Schon immer lag das Hauptaugenmerk der Historiker auf den politischen und militärischen Begebenheiten unserer Vergangenheit. Die Geschichte der Kindheit wurde dabei, auch aufgrund der schwierigen Quellenlage, lange Zeit vernachlässigt. Auf Initiative von Lloyd de Mause haben Anfang der 1980 er Jahre zehn Psychohistoriker den Schritt gewagt und untersucht, wie sich die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern in unserer Kultur von der Antike an verändert haben. Das Buch „Hört ihr die Kinder weinen" enthält die zehn so entstandenen Aufsätze.
In diesen zehn Aufsätzen wird untersucht, ob sich Eltern immer so verhalten haben, wie sie es heute tun, welche Gefühle Eltern ihren Kindern entgegengebracht haben, wie sie mit ihnen gesprochen haben und welche Phantasien sie in bezug auf ihre Kinder hatten.
Insgesamt sind die dargelegten Forschungsergebnisse recht deprimierend. Die zehn Aufsätze berichten von der langen und traurigen Geschichte der Mißhandlung von Kindern, die in frühester Zeit anfing und leider noch immer kein Ende gefunden hat. Dennoch gelangen die Autoren zu dem Schluss, dass im 18. Jahrhundert (glücklicherweise) eine Entwicklung zu einer humaneren Einstellung Kindern gegenüber begann.
Es bleibt festzuhalten, dass „Hört ihr die Kinder weinen" nicht nur aus historischer, sondern auch aus psychologischer und soziologischer Sicht sehr interessant ist. Die Aufsätze sind gut geschrieben und beinhalten viele zeitgenössische Fallbeispiele, Zitate und Erzählungen. Es sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass sich keiner der Aufsätze primär auf Deutschland konzentriert. Statt dessen finden sich Aufsätze über die Kindheit in Italien(im 14-16 Jahrhundert), die Kindheit in England(im 15. und 16. Jahrhundert), die Kindheit in Frankreich( im 17. Jahrhundert), die Kindheit in Amerika(im 18. Jahrhundert), die Kindheit im zaristischen Russland, sowie über die Kindheit in Europa (mit vereinzelten Fallbeispielen aus dem deutschen Raum).