Im Fall von Stolen handelt es sich um ein Actionadventure, welches im Jahr 2005 auf den Markt geschmissen wurde und sowohl für die Sony Playstation 2 als auch die Microsoft X-Box erschien, mir ist lediglich die X-Box-Fassung bekannt. Dass dieser Titel für viele von Euch unbekannt sein dürfte, überrascht insofern nicht, als dass er kurz nach seinem Erscheinen schnell wieder in der Versenkung verschwand. Der Grund: allenfalls noch mit Ach und Krach empfehlenswert. Der Solospieler weder offline noch online gibt es die Möglichkeit, dem Mehrspielerspaß zu frönen durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, denn Licht und Schatten in qualitativer Hinsicht wechseln sich in steter Regelmäßigkeit ab. Insgesamt ist es aber eben viel zu viel Schatten, den wir im Laufe des Abenteuers hinnehmen müssen, wer es im Übrigen kennen sollte und auf nicht empfehlenswert plädiert, liegt ganz sicher auch nicht daneben, Argumente für den Daumen nach unten gibt es jedenfalls genug. Da Schleichabenteuer oder auch modern Stealth-Action genannt in den letzten Jahren mächtig in Mode gekommen waren, sollte hier offensichtlich auf bequeme Art und Weise auf den fahrenden Zug aufgesprungen werden. Ich bezweifle allerdings, dass die Verkaufszahlen ordentlich waren, ein finanzieller Flop dürfte aller Voraussicht nach die Folge gewesen sein und wäre auch absolut verdient. Kleine Lichtblicke, so zum Beispiel unsere wirklich nett anzuschauende Protagonistin und vereinzelte wirklich innovative Ideen, verhindern den totalen Absturz in ganz üble Spielspaßwertungsregionen.
Im Brennpunkt des Geschehens steht die nicht ganz unattraktive Anya Romanov in ihrem hautengen Kostüm, die allerdings nicht sonderlich viel Wert auf heldenhafte Aktivitäten legt: sie ist von Beruf Diebin bzw. Einbrecherin und dies mit Leib und Seele. Dabei sucht sie sich die besonders lohnenswerten, dafür aber auch ziemlich riskanten Einsätze aus und treibt sich in der Folgezeit unter anderem in Museen, High-Tech-Firmenkomplexe, Forschungslabor, Satellitenanlagen und im hochmodernen Gefängnis herum. Allem Anschein nach ist sie hochtalentiert und scheint zu den besten Diebinnen der Welt zu gehören. Schließlich hat sie es auf den teuersten Edelstein des städtischen Museums abgesehen, der selbstverständlich mit allem High-Tech-Krempel bewacht ist, den es in unserer hochmodernen heutigen Zeit quasi gibt. Was sie natürlich überhaupt nicht abschreckt, da sie vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. Unvermittelt gerät sie in ein Netz voller Intrigen, eine Verschwörung eines ungeheuerlichen Ausmaßes deckt sie eher unfreiwillig nach und nach auf, dabei wollte sie doch nur möglichst schnell, den Juwelen entwenden. Daraus wird aber offensichtlich nichts. Überwiegend schleichen wir als Anya vorsichtig Meter für Meter vorwärts, halten inne, sprinten kurz weiter, müssen auf das Wachpersonal höllisch aufpassen und insbesondere die Überwachsungssysteme, die uns keine Unaufmerksamkeit verzeihen würden. Der Schwierigkeitsgrad ist im Übrigen moderat, weder viel zu leicht noch mit vielen unfaire Stellen versehen (die Wachen sind zwar nicht sonderlich auf Zack, dafür aber zahlreich vertreten und schließlich gibt es noch die Überwachungssysteme bzw. fiese Fallen, die es zu überwinden gilt), stünde einem ansprechenden Spielspaß grundsätzlich nichts im Wege.
Aufgrund dessen ist es klar, dass wir selber auch auf den allerneuesten High-Tech-Schnickschnack nicht verzichten können, wollen wir die Abwehrsysteme überlisten. In den heiklen Kletterpassagen (u.a. über Dächer und Fenstersimse) müssen wir unser akrobatisches Talent unter Beweis stellen, mit Sonar, Tracker, Ultraschall, Elektroschocker und Neutralisator machen wir uns frisch ans Werk. Dass wir dabei von den Wachen unbemerkt bleiben müssen und in Windeseile durch hell erleuchtete Passagen huschen und uns in der nächsten dunklen Ecke erst einmal niederkauern, um die aktuelle Lage zu peilen, versteht sich somit von selbst und zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Umgebracht wird hier übrigens niemand, kein Feind, der aufgeschlitzt noch sonst wie gemeuchelt würde, lediglich das Bewusstsein sollen diese vorübergehend verlieren. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren überrascht daher nicht. Für Abwechslung sollen jedenfalls spezielle Aktionen wie das Knacken von Schlössern, Aufbrechen von Tresoren, Hacken in Computersysteme und das Überwinden einiger hinterlistig angelegter (elektronischer) Fallen. Hört sich dies bis hierhin eventuell noch ganz ordentlich an, so wird es doch jetzt Zeit, zu den gewichtigen Negativpunkten zu kommen.
