Ich habe das Desire Z nun seit 1,5 Wochen und denke, es ist an der Zeit für eine überwiegend positive Rezension (nach einigen Monaten habe ich diese Rezension nochmal geringfügig ergänzt, um auch Punkte einzubetziehen, die mir nicht sofort aufgefallen sind). Ich werde am Ende auch ein paar mininale Makel erwähnen, die aber für mich nicht schwerwiegend genug sind, um die Bewertung unter 5 Sterne zu ziehen. Als typischer Nerd habe ich dem Gerät bisher auch alles abverlangt, was möglich ist, und somit bin ich auf einige Probleme gestoßen, die dem Durchschnittsnutzer wohl nie auffallen würden. Gleichzeitig habe ich aber auch hunderte von Funktionen erlebt, die einfach nur gut arbeiten. Vielleicht sollte ich, bevor ich gleich mit Fachbegriffen um mich werfe, vorweg noch sagen, dass ich das Telefon auch alljenen empfehlen kann, die nicht wissen, was DLNA, PAP usw. sind :) Man muss kein Profi sein, um mit dem Gerät klarzukommen, obwohl ich es nun auch nicht gerade meiner Oma empfehlen würde.
Die Grundfunktionen, die man von einem Telefon erwartet, werden allesamt gut erfüllt, so dass ich dazu einfach mal nichts weiter schreiben muss. Punkt.
Der Ausschlaggebende Punkt für meinen Kauf war die Hardware-Tastatur. Von allen mobilen Geräten mit Tastatur, die ich bisher in die Finger bekommen habe (HTC G1, OQO 01+, Amazon Kindle 3, Motorola Milestone und Milestone 2) hat das Desire Z auf jeden Fall die beste. Dabei ist sie am ehesten mit dem G1 vergleichbar, hat aber größere Tasten und dafür keine eigene Ziffernreihe. Auch wenn man das normalerweise auf dem Handy nicht tut, ich konnte damit über 1,5 Stunden am Stück ohne Ermüdung in den Händen tippen. Die Sonderzeichen finde ich gut angeordnet und erreichbar, wenn man davon absieht, dass Backslashes und geschweifte Klammern nur über ein Menü erreichbar sind. Solange man auf dem Handy nicht programmiert oder Texte mit LaTeX setzt, ist einem das vermutlich sehr egal. Bei der Bildschirmtastatur gibt es leider kein Swype, aber eine fast identische Tastatur lässt sich kostenlos nachinstallieren.
Der Klappmechanismus ist auch top, egal wie blöd man sich anstellt, der geht immer sicher auf und zu, ohne dass einem das Handy aus der Hand fällt. (Dabei möchte ich wetten, dass diese Aktion schon ziemlich riskant aussehen würde, wenn man sich eine Slow-Motion-Aufnahme davon anschauen würde.) Wenn man die Tastatur öffnet, spart man sich übrigens auch die zwei Handgriffe zum Entsprerren des Displays, da dies dann automatisch entsperrt wird. Andere Benutzer hatten schon erwähnt, dass einem die Tastatur "auf die Finger fällt", wenn man auf dem Rücken liegt und das Telefon beim Tippen exakt waagerecht über sich hält. Ja, das kann ich bestätigen, aber hätte ich das nicht explizit testen wollen, dann wäre mir das nie passiert. Von mir aus würde ich, auch im Bett, das Telefon nie so verkrampft waagerecht halten, und sobald man es auch nur etwas schräg hält, tritt dieses "Problem" nicht mehr auf.
Natürlich gibt es auch leichtere, kompaktere Handys, das muss einem bewusst sein. Wenn man es das erste mal in die Hand nimmt, ist man schon vom hohen Gewicht überrascht. Aber daran gewöhnt man sich schnell, und in der Praxis stört es kein bisschen.
Was die CPU angeht, die ja "nur" 800 Mht hat, so habe ich bis jetzt noch keinen Moment erlebt, in dem es mir irgendetwas gebracht hätte, wenn sie noch schneller wäre. Alles, was einem irgendwie langsam vorkommt, lässt sich eigentlich immer auf die Internetverbindung zurückführen, aber auch über die kann man sich keinesfalls beschweren. Erst als ich kürzlich auf einem anderen Android-Telefon, das hardwaremäßig fast identisch ist, einige kleiner Ruckler gesehen habe wurde mir wirklich bewusst, wie ruckelfrei beim Desire Z alles abläuft.
Der Modus "Mobiler W-Lan Hotspot" funktioniert super, selbst wählerische Geräte, die keine AdHoc-Verbindungen mögen (z.B. Kindle 3), erkennen das Desire Z als vollwertigen Hotspot bzw. Access Point und verbinden sich ohne Murren. Auch als WLAN-Client funktioniert das Teil sehr gut. Im gefürchteten "eduroam" (einem WPA-2-Enterprise-Netz mit PAP-Authentifizierung, das so an vielen europäischen Hochschulen eingesetzt wird) habe ich gelegentlich kleinere Einwahlprobleme, allerdings weniger als viele andere Smartphonebesitzer bzw. als so mancher Laptopnutzer. Solange das Desire Z selbst der Hotspot ist, kann man seine DLNA-Funktionen nicht nutzen, aber das ist wohl auch ein äußerst exotischer Anwendungsfall. Davon abgesehen, funktioniert auch das DLNA super, was ich aber mangels weiterer Geräte bisher nur mit Audiosignalen testen konnte. Da es DLNA prinzipiell auch mit Bildern und Video unterstützt, ist es wohl völlig ok, dass die Hardware keinen Videoausgang hat, aber wie gesagt konnte ich das noch nicht testen.
