Isabel und Marcus Raines führen eigentlich eine Bilderbuch-Ehe. Seit fünf Jahren glücklich verheiratet, zwar mit kleineren Höhen und Tiefen, aber immer noch verliebt wie am ersten Tag.
Ihr Leben geht auch ganz geordnete Bahnen, beide sind erfolgreich in ihrem Beruf, Isabel als Bestsellerautorin, Marcus als angesehener Software-Entwickler mit eigener Firma.
Doch eines Tages verschwindet Marcus spurlos ohne Hinweis auf seinen Verbleib. Als Isabel sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Mann macht, stellt sich heraus, dass Marcus ein Doppelleben geführt hat und gerät dabei selbst in einen Strudel von Mord und Betrug.
Sie gerät nicht nur in das Visier der Polizei und des FBI, nein, auch die osteuropäische Mafia heftet sich ihr an die Fersen...
Lisa Unger hat hier mit Isabel eine Hauptprotagonistin geschaffen, die mal auf den ersten Blick nicht besonders viel Wohlwollen und Sympathie beim Leser erweckt, zeigt sie sich doch meist recht stur und widerborstig ihren Mitmenschen gegenüber und legt noch eine Portion Egoismus oben drauf, die ihr nicht besonders gut zu Gesicht stehen.
Schlägt sie meist alle gut gemeinten Ratschläge und Tipps von Familienmitgliedern und Freunden in den Wind und zeigt sich absolut uneinsichtig und beratungsresistent, was mögliche Gefahren angeht.
Da bettelt und lechzt sie förmlich nach riskanten Situationen und schreit laut: Hier, hier!
Für mich als Leser in einigen Situationen nicht unbedingt nachvollziehbar.
Zudem präsentiert uns die Autorin hier meiner Meinung nach einfach zu viele Romanfiguren, die mit ihren problematischen Privatleben zu sehr von der wesentlichen Handlung ablenken und es einem so wirklich schwer gemacht wird, in der Story "drin" zu bleiben.
Diesen Nebenerzählsträngen wird einfach etwas zu viel Raum gegeben und der Haupt-Plot zeigt sich hier einen Hauch zu sehr vernachlässigt und stiefmütterlich behandelt.
So wird nicht nur das Privatleben von Isabels Schwester Linda mit samt Eheproblemen ausgiebigst thematisiert, nein, dem Leser wird zudem immer mal wieder auch einen Blick in die Vergangenheit der Schwestern angeboten mit dem Selbstmord des Vaters oder dem nur widerwilligen Akzeptieren des Stiefvaters Fred, da auch immer mal wieder vorzugsweise aus Lindas Sicht.
Bei all diesen Details und Einzelheiten hat sich die Autorin meiner Meinung nach einen Tick zu sehr in den Feinheiten verstrickt und einfach zu viel des Guten auf den Leser los gelassen.
Weniger ist da manchmal mehr!
Die komplette Erzählung zeigt sich zudem etwas konstruiert angelegt und wirkt dadurch natürlich auch ein bisschen unglaubwürdig und fadenscheinig, was natürlich auch die Leselust ein wenig mindert.
Die Thriller-Komponente zeigt sich hier auch eher etwas gemächlich und träge und Spannung und Nervenkitzel sind auch nicht wirklich spürbar. Da tut man sich als Leser dann doch etwas schwer, so ein bisschen mitzufiebern und einen Hauch Gespanntheit und Aufregung aufzubringen um dabei die Story auch noch vollends zu genießen.
Kurzum: Der Funke wollte nicht so recht überspringen.
Alles in allem haben wir keinen allzu packenden oder mitreißenden Thriller, bei dem einem der Atem stockt oder man sich nägelkauend von dem Schmöker in den Bann ziehen lassen kann, sondern eher einen herkömmlichen und alltäglichen Kriminalroman, der für Zwischendurch einen ganz netten Lesestoff hergibt, ohne den ganz großen Eindruck zu hinterlassen.