Nach einem HP-34C (1983/84?, funktioniert wieder nach Umbau der Stromversorgung) und einem HP-28S (1989, funktioniert auch noch) ist der HP 35s mein dritter wissenschaftlicher Taschenrechner von Hewlett-Packard. Den TR habe ich mir bereits 2007 noch mit der ersten ROM Version gekauft, nachdem mir der 28S zu schade für den täglichen Gebrauch geworden war.
Der HP 35s knüpft nach langen Jahren wieder an die legendären HP Rechner, die auch immer im Wettbewerb - im positiven Sinn - zu den damaligen TI Rechnern standen, an.
Ich war von Anfang an (damals noch in der Oberstufe) von RPN und der Tastatur dieser Rechner fasziniert, heute würde ich eher sagen überzeugt.
Ich möchte die negativen Kritiken einiger Rezensenten bezüglich der Anzeige und Genauigkeit an dieser Stelle nicht wiederholen, muss aber diese Eigenheiten, wie ich es nennen möchte, diesem Rechner auch einräumen. Das Anzeigeproblem (Exponent passt nicht mehr in den sichtbaren Bereich der Zeile) war mir bisher nicht bewusst, da ich immer mit der Einstellung FIX 4 arbeite (Default bei einigen alten HP Rechnern).
Hervorzuheben sind der Equation Modus (EQN), und der Gleichungslöser (SOLVE), die - wie auch alle anderen Funktionen - effizient in Programmroutinen eingebunden werden können.
Matrizenrechnung wird nicht unterstützt, jedoch ist Vektorarithmetik mit 2D und 3D Vektoren möglich.
Sonderbar ist, dass die (Quadrat)Wurzel einer negativen Zahl nicht direkt berechnet werden kann, sondern nur über den Umweg [EQN] (-REGY+0i)^(1/REGX) [ENTER] oder -Y [i] [0] [ENTER] X [1/X] [y^x].
Gewöhnungsbedürftig ist vielleicht, dass viele Funktionen in hinter Mehrfachbelegungen von Tasten verborgenen Menüs zu finden sind.
Schade ist, dass bei den neuen HP Modellen die Tasten CHS und EEX durch +/- und E ersetzt wurden.
Die deutsche Version des Handbuches ist sehr schlecht übersetzt.
Ich habe mir einige kleine Helferlein, wie die Berechnung des Treibstoffverbrauchs, Stromkostenberechnung, KGV/GGT, Akkuladezeitabschätzung, Body-Mass-Index, physikalische Arbeit (Abschätzung des Kalorienverbrauchs beim Stiegensteigen ;-), uvm. hinterlegt.
Der Focus dieses Gerätes liegt auf 'nicht-graphikfähiger programmierbarer Taschenrechner', daher stört mich das Fehlen von externen Schnittstellen u.a. zur Datensicherung nicht. Die theoretisch 26x999 und/oder bis zu 9999 ohne Label verfügbaren Programmzeilen können beim HP 35s praktisch nicht ausgereizt werden, da Programme dieser Art, wie sie hier codiert werden, ab einer gewissen Grösse auch nicht mehr vernünftig handhabbar sind.
Meine Programmsammlung für den 35s verwalte ich mit Hilfe einer Tabellenkalkulation.
Ab und an als Zeitvertreib versuche ich bestimmte Aufgaben mit möglichst geringem Programmspeicher- und Registerverbrauch und/oder Nichtzerstörung des Stackinhaltes zu lösen; das ist insofern interessant, da der Rechner eine gemischte Programmierung unter Verwendung von RPN (nicht zu verwechseln mit RPL, wie bspw. beim HP-28S), algebraischer Eingabe, und Speicher- und Stackarithmetik bzw. direkte Adressierung von Stackregistern zulässt. Ausserdem wird indirekte Adressierung unterstützt und Rekursion ist eingeschränkt möglich.
Mittlerweile ist der HP 35s seit seinem Erscheinen einigermassen im Preis gefallen. Wenn sich also jemand abseits von Handies und Smartphones für alternative Eingabe- und Bedienkonzepte interessiert, kann ich diesen Rechner durchaus empfehlen. Ausserdem motiviert dieser HP wieder, zusammen mit den Archiven im Internet, einen Einstieg für den Interessierten in die Geschichte der Entwicklung von (programmierbaren) TR seit den 1960er Jahren.