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Hübsche Versuche
 
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Hübsche Versuche [Taschenbuch]

Philipp Tingler
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 345 Seiten
  • Verlag: Edition Patrick Frey (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3905509261
  • ISBN-13: 978-3905509267
  • Größe und/oder Gewicht: 21,5 x 16,2 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 499.251 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.ch-Redaktion

Dieses Buch hat einen angenehm fiesen Titel. Es heißt Hübsche Versuche, und fast meinte man, damit schon alles gesagt zu haben über Autor und Buch: Hübsche Versuche, mehr nicht. Aber da steckt noch ein wenig mehr dahinter. Und dieses Mehr ist so wenig, dass man sich wieder fragt: Wo kommt man bei der Lektüre hin? Und dreht einem hier der Autor nicht schon -- ohne es zu merken -- eine lange Nase? Das tut er auch. Fragt sich also, worum es geht. Um nichts, und damit meint einer mit Bestimmtheit das ganze Leben. Oder zumindest einen nicht unwesentlichen Ausschnitt davon. Tingler, selbst der Name wäre schon ein hübsches Pseudonym, führt den Leser vom 17. Juni bis zum 24. August 1997 durch die sommerlich hübsche Stadt Zürich. Genau dort spielt dieser Roman, ein Tagebuchroman. Eine hübsche Idee, ein Genre wiederzubeleben, das im heutigen Romanangebot eher ein Schattendasein fristet.

Tingler ist ein Student der Wirtschaftswissenschaften, wenn wir den Intentionen des Autors glauben wollen (dass die Ichfigur auch sein alter ego sein kann), den es nach Zürich verschlagen hat. Mit Rich bewohnt er eine Behausung. Die Ichfigur ist homosexuell und treibt sich in den einschlägigen Zürcher Clubs herum, aber auch andere, vorzugsweise von Heterosexuellen bevölkerte Lokale, werden in dem Tagebuchroman besucht. Das ist hübsch. Und die Prosa dieses jungen Autors (er ist zum Glück erst 30 Jahre alt) besticht durch ihren mal sarkastischen, mal ironischen, mal humorvollen Ton. Doch, schreiben kann Philipp Tingler, und das sogar sehr gut. Daran sind keine Zweifel zu hegen. Bloß, so wahnsinnig ereignisreich ist dieses Leben in Zürich nun auch wieder nicht, und da helfen die Rückblenden in die Jugendzeit und Kindheit auch nicht viel weiter. Belästigt uns da ein Autor mit seinem privaten Kram? Ja, das tut er, und weil er es zuweilen recht witzig vorträgt, liest man gerne eine Weile darin. Aber wirklich nur eine Weile. So wenig hat der junge Mann in Zürich erlebt, dass man ihm den dringenden Wunsch antragen will, bitte noch ein wenig mehr Lebenserfahrung zu sammeln, bevor er sich wieder an den PC setzt. --Carlo Bernasconi

Neue Zürcher Zeitung

Lektüren

Hübsche Langeweile

Philipp Tinglers Tagebuch

Die einfachste Art, ein Buch zu schreiben, ist, ein Tagebuch über alle Begegnungen, Bemühungen, Arbeiten am Roman, Begebenheiten des Alltags in Beruf, Studium, im Liebesleben und in der Freizeit zu führen, am besten samt Namen: Lokalkolorit ist Publikums- und Absatzgarantie. Es gab eine Zeit in den siebziger Jahren, da Peter Handkes «Journale» und gar Peter Weiss' «Notizbücher» als WG-Geschwätz abgetan wurden. Wir wollen nicht in die gleichen Fehler zurückfallen. Wir schreiben das Jahr 2000, und Philipp Tingler publiziert sein Tagebuch «Hübsche Versuche». Dass sein Buch mit Fotos (zum Teil nachgestellten Szenen) aus seinem Leben bestückt ist, macht die Sache umso authentischer.