Erst einmal ist die Spieldauer absolut enttäuschend: sind wir halbwegs talentiert, erblicken wir nach (sehr) wenigen Stunden bereits das Ende dieses Abenteuers. Mangels interessanter Boni oder Mehrspielerfreuden gibt es auch quasi nichts, was zum erneuten Durchspielen reizen würde. Das ist schlapp. Mächtig schlapp sogar. Und gerade im Hinblick auf das Vorhandensein von X-Box-Live arg enttäuschend. Langlebig ist Stolen somit nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass wir nach gut einem Viertel des Spiels eigentlich schon alles gesehen haben, was es zu sehen gibt, großartige Veränderungen im Spielverlauf gibt es dann nicht mehr: es wiederholt sich im Großen und Ganzen dann alles nur noch und das bis zum (dann doch viel zu früh nahenden) Ende. Abwechslung ist somit trotz der guten Ansätze leider nicht Trumpf, schade. Dass es angesichts der unintelligenten Computergegner nicht viel zu leicht wird, liegt vor allem am Kämpfen mit der störrischen Steuerung, diese ist auf alle Fälle ein wesentlich mehr ernstzunehmender Feind als das Wachpersonal. Dass daher weder ein faszinierendes Ambiente noch eine dichte Spielatmosphäre aufkommen kann, dürfte einleuchtend sein. Das anfangs vielversprechende Szenario verliert vom Spannungsgehalt schon beängstigend früh mächtig an Fahrt. Enttäuschung macht sich schon zu Beginn der zweiten Spielstunde breit.
Und nun zu guter letzt zu den zumindest halbwegs gelungenen Sachen dieses nur (wenn überhaupt) mittelmäßigen Actionadventures oder besser gesagt den Dingen, die dafür sorgen, dass es sich nicht um einen extrem derben Reinfall handelt. Es ist die Präsentation, die in weiten Teilen in Ordnung geht. Die Heldin an sich ist sehr gut modelliert und verfügt tatsächlich über eine ansprechende Ausstrahlung, die Kameraführung ist allerdings nicht okay, ärgert uns ziemlich oft, hingegen eine simple aber hilfreiche Übersichtskarte vorhanden ist und die Texturen am Boden und im Hintergrund immerhin noch solides Mittelmaß bieten. Bis auf die gelungene Ausleuchtung der Level bzw. das In-Szene-Setzen der hellen und dunklen Bereiche gibt es aber keine besonders erwähnenswerten Spezialeffekte. Deutsche Bildschirmtexte gibt es ebenso wie einen 60-Hz-Modus, das 16:9-Breitbildformat wird hingegen nicht berücksichtigt, wird aber auch nicht sonderlich vermisst, um ehrlich zu sein. Etwas ärgerlich aber die schon sehr schnell immer gleich aussehenden Wachen, was nicht gerade dafür sorgt, dass man in den Bann gezogen oder tief in die Szenerie eintauchen möchte. Außerdem sehen die Animationen im Kampf vornehmlich wird hier geboxt nicht gerade sonderlich gut aus. Schließlich nerven ab und an Grafikruckler, die angesichts der nicht vorhandenen extrem hohen Texturauflösung etwas verwunderlich sind. Gut gelungen sind dann wiederum aber die Zwischensequenzen, welche die (allerdings schwache) Story ordentlich weitererzählen. Nervig hingegen: die unerklärlichen Ladepausen zwischendurch. In Bezug auf die Soundkulisse gefallen zwar Hintergrundgedudel, auf Wunsch deutsche Sprachausgabe und Soundeffekte, doch beide haben den Nachteil, dass sie nicht sonderlich abwechslungsreich sind. Ironischerweise kann man aber nicht von einer schnell eintretenden Monotonie oder einem starken Abnutzungseffekt sprechen, weil dann das Abenteuer auch schon vorbei ist. Nicht gerade das Gelbe vom Ei, oder? So richtig warm werden wir daher nicht mit dem von uns Präsentierten, dennoch ist diese insgesamt noch befriedigend. Ob man Stolen aber tatsächlich kennen muss, darf bezweifelt werden. Es ist eher ein Stealth-Abenteuer für die Hardcore-Genrefreaks, für niemanden sonst. Spielspaßwertung: 51%.
PLUS --> Nett anzuschauende Heldin, Zwischensequenzen, vielversprechender Ansatz, zahlreiches High-Tech-Equipment
MINUS --> Unverschämt kurz, quasi null Wiederspielwert, kein Multiplayer, störrische Kamera, haklige Steuerung, Prozedere wiederholt sich sehr schnell, Wachen nicht sonderlich schlau