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HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich
 
 

HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich [Kindle Edition]

Laurent Binet , Mayela Gerhardt
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Beim Spaziergang durch Prag entdeckt der Autor an der Krypta eine Gedenktafel für tschechische Widerstandskämpfer. Sie versteckten sich dort nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich – bis deutsche Soldaten, nachdem sie auf der Suche nach ihnen schon ganz Prag auf den Kopf gestellt hatten, die Krypta fluten ließen.Der Ich-Erzähler Binet ist so elektrisiert von dieser Geschichte, dass er beschließt, von Paris nach Prag zu ziehen und ihr nachzugehen.Er verfolgt die sich kreuzenden Spuren der Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer im Frühsommer 1942 in Prag. Der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich soll von dem Tschechen Josef Gabčik, der an den braven Soldaten Schwejk erinnert, auf offener Straße erschossen werden. Doch als der Mercedes mit Heydrich naht, klemmt der Abzug ...Ein freches und mutiges Buch, das man lachend und weinend zugleich liest.«Ein stilistisches Feuerwerk über den gefährlichsten Mann des Dritten Reichs.» PAGE

Über den Autor

Laurent Binet wurde 1972 in Paris geboren. Er absolvierte seinen Militärdienst in der Slowakei und hat in Prag Geschichte studiert. Jetzt lebt er in Paris. HHhH ist sein erster Roman. Binet erhielt dafür den Prix Goncourt du Premier Roman, und L’Express wählte HHhH zum interessantesten Erstlingsroman des Jahres.

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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Da wären auch leicht 4 Sterne drin gewesen, da das Buch zum eine höchst dramatische Situation des Zweiten Weltkrieges mit einer ungewöhnlichen Schreibmethode behandelt.

Kurz zum Inhalt: Kern des Buches ist nicht so sehr das Leben und Handeln von Reinhard Heydrich, der maßgeblich für die Konzeption und Durchführung des Holocaust verantwortlich war (was man anhand des Titels nahe legen würde), sondern die Operation Anthropoid, das Attentat auf Heydrich von Jozef Gab'ik und Jan Kubi¨.
Dabei wird die Geschichte in einem Work-in-Progress Bericht erzählt, oder stellenweise wie ein Internet Blog.

Nun wird in den Buch auch auf das Leben Heydrichs eingegangen, aber merklich mit weniger Leidenschaft als in den Sektionen, die das Attentat behandeln. Auch lässt sich ein Großteil der hart recherchierten Informationen bei Wikipedia nachlesen und vieles ist schon aus mainstream Dokumentationen von Guido Knopp bekannt und zum Teil auch wieder überholt.
(Der Appeasement-Politik Frankreichs und Groß-Britanniens lediglich Dummheit und nicht auch politisches Kalkül vorzuwerfen, zeugt doch von einen sehr eindimensionalen Geschichtsverständnis. Dass die beiden Großmächte aufgrund innenpolitischer Spannungen (Frankreich) und kolonialen Problemen (GB) den Krieg hinauszögern wollten, darauf wird nicht eingegangen.)

Dafür erfahren wir (gefühlt) jeden dritten Absatz, dass Heydrich, die Blonde Bestie, der Prototyp des 'arischen Herrenmenschen' war. Wow.

Wie gesagt, das Buch wird zum Ende hin besser, da es nun um das Attentat geht und die beiden Agenten in Aktion treten. Neben spannungsreichen Episoden, (Absprung, Vorbereitung, Attentat,Ende) tauchen immer wieder stark pathetische Abschnitte auf, wo katzbuckelnd vor Gab'ik und Kubi¨ und Prag und Frau Marevec in den Staub wirft. Zum einem gehen diese Passagen nach einer Zeit ziemlich auf den Geist. Ich bin mir bewusst, dass wir (auch wir Deutschen) den beiden und ihren Unterstützern viel zu verdanken haben und sie ein deutliches Zeichen gegen den Nazi-Terror gesetzt haben, doch es wirkt an manchen Stellen mehr als peinlich.