Der erste Eintrag datiert vom Dienstag, 17. Juni 1997. Ein schöner heisser Juni-Tag. Wir begeben uns mit Philipp Tingler in einen kühlen schweren Sessel, fühlen mit ihm seine Niedergeschlagenheit, hören seine Telefongespräche mit, gehen mit ihm zur Apotheke, ins Kaffeehaus, ärgern uns mit ihm über einen Artikel zur Biennale di Venezia in der NZZ und merken bereits auf den ersten zwei Seiten: auch Zürich hat seine Berlin-Generation. Die Dandys in Tinglers Buch sind meist homosexuell, geben sich als Flaneure, Berufs-Partygänger, ewige Ferienkinder, Causeure, Privatgelehrte, verdingen sich als Fotomodell oder als schlecht bezahlte Hilfsassistenten und vor allem: sie langweilen sich zu Tode.

Damit leben sie gar nicht so schlecht. Über jeden Tag (bis zum 24. August 1997, somit einen tollen Sommer lang) ist etwas zu berichten, von einem Gang ins «Odeon» oder in einen Darkroom oder in die «Silberkugel» im Shop-Ville (überhaupt wird in diesem Buch dauernd gegessen und getrunken). Ein echter Flaneur wie Tingler geht zu Fuss oder fährt betrunken seinen Mercedes durch die Zürcher Homo-Szene. Er nennt alle mit Vornamen, Herrn Muschg nur mit Nachnamen, wohl aus Respekt, weil er ihm sein Manuskript einmal vorgelegt hat. Und weil Philipp Tingler ein literaturliebender Bohème ist, liest er am liebsten vor dem Ins-Bett-Gehen (meist zwischen drei und fünf Uhr morgens) die Tagebücher von Thomas Mann, um zu sagen, dass dessen Kunst unangreifbar sei bis heute (Seite 251). Wir lehnen uns im Sessel zurück und beginnen zu gähnen. Dann blättern wir wieder ein bisschen vorwärts und rückwärts, lesen ein bisschen, schauen die Fotos an und freuen uns am humanistischen Bildungswissen des Autors und an den süssen Hurenkindern der Setzerin Simone Eggstein. Schliesslich klappen wir das Buch zu und erlauben uns einen schlampigen Schluss des Artikels, in der Hoffnung, die Ironie des Autors richtig aufgefasst zu haben auch in dem Punkt, dass die meisten Journalisten eh verblendet, dumm und überflüssig seien (Seite 255). Nicht einmal das vermag uns eigentlich so richtig auf Trab zu bringen. Dandyhafte Langeweile lernt sich schnell.

Sibylle Omlin


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von panzac
Es ist mir schon eine Weile nicht mehr passiert, bei einem Buch von Lachkrämpfen geschüttelt worden zu sein, die meine bessere Hälfte zur Bemerkung veranlasst hat, dass die gemeinsame Bettstatt zu sehr vibriere, um noch an Schlaf denken zu können.

Glücklicherweise war ich im Sommer 1997, als Versace erschossen wurde und Philipp Tingler die Zürcher Szene unsicher machte, in den Ferien und in festen Händen, womit die Gefahr, sich selber wie so viele damals zu Recht und zu Unrecht vielbeachtete Geschöpfe des Zürcher demimonde in einem der hübschen Kabinettstücke wieder zu finden, die sich hier aneinander reihen, auf ein Minimum reduzierte. Nun, Herr Tinglers finsteres Gesicht und seine engen T-Shirts signalisierten ja auch schon jedermann von weitem, dass sich besser nur Übermenschen seiner Radioaktivität nahen sollten, während schwächliche Wesen und tumbe Eingeborene schwerste Mutationen riskierten.

Das Buch ist lustig, ja oft sogar köstlich. Der alte Dativ und Ausdrücke wie mittenmang können einem zwar schon bald auf die Nerven gehen, und die Handlung lassen wir mal lieber beiseite. Ja, es gab sie damals, diese blasierte Sprüngli-Odeon-Dandywelt, die sich in den tieferen Regionen des Homo-Nachtlebens zwar Jungmänner angelte, um dem angekränkelten Elan vital wieder aufzuhelfen, aber sonst nur Verachtung und Spott für die Regenbogenzombies und Augenaufschlagsrehkitze übrig hatten, die auf dem Zürcher Pflaster ihr Glück suchten. Allerdings nicht jeder hatte ein so scharfes Auge für die eigene Widerlichkeit wie Philipp Tingler. Chapeau dem armen Rich, das seit so vielen Jahren mitzumachen!

