Da wären auch leicht 4 Sterne drin gewesen, da das Buch zum eine höchst dramatische Situation des Zweiten Weltkrieges mit einer ungewöhnlichen Schreibmethode behandelt.
Kurz zum Inhalt: Kern des Buches ist nicht so sehr das Leben und Handeln von Reinhard Heydrich, der maßgeblich für die Konzeption und Durchführung des Holocaust verantwortlich war (was man anhand des Titels nahe legen würde), sondern die Operation Anthropoid, das Attentat auf Heydrich von Jozef Gab'ik und Jan Kubi¨.
Dabei wird die Geschichte in einem Work-in-Progress Bericht erzählt, oder stellenweise wie ein Internet Blog.
Nun wird in den Buch auch auf das Leben Heydrichs eingegangen, aber merklich mit weniger Leidenschaft als in den Sektionen, die das Attentat behandeln. Auch lässt sich ein Großteil der hart recherchierten Informationen bei Wikipedia nachlesen und vieles ist schon aus mainstream Dokumentationen von Guido Knopp bekannt und zum Teil auch wieder überholt.
(Der Appeasement-Politik Frankreichs und Groß-Britanniens lediglich Dummheit und nicht auch politisches Kalkül vorzuwerfen, zeugt doch von einen sehr eindimensionalen Geschichtsverständnis. Dass die beiden Großmächte aufgrund innenpolitischer Spannungen (Frankreich) und kolonialen Problemen (GB) den Krieg hinauszögern wollten, darauf wird nicht eingegangen.)
Dafür erfahren wir (gefühlt) jeden dritten Absatz, dass Heydrich, die Blonde Bestie, der Prototyp des 'arischen Herrenmenschen' war. Wow.
Wie gesagt, das Buch wird zum Ende hin besser, da es nun um das Attentat geht und die beiden Agenten in Aktion treten. Neben spannungsreichen Episoden, (Absprung, Vorbereitung, Attentat,Ende) tauchen immer wieder stark pathetische Abschnitte auf, wo katzbuckelnd vor Gab'ik und Kubi¨ und Prag und Frau Marevec in den Staub wirft. Zum einem gehen diese Passagen nach einer Zeit ziemlich auf den Geist. Ich bin mir bewusst, dass wir (auch wir Deutschen) den beiden und ihren Unterstützern viel zu verdanken haben und sie ein deutliches Zeichen gegen den Nazi-Terror gesetzt haben, doch es wirkt an manchen Stellen mehr als peinlich.
Die Form des Buches finde ich soweit interessant, da es durch seine 'Blog-haftigkeit' den Leser über die Motivation des Autors, seinen Fortschritt und seine Gefühle während des Schreibens informiert. Ob dieses Form aber geeignet ist diese Geschichte zu verarbeiten sei dahingestellt. Zu oft erfahren wir Sachen, die uns nicht interessieren oder weiterhelfen, er sich nur selbst darstellt und über andere Schriftsteller herzieht, so über Jonathan Little, der mit 'Die Wohlgesinnten' 2006 den Prix Goncourt gewonnen hat. Scheint ja ein toller Preis zu sein. Desweiteren wird der Lesefluss durch so manchen Einschub unterbrochen, oder gerade gelesenes wird 4 Seiten später wieder widerrufen.
Er möchte keine wissenschaftliche Arbeit schreiben, was okay ist, für einen Roman sind da aber zu viele Elemente, die meines Erachtens stilistisch nicht hineingehören. Fataler weise benennt er in seinem Werk mehre Bücher, die Operation Anthropoid, besser in einem Roman verarbeitet haben, als er selber.
Seinem höchsten Credo, so genau und authentisch zu sein wie möglich, wird er nur stellenweise gerecht. Oft stehen ihm seine Abneigung gegenüber Deutschland und seine Zuneigung der Tschechoslowakei im Weg und hindern ihm objektiv zu sein. Leider schafft er es auch nicht wirklich Prag so greifbar zumachen, wie er es vorgibt zu tun. Vieles hört sich an wie Listen aus Reiseführern. Schade, aber ich war schon ein paar mal in Prag und es ist wirklich immer einen Besuch wert.
So, nun habe ich viel negatives gesagt, aber ich empfehle dennoch jeden das Buch, der nicht viel über Heydrich und sein Ende weiß. Es ist ein guter Einstieg in die Materie und weckt vielleicht in dem einen oder anderen das Interesse für unsere jüngere Geschichte. Das Buch ist für alle eine leichte Alternative, die sich an die Biographie von Robert Gerwarth (noch) nicht ranwagen.
Es ist solide geschrieben, aber nicht überragend und wer sich stört das Heydrich zu einfach dargestellt worden ist, den muss ich sagen: Er war so (Mit Ausnahme zu seinen 4 Kindern)