes Zuhause
für uns gefunden hat, und seine Großzügigkeit geht so weit,
dass er es allein auf meinen Namen überschrieben hat, es soll
sein Geburtstagsgeschenk sein. "Ich kümmere mich um Jack,
Schatz", beruhigt er mich. "Sieh du dich in Ruhe um und
mach dir schon mal Gedanken, wie du alles einrichten
willst."
Als er das Zimmer verlassen hat, höre ich ihn rufen: "Geh
nicht die Treppe runter, Jack. Erst müssen wir Mommy das
Haus zeigen."
"Ihr Mann hat mir gesagt, dass Sie Innenarchitektin sind",
meldet sich jetzt Henry Paley, der Makler, zu Wort. "Dieses
Haus ist immer in sehr gutem Zustand gehalten worden, aber
natürlich hat jede Frau den Wunsch, ihrem Heim ihren eigenen
Stempel aufzudrücken, umso mehr, wenn es ihr Beruf
ist."
Noch bringe ich es nicht über mich zu antworten und
blicke ihn wortlos an. Ein eher schmächtiger Mann um die
sechzig, mit ausgedünntem, grauem Haar, korrekt gekleidet
in einem dunkelblauen Nadelstreifenanzug. Natürlich erwartet
er, dass ich mich begeistert zeige über das wundervolle
Geburtstagsgeschenk, das mir mein Mann gemacht hat.
"Wie Ihr Mann Ihnen vielleicht gesagt hat, war ich selbst
nicht mit dem Verkauf befasst", erklärt Paley. "Meine Chefin,
Georgette Grove, war gerade dabei, Ihrem Mann verschiedene
Objekte in der Umgebung zu zeigen, als er im Vorbeifahren
das Schild Zu verkaufen auf dem Rasen entdeckte.
Offenbar hat er sich sofort in das Haus verliebt. Nun, es handelt
sich ja auch um ein architektonisches Schmuckstück,
und außerdem steht es auf vier Hektar Grund in bester Lage,
in einer der gefragtesten Gemeinden."
Ich weiß, dass es ein Schmuckstück ist. Mein Vater war der
Architekt, nach dessen Plänen das baufällige Herrenhaus aus
dem achtzehnten Jahrhundert restauriert und in ein bezauberndes
und geräumiges Wohnhaus verwandelt wurde. Mein
Blick fällt an Paley vorbei auf den offenen Kamin. Mutter
und Daddy haben die Einfassung in Frankreich gefunden, in
einem Schloss, das abgerissen werden sollte. Daddy hat mir
damals die Bedeutung der einzelnen Ornamente erklärt, all
diese Putten und Pinienzapfen und Weintrauben ...
Ted, er drückt Mutter gegen die Wand ...
Mutter schluchzt ...
Ich richte die Waffe auf ihn. Daddys Waffe ...
Lass meine Mutter los ...
Bitte sehr! ...
Ted reißt Mutter herum und schleudert sie gegen mich ...
Mutter schaut mich mit entsetzten Augen an ...
Der Schuss löst sich ...
Lizzie Borden mit dem Beile ...
"Ist Ihnen nicht gut, Mrs. Nolan?", fragt Henry Paley.
"Doch, doch, natürlich", bringe ich mit Mühe heraus.
Meine Zunge fühlt sich taub an, unfähig, die Worte zu bilden.
Gedanken an Larry, meinen ersten Ehemann, schwirren
mir durch den Kopf, der mich hoch und heilig hatte
schwören lassen, keiner Menschenseele je die Wahrheit über
mich zu verraten, nicht einmal meinem zukünftigen Ehemann,
falls ich noch einmal heiraten sollte. In diesem Augenblick
nehme ich Larry übel, mir dieses Versprechen abgerungen
zu haben. Er war so verständnisvoll, so einfühlsam
gewesen, als ich ihm vor der Hochzeit die ganze Geschichte
erzählt hatte, aber am Ende hat auch er mich enttäuscht. Er
schämte sich meiner Vergangenheit, er befürchtete, dass sie
eine Belastung für die Zukunft unseres Sohnes sein könnte.
Diese Befürchtung hat dazu geführt, dass ich jetzt hier stehe.
Die Lüge hat bereits einen Keil zwischen Alex und mich
getrieben. Wir spüren es beide. Er redet davon, bald Kinder
haben zu wollen, und ich frage mich, was er davon halten
würde, wenn er wüsste, dass Little Lizzie Borden ihre Mutter
sein würde.
Es ist vierundzwanzig Jahre her, aber solche Erinnerungen
verblassen kaum. Wird irgendwer in der Stadt mich
wiedererkennen? Vermutlich nicht. Ich war zwar einver-
standen, in diese Gegend zu ziehen, aber ich habe mich nicht
einverstanden erklärt, in diese Stadt oder gar in dieses Haus
zurückzukehren. Ich kann hier nicht wohnen. Ich kann es
einfach nicht. (...) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.