Nun, warum soll man dieses Stück Pop-Literatur der 90er, im Tüll stockfleckiger Thomas Mann-Prosa nach 10 Jahren wieder hervorkramen? Sicher einerseits aus Nostalgie, denn die Welt, gerade in Zürich, ist seither eigentlich nicht besser geworden. Andererseits wegen der Personenbeschreibungen.

Tinglers ganzes, seither leider nur selten wieder ausgekitzeltes Potential als Schreiber wird hier erkennbar. Wenn Frau Svenja Danzeglocke ein Holzblasinstrument im bunten Festsaal eines Hochbegabten-Ferienlagers der Studienstiftung des Deutschen Volkes in Italien traktiert, ein Pummel im Kreis des Zürcher Begegnungszentrums Centro am Sihlquai alles auf den Punkt nuschelt, das an dieser Institution nervtötend war, oder Frau Katzensteins Ohren wie aller Federn beraubte Nacktvögel über frohem Partyvolk schweben, ist kein Halten mehr. Hier hat Philipp Tingler meine Sympathie, ja meine Liebe. Seine Prosa ist vielleicht nicht nett und auch nicht sehr tiefschürfend, aber von der Schärfe eines Seziermessers und unendlich wahr.

So bleibt zu hoffen, dass Tingler seit 1997 weiterhin brav sein Tagebuch nachgeführt hat. Fischtal, seine Diss. über Thomas Mann und das Gefunkel der Hochglanzillustriertenartikel, die er seither produziert hat: geschenkt. Tingler ist ein wahres Talent, das sich aus der Geiselhaft, gefallen und von immer weiteren Kreisen der von ihm verachteten Umwelt geliebt zu werden, befreien sollte. Mögen mit Falten, wuchernden Fettpolstern und hängenden Ex-Muskeln im nahenden Prophetenalter ihm wieder die Kräfte zuteil werden, die Unerträglichkeit seiner Zeitgenossen und seiner selbst in formschöne Sätze zu giessen. Wir warten.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Wenn Herr Tinglers Ich-Erzähler zum wiederholten Male die Frage skandiert "Wer braucht das? Wer braucht das?", ist der abgeneigte Leser gewillt zu fragen: ja, wer braucht dieses Buch? Dieser abgeneigte Leser hat wahrscheinlich ein Buch gelesen, das bis auf den letzten Tintenklecks den "Hübschen Versuchen" Tinglers gleicht, aber in keiner Weise bei ihm den Charme und die Intelligenz, vor allem aber den teils sublimen, teils unverhohlenen Sarkasmus immer dort entfaltet, wo der Erzähler sich selbst im Spiegel seiner Mitmenschen betrachtet. Und warum wird er immer dicker, wo er doch nur Fruchtsalat ißt, sich auch gar nichts anderes mehr leisten kann, dafür aber sowohl den Montblanc-Meisterklasse-Füllfederhalter und den Mercedes behalten will? Wenn man seine Unterhaltsamkeit bemerkt, was reizt ihn da noch das Kompliment für gutes Aussehen? Und schließlich: wenn er ach so bürgerlich erzogen wurde, und alles in ihm nach Normalität strebt, warum reizt ihm dann die Untreue (oder habe ich das falsch gelesen?) Dieses Buch brilliert durchgängig durch sein komisches Moment, seinen Antrieb auch aus der genauen Schilderung tatsächlicher Begebenheiten erhaltend (man lese nur die köstlichen Diatriben auf Klagenfurt und vergleiche sie mit Tinglers Auftritt beim Bachmann-Preis 2001), und stimmt doch nachdenklich in Zeiten der Regentschaft des schönen Scheins. Und so verlangt die rhetorische Frage nach dem Bedarf doch eine Antwort: Wir alle!
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Ein lustiges und gemeines Buch. Man hofft, mit jeder Zeile, die man liest, dem Autor im Sommer 97 nicht begegnet zu sein. Gleichzeitig eine exakte Beschreibung, wie es "damals" war in Zürich. Und immer noch ist. Hoffentlich gibts bald mehr zu lesen von diesem talentiertem Erzähler.
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