Bumsti, Heinzi, Christian, Heinrich, HC und neuerdings StraCHE - der Bad Boy der österreichischen Innenpolitik FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache kennt viele Namen und doch ist ihm von Seiten der Medien bisher weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht worden als Jörg Haider am Beginn dessen Karriere. Zu sehr marginalisiert man Strache als "Billig-Haider" und Kopie des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns, als dass man ihm publizistisch ein Denkmal in Form zahlloser meist kontraproduktiver, da die Popularität noch umso mehr steigernder, Biografien und Traktate setzen möchte. Vielleicht auch deshalb haben sich Claudia Reiterer und Nina Horaczek an die neben FPÖ-Europa-Parlamentsabgeordneten Andreas Mölzers "Neue Männer braucht das Land" erste Biografie der neuen freiheitlichen Ikone gemacht.
Dabei konnten sich die Autorinnen auf unzählige Gespräche mit Persönlichkeiten des Dritten Lagers und vor allem Strache selbst stützen, der bereitwillig über Kindheit, Jugend und politischen Werdegang Auskunft gab. Das interessante daran sind freilich die unterschiedlichen Perspektiven der Interviewten, welche aufgrund des schwelenden Bruderzwists zwischen BZÖ und FPÖ auseinanderdriften. In diesem Zusammenhang interessant und aufschlussreich ist besonders das womöglich letzte ausführliche Interview mit Jörg Haider über HC Strache, Wiedervereinigungspläne und die Zukunft des Dritten Lagers am Ende des Buches. Es ist eben doch auch mehr geworden als eine bloße Biografie. Die Autorinnnen durchleuchten nicht nur Straches Karriere, sondern auch dessen Abwendung vom ehemaligen Idol Haider zu dessen Intimfeind, verfolgt doch der Kommunal- und Landespolitiker Strache mittlerweile das gleiche Ziel als Bürgermeister von Wien mit seinem "Wiener Modell" schließlich auch auf Bundesebene punkten und Kanzler werden zu können.
Scheinbar nichts lassen die Autorinnen im Zusammenhang mit HC Strache aus, um ein umfassendes Porträt zu ermöglichen und weiten die Biografie damit zu einer Geschichte und Standortbestimmung des Dritten Lagers aus, um die politische Person Strache in einem größeren Kontext zu verstehen. Horaczeks und Reiterers Strache-Bild ist differenzierter, er ist keine Kopie Haiders, sondern unterscheidet sich in grundlegenden Dingen von diesem, wie der starken Verbindung mit den Burschenschaften und jenen Parteigranden, die sich von Haider aufgrund dessen Kurses der "inhaltlichen Beliebigkeit" abgewandt haben. Hinzu kommt, Strache ist Wiener und orientiert sich vor allem an den Wiener Interessen, auch bundespolitisch, denn wie Haider kennt er den Wert einer starken Basis, die immer wieder für ein Grundmandat gut ist. Dass das nicht alle glücklich machen kann und am Beispiel seines strategischen Bündnisses mit der Wiener Serbengemeinde bei so manchen Funktionären Stirnrunzeln hervorruft, lässt sich dabei kaum vermeiden. Ob das Werk allerdings gerade deshalb so objektiv geraten ist, weil hier Wiener unter sich waren, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, die Autorinnen verzichten gänzlich auf hysterische Rundumschläge und Diffamierungen, sie legen lieber Fakten vor und lassen die Porträtierten zu ihrer Verteidigung selbst zu Wort kommen. So kommt es, dass Strache am Ende durchaus sympathisch dargestellt wird.
Mehr als gelungen, eine Biografie die über das Biografische hinaus geht und sich einer eingehenden Betrachtung des Dritten Lagers widmet. Notwendig schon allein deshalb weil Standardwerke über die FPÖ im Grunde Mangelware sind, fehlt von ihr doch sogar "Eine kurze Geschichte..." wie sie der Überreuter-Verlag für SPÖ, ÖVP und GRÜNE vorgelegt hat. Kurzum also ein wichtiger Beitrag zum sachlichen Diskurs über österreichische Politik.
Fazit:
Dem Anspruch der Autorinnen HC Straches Aufstieg (vom politisch Interessierten zum Bundesobmann), seinen Hintermänner (Mölzer, Kabas, Kickl) und Feinden (Haider, Stadler, Westenthaler) auf den Grund zu gehen wird das nun vorliegende Werk mehr als gerecht. Sie ist fundiert, umfassend, manchmal provokativ, doch alles in allem überraschend objektiv, womit es gelingt auch Straches sympathische Seiten aufzuzeigen.