Die Form des Buches finde ich soweit interessant, da es durch seine 'Blog-haftigkeit' den Leser über die Motivation des Autors, seinen Fortschritt und seine Gefühle während des Schreibens informiert. Ob dieses Form aber geeignet ist diese Geschichte zu verarbeiten sei dahingestellt. Zu oft erfahren wir Sachen, die uns nicht interessieren oder weiterhelfen, er sich nur selbst darstellt und über andere Schriftsteller herzieht, so über Jonathan Little, der mit 'Die Wohlgesinnten' 2006 den Prix Goncourt gewonnen hat. Scheint ja ein toller Preis zu sein. Desweiteren wird der Lesefluss durch so manchen Einschub unterbrochen, oder gerade gelesenes wird 4 Seiten später wieder widerrufen.

Er möchte keine wissenschaftliche Arbeit schreiben, was okay ist, für einen Roman sind da aber zu viele Elemente, die meines Erachtens stilistisch nicht hineingehören. Fataler weise benennt er in seinem Werk mehre Bücher, die Operation Anthropoid, besser in einem Roman verarbeitet haben, als er selber.

Seinem höchsten Credo, so genau und authentisch zu sein wie möglich, wird er nur stellenweise gerecht. Oft stehen ihm seine Abneigung gegenüber Deutschland und seine Zuneigung der Tschechoslowakei im Weg und hindern ihm objektiv zu sein. Leider schafft er es auch nicht wirklich Prag so greifbar zumachen, wie er es vorgibt zu tun. Vieles hört sich an wie Listen aus Reiseführern. Schade, aber ich war schon ein paar mal in Prag und es ist wirklich immer einen Besuch wert.

So, nun habe ich viel negatives gesagt, aber ich empfehle dennoch jeden das Buch, der nicht viel über Heydrich und sein Ende weiß. Es ist ein guter Einstieg in die Materie und weckt vielleicht in dem einen oder anderen das Interesse für unsere jüngere Geschichte. Das Buch ist für alle eine leichte Alternative, die sich an die Biographie von Robert Gerwarth (noch) nicht ranwagen.
Es ist solide geschrieben, aber nicht überragend und wer sich stört das Heydrich zu einfach dargestellt worden ist, den muss ich sagen: Er war so (Mit Ausnahme zu seinen 4 Kindern)
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
HHhH Roman von Laurent Binet

»Himmlers Hirn heißt Heydrich«. Heydrich. Er war Chef des Sicherheitsdienstes SD unter SS-Führer Himmler, mit diesem leitete er die Gestapo, er war der Organisator des Holocaust, er war der »Henker von Prag«, er starb am 4. Juni 1942 an den Folgen eines Attentats.

Ein Roman über einen Völkermörder? Über den Erfinder der industriellen Vernichtung von Millionen Juden? Kaum vorstellbar. Dennoch gelingt dem französischen Autor genau dieses Kunststück. Und dafür hat er 2010 den hoch angesehenen Goncourt-Preis angeheimst. Verdientermaßen, wie ich meine.

Der Roman ist unterteilt in 257 nummerierte Abschnitte. Er verwebt sehr gekonnt vier Erzählstränge.

Einmal die Biografie Heydrichs selbst, seines Aufstiegs in Hitlers Machtapparat, die kaltblütige Ausschaltung von möglichen Konkurrenten. »Ist er noch nicht tot? Lasst das Schwein verbluten!« Das sind die letzten Worte, die Hitlers langjähriger Weggefährte Gregor Strasser nach dem nicht tödlichen Schuss durch die Luke der Zellentür vernahm. Es war die Stimme Heydrichs. Die Niederschlagung des sogenannten »Röhm-Putsches« war sein Werk.

In einem zweiten Erzählstrang verfolgt Binet den Weg der beiden Attentäter, des Slowaken Jozef Gabcík und des Tschechen Jan Kubi¨, von ihrem Trainingslager in England, über ihren Fallschirmsprung, die fieberhaften Monate der Vorbereitung im Untergrund, den Attentat selbst, als die notorisch unzuverlässige »Sten«-Maschinenpistole aus britischer Produktion wegen einer Ladehemmung den Dienst versagt und Jozefs Kumpan Jan stattdessen eine Handgranate auf Heydrichs Mercedes werfen muss. Danach ihre Flucht, ihr Versteck in einer Kirche, zu dem die Gestapo erst durch Verrat eines dritten Beteiligten fand. Schließlich die sechsstündige Belagerung durch 700 Waffen-SS, bis die Eingesperrten ihre letzten Kugeln verwenden, um sich selbst zu töten. Die beiden jungen Männer, mit ihren Ängsten, Sehnsüchten, Liebschaften und ihrer Opferbereitschaft, sind die eigentlichen Romanhelden.

