Wenn es einen Gralsforscher gibt, dessen Werke bisher noch nicht völlig ins Kreuzfeuer der Kritik geraten sind und der sich nicht auf Exklusivinformationen der zwielichtigen Prieure de Sion stützt (die laut Hüterin des Grals übrigens 1996 in einem Dokumentarfilm der BBC als groß angelegten Schwindel enttarnt wurde) dann ist das der ehemalige Restaurator Laurence Gardner.
Mit einer völlig anderen Herangehensweise gelingt es Laurence Gardner zu belegen dass Jesus nicht nur mit Maria Magdalena verheiratet gewesen sein soll, sondern als Hohepriester der Essener auch Kinder gezeugt haben will, was auf einer eigenen Stammtafel genau dargelegt wird. Im Grunde ist das die gleiche Aussage wie bei den Werken der Autoren Baigent, Lincoln & Leigh, jedoch ohne von einem Fortbestehen dieser Jesus-Dynastie bis ins 21. Jahrhundert oder über eine beständige Geheimgesellschaft zum Schutze der Erben des israelischen Königshauses zu spekulieren. Dass es sich bei Hüterin des Grals um ein Werk handelt das rein gar nichts mit dem Da Vinci Code zu tun hat, merkt man spätestens daran, dass eben diese volkstümlichen Elemente fehlen. Natürlich hat Laurence Gardner andere Bücher über die Jesus-Dynastie geschrieben, doch das sei nur am Rande erwähnt.
So einleuchtend Gardners Argumente klingen, so fragwürdig sind sie, da einige davon mittlerweile umfassend widerlegt worden sind, auch wenn sich manche seiner historischen Grundlagen in Form von mittelalterlichen Mythen und Legenden durchaus stichhaltig beweisen lassen. Sehr überzeugend sind allerdings weniger die Argumente welche man selbst nur schwer nachprüfen kann (es sei denn man gehört zu den Möchtegern-Gralsforschern und hat einige sehr kritische Werke dazu im Bücherregal) sondern der sehr neutrale und objektive Stil, welcher nicht sensationsgeil wirkt und sich auch nicht für absurde Hetztiraden meist ohnehin nicht katholischer Pseudo-Prediger gegen die Verbrechen der christlichen Urkirche und des späteren römisch-katholischen Christentums hergibt. (Man sehe mir bitte diese etwas missverständlichen Worte nach.) Das mitreißende an Märchen sind doch immer die Geschichten, ob sie nun wahr sind oder nicht, man braucht sie ja nicht 1:1 als unumstößliche Wahrheit anerkennen, aber ein bisschen Wahrheit steckt in jedem Märchen. Hüterin des Grals ist zugegeben eine sehr gut strukturierte und überzeugende Geschichte, die seriöse Geschichtsforschung mit Mythen und Legenden vermischt, ohne diese zu hinterfragen.
Fazit:
Eine spannende Geschichte, an der sicher etwas Wahres dran ist.