Ein schlurfiger aber selbstbestimmter Viehdoktor und Staatsveterinär, der nachts den schönen und tiefsinnigen Frauen der irischen Bars zugetan ist und des Tages virtuos sein Orchester aus Schlachthofdirektoren, jungen Geflügelzerlegerinnen, Tierärzten und Schreibtischuntätern dirigiert. Welch ein Genuss, in diesen Charakter des Dr. Jeff Buckshot einzutauchen. Ein bizarres Leben zwischen tierischen und menschlichen Innereien, altem Whisky, erotischen und nie dauerhaften Beziehungen. Muss eine One-Night-Affäre mit Anna für Dr. Buckshot ungewollt aber durchaus lebensnah mit einem schrägen blutigen Unfall enden?
Feinsinnig bis brutal, mal ernst, mal albern massiert der Autor die Lachmuskulatur, er entblößt unsere Eitelkeiten, die uns täglich durch die Welt geleiten. Er lässt Buckshot den „Neuen Weg“, die Privatisierung des staatlichen Veterinärdienstes, als politischen Irrsinn realitätsentschwobener Minister entlarven.
Zu Hilfe kommt ihm dabei der gewiefte Trinkfreund Geoffrey, der in seinem tierärztlichen Hundeleben nicht nur Hormonpillen dreht und an die Bauern der Nachbarschaft verkauft, sondern auch gerne mit einer H5N1-Karkasse aushilft. Natürlich, um im Zuge des „Neuen Weges“ die private Auftragslage zu steigern.
Der Autor zieht uns hinab in die Seelenwelten eines intelligenten, bei einem kühlen Sancerre mit Anna aufblühenden Veterinärs. Ein Jeff Buckshot, der die Seuche H5N1 schließlich auf die Reise in die Hühnerfarm bringt und sich inmitten von Klinglers Werk durch ein fachliches Missgeschick mit Sprengstoff in die Luft jagt, und dessen Knochen und Fleisch auf dem künftigen Golfplatz des jungen Advokaten Hives Guilfoyle zerfetzen...
Erst jetzt, nach fast der Hälfte seines Werkes offenbart Klingler, dass „H5N1 Seelenflug“ von Anbeginn auf doppelten Boden spielt, eine dritte Person hier die Lebensfäden zieht. Mit seinem letzten Atemhauch jedenfalls streift Buckshot seine von zahlreichen teuflischen Geistern umlungerte Seele ausgerechnet an den jungen Staranwalt vom Anwaltskonsortium Hudson, Hutchins & Partner ab. Einstürzende Neubauten...
So muss die auf Eitelkeit wie Strebsamkeit sprießende Karriere des Hives Guilfoyle nach dem Seelenflug unausweichlich in Trümmer zerfallen. Vom elitären Vize-Vorsitzenden von Haldon Castle zum kötergeleckten Marktstreicher, zum Gespött der Anwaltsvereinigung, zum ungenierten Ehrengast der Freudenhäuser, Dominas und Krankenhäuser.
Denn es ist nur ein kleines Augenzwinkern am Morgen, oder ein plötzlicher verirrter Seelenflug, der jeden weiteren Schritt des Lebens bestimmen kann, vom frisch gekürten Vizepräsidenten zu einem Streicher, der seinen zerkratzten Jaguar schließlich trunken vor dem Puff der Stadt parkt.
Ein anarchischer Roman, grimmig und komisch, spannend geschrieben, albern und tiefsinnig.
Für allzu zarte Seelen jedoch und für Kinder gehört "H5N1Seelenflug" in den Giftschrank.