In einem dritten Strang geht es um den Autor selbst, um seine jahrelange Recherchearbeit, seine Motive, seine Begegnungen mit Zeitzeugen, die glücklichen Zufälle während seiner mühsamen Puzzlearbeit, um seine Liebesgefährten, ohne deren Hilfe er es niemals geschafft hätte.

Schließlich wirft das Buch in einem vierten Strang einen weiteren Blick auf die europäische Geschichte. Auch hier ein Geflecht von Schicksalen. Das Schicksal, dass im 13. Jahrhundert Silbererz in Böhmen entdeckt wird, und in deren Folge der Herrscher Ottokar II. Hunderttausende deutsche Siedler bewarb, um die Minen auszubeuten, deren Nachfahren sich von der Hitler-Propaganda so begeistert missbrauchen ließen.

Das Buch ist so kurzatmig, man kann es beim besten Willen nicht aus der Hand lassen. Da schützen Kenntnisse der Geschichte nicht, die geschilderten Gräuel und der Kampf dagegen packen einen, als ob sie gerade gestern geschehen wären.

Einziges Wermutstropfen ist die Übersetzung. In Abschnitt 60 wird dem französischen Premierminister Daladier der Wille unterstellt, »die 40-Stunden-Woche wieder einzuführen«. Im französischen Original steht aber »revenir sur«, was genau das Gegenteil bedeutet. Nachdem ich über diese Stelle stolperte, verglich ich weitere Stellen und musste leider feststellen, dass die Übersetzerin ziemlich sorglos mit dem Original umgegangen ist. Das ist wirklich schade, aber vielleicht Ansporn, seine Französischkenntnisse selbst auf die Probe zu stellen.

David Paenson
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der junge Autor Laurent Binet bekam für seinen in Prag spielenden Erstlingsroman den Prix Concourt du Premier Roman. Der Roman hat einen seltsamen Titel, es geht um den Leiter der Nazi Terrorzentrale, Chefplaner der Endlösung, Statthalter Hitlers in Prag, die blonde Bestie Heydrich, wobei der Titel für "Himmlers Hirn heißt Heydrich" steht. Thomas Mann bezeichnete Reinhard Heydrich, Chef der Gestapo, einmal als Henker des Dritten Reichs".

In diesem durchaus postmodernen Roman, aufgegliedert in Teil 1 und Teil 2, geht es in den 257 Kapiteln weniger um die oft erzählte Geschichte des Attentats von 1942, den Anschlag tschechischer Widerstandskämpfern auf Heydrich, sondern der Autor verknüpft in seinem Erzählkonstrukt geschickt die narrativen Elemente mit tief gehenden Teilbereichen von Selbstreflexionen über autobiografische Thesen. So kann er im Gegensatz zum Historiker, sowohl durch Momente der Überzeichnung, als auch durch groteske Passagen den Charakter erahnen lassen, indem er besonders auf die menschliche Psyche in der konstruierten Geschichte eingeht. Dabei unterstreicht der Autor sehr überzeugend, mit dieser von ihm stilisierten Figur, dass Heydrich keine emotionslose Person war.

Der von Mayela Gerhardt übersetzte Roman zeigt sicher auf, dass es neben einer Biographie auch andere Möglichkeiten gibt, über das Thema Heydrich zu schreiben. Historische Aufklärungsarbeit will oder kann dieser Roman nicht leisten, denn er enthält dem Genre geschuldet, viele frei erfundene Szenarien. Mit seinen oft verwegenen, skurrilen und schneidigen Passagen und Überzeichnungen schafft Binet teilweise interessante Reflexionsebenen, aber er entwickelt gleichzeitig auch Sichtweisen die aus einer historischen Perspektive nicht ganz unproblematisch sind.
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