Das gebundene Softcover-Buch "HIT-Fitness" enthält auf rund 220 Seiten viel Wissenswertes über das Hochintensitäts-Training, belegt durch Studien, etwa die Landauer Studie, an der dreiundvierzig Männer und Frauen teilnahmen. Es ist also wissenschaftlich belegt, dass dieses Training hält, was es verspricht: Muskelaufbau in kurzer Zeit und zwar ein größerer Muskelaufbau, als das in einem herkömmlichen Training mit ein bis zwei Sätzen der Fall ist. Als Einsteiger und wenn man bislang eher mit einer niedrigen Intensität trainiert hat, werden schnell Erfolge sichtbar.
Der Text ist gut verständlich, auch für Nicht-Professionelle. Die Informationen sind dazu in Grafiken und Fotos übersichtlich dargestellt.
Für Einsteiger in den Kraftsport werden Basis-Programme angeboten, um die körperlichen Voraussetzungen zu schaffen für ein Hochintensitätstraining, bei dem über den Punkt des "momentanen Muskelversagens" hinausgegangen wird. Das ist dann auch der wesentliche Faktor des Trainings für den Muskelaufbau: die Intensität der Übungen. Die Basisprogramme arbeiten überwiegend mit dem eigenen Körpergewicht, die Gefahr von Verletzungen durch falsche Handhabung von Gewichten ist damit minimal.
Positiv ist auch, dass für Frauen und Männer verschiedene Trainings angeboten werden. Frauenkörper reagieren anders als Männerkörper. Frauen neigen eher dazu, Fettpolster anzulegen, bei Männern kommt es stärker zur Bildung von Muskeln. Dazu haben Frauen oft andere Trainingsziele, die sich auf die Zonen Hüfte, Beine und Po konzentrieren. Während Männer mehr an einem Muskelaufbau interessiert sind.
Im Trainingsteil folgt der Übungsbezeichnung eine kurze Zusammenfassung, was die Übung bewirkt. Welche primären Muskeln werden trainiert und welche sekundären? Die Übungen werden genau erklärt: die Ausgangsposition und der Bewegungsablauf. Es werden Übungs-Varianten vorgestellt und Hinweise zur korrekten Ausführung gegeben. Zahlreiche Farbfotos von Übung und Übungsausführung erläutern die richtige Ausführung zusätzlich.
Vom Stil her ist das Buch eher sachlich und nüchtern, fast wie eine wissenschaftliche Veröffentlichung. Korrekt, ja. Aber es fehlt auch ein bisschen das "gewisse Etwas", etwa durch stimmungsvolle Fotos oder interessante Trainings-Varianten. Gerade fortgeschrittene Kraftsportler, die seit Jahren trainieren, sind auch mal an einer ausgefallenen Übungsvariante interessiert. Und da bietet das Buch lediglich die üblichen Standardübungen: Bankdrücken, Latziehen, Bizepscurls an der Maschine, dem Kabelzug und mit der Lang- oder Kurzhantel.
Interessant, aber nicht neu, ist die Übersicht über die Intensitäts-Techniken: Reduktionssätze, Intervallwiederholungen, Nachermüdung und andere. Aber das macht gerade mal drei Seiten aus. Auch auf die Muskelzeichnungen bei den Übungen hätte man besser verzichtet. Die Zeichnungen sind sehr klein und erst bei genauerem Hinsehen sieht man die roten Flecken, welche die ungefähre Lage der in der Übung trainierten Muskeln lokalisieren. Frauen können sich hier gut zur Ergänzung das Buch "Anatomie für Fitness-, Kraft- und Muskeltraining für Frauen", erschienen im gleichen Verlag, zulegen.
Frauen müssen zudem bei einigen Übungen den Nachteil in Kauf nehmen, immer wieder in den Trainingsteil für Männer blättern zu müssen.
Wünschenswert wären auch einige Übungen für ein abschließendes Stretching. Gerade diese Form von Hochintensitätstraining führt schnell zu einer Verhärtung, Anspannung und Verkürzung der Muskeln, dem durch ein Dehnen gut entgegen gewirkt werden kann. Dazu hätte ein Sachregister gute Dienste geleistet zum Auffinden bestimmter Übungen.
"HIT-Fitness" richtet sich sowohl an Anfänger als auch an fortgeschrittene Freizeitsportler, für die bietet es eher wenig Neues. Eine interessante Variante des Hochintensitätstrainings stellt Jorge Cruise vor in "Die 12-Sekunden-Formel", ebenfalls erschienen im Riva-Verlag. In diesem Training verbindet er HIT mit Slow Cadence Lifting - sehr langsamen Bewegungen - und Static Concentration - einer statischen Kontraktion am Höchstspannungspunkt.