Frau Kommissar liegt, eingewickelt in Tücher und damit bewegungsunfähig, im Behandlungsraum eines Hotels im Allgäu, wo sie eine Schroth-Kur machen will. Ohne dass sie es ahnt liegt im Nebenraum ihr Ex-Mann, der ein ziemlicher Fiesling gewesen sein muss, genauso wie sie in Tücher eingewickelt. Zufälle gibt's! Und da in einem Krimi Leichen gebraucht werden wird der EX auch prompt ins Jenseits befördert, auf etwas ungewöhnliche Art, nämlich mit einer Insulinspritze.
Etwa zur gleichen Zeit wird in Garmisch, der Heimat von Kommissarin Irmi, ebenfalls eine Leiche gefunden, Todesursache ebenfalls Insulin. Der Allgäuer Kommissar, eigentlich ein liebenswürdiger Typ, nur ein bisserl faul, hat nichts Eiligeres zu tun, als den Fall, wegen des Sachzusammenhangs, an Kommissarin Irmi abzugeben und für drei Wochen in Urlaub zu gehen. Das weitgehend weibliche Ermittlerteam kann loslegen.
Wer Hüttengaudi" kauft, der will leichte Urlaubslektüre und keine juristische Abhandlung. Trotzdem, es gibt Fehler, die dürfen nicht passieren. Es wird und darf in der Praxis kaum vorkommen, dass bei der Polizei jemand mit der Leitung der Ermittlungen betraut wird, wenn der eigene (geschiedene) Ehemann eines der Mordopfer ist.
Wenn einen der konstruierte Anfang und der geschilderte Lapsus nicht stören, dann folgt nun ein gut lesbarer Krimi. Starke Frauen, vom Schicksal gebeutelte Frauen, alle weiblichen Charaktere werden glaubwürdig dargestellt. Gleichzeitig erfährt der Leser etwas über Mentalität und Lebensweise der Menschen im südlichen Bayern. - So einfühlsam und verständnisvoll die weiblichen Typen geschildert sind, so schlecht kommen die Männer weg. Und bei denen wird nicht hinterfragt, warum sie so böse oder raffgierig oder hinterlistig sind; sie sind halt so. Ein paar kräftige Hiebe noch in Richtung Politik: die ist sowieso schuld an allem, weil der Gemeinderat den Jugendlichen einen Bauwagen außerorts als Treff zur Verfügung gestellt hat. Daher ist die Politik schuld, dass es dort zu verstärktem Alkoholkonsum kommt, bis hin zum Komasaufen". Und weil der Bauwagen nicht im Ortszentrum steht muss man frühmorgens, nicht immer unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, auf der Straße nach Hause laufen. Es kommt zum Unfall, und das Buch zu einem doch recht überraschenden Schluss. Für mich etwas zu überraschend.
Nebenbei: Etwas belustigt ist mir aufgefallen, dass der ebenso tote wie fiese EX von Frau Kommissarin den gleichen Nachnamen trägt wie ein bekannter anderer Autor von Alpen-Krimis (Jörg Maurer). Wer Krimis schreibt, der muss damit rechnen, dass so etwas auffällt... .