Die Kamera war für mich kein wichtiger Kaufgrund, somit habe ich da nicht viel erwartet, bin jetzt aber positiv überrascht. Die Fotos gefallen mir allesamt und die 5 Megapixel verdienen ihren Namen. Der Blitz reicht, obwohl ja nur LED-Technik verbaut ist, einige Meter weit, so dass ich auch im absoluter Dunkelheit vernünftig fotografieren kann. Bei schlechtem Licht gibt es heftiges Farbrauschen, aber dennoch erkennt man auf den Fotos alles wichtige. Die Videos, insbesondere in 720p-Auflösung, sind qualitativ nett. Vorallem hatte ich befürchtet dass die Aufnahmen total kaputt komprimiert werden würden, was nicht der Fall ist. Bei mäßigem Licht gibt es eine sehr extreme Bewegungsunschärfe, aber sobald es hell genug ist, sind die Videos echt brauchbar. Dabei nimmt das Mikrofon gut auf, was der "Kameramann" spricht. Was andere Personen im Raum sagen, bleibt leider unverständlich, auch wenn andere Handys (Nokia N8) unter gleichen Bedingungen alle Stimmen gut aufnehmen.
Der Akku hat mir in den ersten Tagen echt Sorgen gemacht, da er manchmal schon nach 6 Stunden völlig durchschnittlicher Benutzung leer war. Man hört zwar ab und zu, dass Smartphone-Akkus erst nach ca. einer Woche ihre volle Kapazität erreichen, aber eigentlich habe ich da nicht mit Wundern gerechnet. Inzwischen ist aber ein eben solches Wunder passiert. Im Standby (also Handy auf Empfang, aber keine aktive Benutzung) hät es mehrere Tage, und auch bei aktiver Benutzung ist nun alles im grünen Bereich. Das meiste, was ich bisher an aktiver Nutzung mit einer Ladung machen konnte: Telefon ca. 14 Stunden an, ständig WLAN, Internet und Bluetooth an, davon 1,5 Stunden Spiele spielen (teilweise 3d), 3-4 Stunden über Bluetooth Musik hören, 1-2 Stunden über Bluetooth telefonieren und das Ding zwischendurch noch 1-2 Stunden für anderen Kram nutzen, bei dem der Bildschirm an ist. Am Ende waren immernoch 23% Akku übrig.
WICHTIGES UPDATE BEZüGLICH AKKU nach einigen Monaten der Benutzung: Es gibt auch jetzt noch heftige Schwankungen in der Laufzeit. Mit ziemlicher Sicherheit konnte ich diese nun auf das WLAN zurückführen. Dabei geht es nicht um das bloße "Ansein" oder die Datenübertragung. Auch bei angeschaltetem WLAN und normaler Benutzung hält der Akku nun manchmal über 40 Stunden. Problematisch wird es aber immer dann, wenn das WLAN an ist, sich mindestens ein Access Point in Reichweite befindet, aber dieser nicht eingerichtet ist. Da sackt die Akkuladung regelmäßig in ca. 4 Stunden von 90% auf 0% ab, gerade dann, wenn man das Gerät gar nicht verwendet und somit nichts dergleichen ahnt. Offenbar hift da nur gewissenhaftes Abschalten des WLAN, sobald man das heimische WLAN verlässt.
Im übrigen ist der Bildschirm immer die Hauptverbrauchskomponente, egal wie sehr man das Handy sonst noch fordert. Zwar kann das Gerät mittels Helligkeitssensor automatisch die Helligkeit anpassen, ist aber auch dann meist deutlich heller, als es zur Bedienung wirklich nötig wäre, und das Display schlägt dann mit 84% zu Buche. Verglichen damit sind WLAN und Bluetooth mit je 2% es nicht wert, abgeschaltet zu werden. Wenn man ein wenig manuelle Kontrolle über die Helligkeit übernimmt, kann man den Verbauch des Bildschirms etwa drittteln, was mit fast dreifacher Akkulaufzeit belohnt wird. Ich denke, bei Zeiten werde ich mir eine App basteln, die ebenfalls das Display nach Umgebungshelligkeit anpasst, aber nach einer von mir festlegbaren Umrechnung.
Das Desire Z ist blitzschnell einsatzbareit. Die Zeit, die das Handy zu Booten braucht, beträgt zwar ca. 1,5 Minuten, was aber letztlich völlig egal ist, weil man das eh nur einmal erlebt. Das Gerät verfügt nämlich über eine Art Tiefschlafmodus (der allerdings keinen speziellen Namen hat). Wählt man einfach nur "ausschalten" ist das Gerät offenbar aus, verbraucht praktisch keinen Strom (Akkuladung sinkt dann über eine ganze Nacht nur um ca. 2%), und wenn man es wieder anschaltet, ist es blitzschnell da. Schon nach 15 Sekunden kann man das Gerät wieder komplett nutzen, wobei das Entsprerren der Simkarte das meiste von dieser Zeit in Anspruch nimmt. Betreibt man das Gerät im Flugzeugmodus, so kehrt es nach weniger als 2 Sekunden aus dem Tiefschlaf zurück und ist sofort nutzbar! Das Feature kannte ich von anderen Telefonen noch nicht, und es wird scheinbar auch nicht besonders beworben. Will man aus irgendwelchen Gründen doch mal einen komplett neuen Bootvorgang anstoßen, gibt es dafür die Option "neu starten".
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