Eine Sammlung von 22 Kurzgeschichten, die alle auf dem von Lovecraft geschaffenen Cthulu-Mythos basieren. Die Qualität dieser Erzählungen erstreckt sich über die gesamte Bandbreite von „erstklassiger Gruselunterhaltung" (also volle 5 Sterne) bis „spaßfreiem Schrott" (0 Sterne), wobei die qualitativ besseren Geschichten glücklicherweise die Mehrheit bilden. Alle Erzählungen knüpfen an die klassischen Schauerelemente des Kultes an und bauen eine untereinander vergleichbare Atmosphäre auf - oder versuchen dies zumindest. Da Horrorliteratur sehr stark vom persönlichen Geschmack des Lesers abhängt, ist es schwierig, ein allgemeines Gesamturteil über dieses Buch zu fällen. Mir, der ich was Grusel und Horror betrifft ein begeisterter Stephen King Leser bin, hat es jedenfalls gefallen Ich bin auch eher auf Umwegen zu H. P. Lovecraft gekommen: Mein erster Kontakt mit den Auswüchsen des Cthulukultes war das PC-Spiel „Alone In The Dark" von Infogrames, ich hatte jedoch noch keine Ahnung, das es außerhalb dieses Spiels noch mehr Geschichten über das Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred, Ludvig Prinns „De Vermis Mysteriis" und den „Cthonier", im Spiel ein riesiger Dämonenwurm, gibt. Jahre später habe ich dann „Briefe aus Jerusalem" in Stephen Kings „Nachtschicht" gelesen (übrigens eine der Geschichten in diesem Buch!). Ich hatte danach echt eine Sch... Angst in der Nacht! Erst sehr viel später habe ich dann erfahren, daß nicht King, sondern Lovecraft der geistige Vater Cthulus ist. „Hüter der Pforten" ist so gesehen mein erster wirklicher Versuch, mehr über die Alten Götter von jenseits der Sterne zu erfahren. Mir fehlen zwar die Vergleiche zu anderen, eventuell besseren Erzählungen aus dieser Reihe, aber auch für sich genommen sind die meisten Geschichten (also ca. 18 der 22), zumindest für meinen Geschmack recht ordentlich.
Das einzige Manko: Die Geschichten sind alle nach einem sehr ähnlichen Strickmuster aufgebaut: Ein Intellektueller bekommt irgendwie Kontakt zu einem unheimlichen Buch oder Text und wird anschließend von finsteren und unerklärlichen Mächten heimgesucht. Haben sich die Erben Lovecrafts hier nicht getraut, die eingetretenen Pfade zu verlassen? Spätestens nach der fünften oder sechsten Geschichte hat man sich so an den Verlauf und die Atmosphäre der Handlungen gewöhnt, daß eine Art von Übersättigungseffekt auftritt. Man stumpft so weit ab, daß ein guter Teil der Spannung einfach verloren geht. Zugegeben: Ich habe auch den Fehler gemacht, das Buch am Stück zu lesen. Hätte ich mir die Geschichten besser eingeteilt, oder zwischendurch etwas anderes gelesen, wäre diese Gewöhnung vielleicht nicht - oder nicht so stark aufgetreten.
Mein Fazit: Spannende Unterhaltung, aber nur als „Zweitbuch" zu empfehlen.Drei Sterne.