Nachdem ich zuvor "Die Prinzessin im Schlagenpalast" förmlich verschlungen habe, das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, habe ich sofort die "Hüterin" bestellt. Doch welche Enttäuschung ...
Die Geschichte wirkt konstruiert, bisweilen statisch. Das "Werden" der Tilo, ihre Entwicklung hin zur "Hüterin der Gewürze" wird eher am Rande erwähnt. Das Leben auf der Insel wo sie ihre Initiation erhält, ist viel zu kurz beschrieben, um ihre Beziehung zu den Gewürzen und ihr späteres Wirken in dem amerikanischen Gewürzladen schlüssig nachvollziehen zu können. Daher wirkt es doch befremdlich, wenn Tilo mit ihren Gewürzen kommuniziert oder seitenweise Seeschlangen beschwört.
Die Liebesgeschichte um Tilo und Raven wirkt wiederum konstruiert, die Seiten in denen Raven's Lebensgeschichte erzählt wird, fand ich schlicht ermüdend. So habe ich geduldig das Buch zu Ende gelesen, konnte mich über einige halbwegs spannende Seiten in den letzten beiden Kapiteln erfreuen, bevor ein hölzerner Schluss die Geschichte "krönt".
Deutlich besser gefallen haben mir im Buch die Beschreibungen der indischen Migranten in den USA und deren Lebensumstände. Diese Passagen zeigen viel Wahres, Zerbrechliches und wirklich Anrührendes.
Der Stil von Divakaruni, ihre Art Dinge plastisch zu beschreiben, ist ein Genuss und ich werde auf Grund dessen ganz sicher weiter ihre Bücher lesen. Doch leider konnte mich dieser wunderbare Stil nicht mit der Handlung in "Die Hüterin der Gewürze" versöhnen.