Grundsätzlich freut mich jedes Buch, das über Zen erscheint, damit vielleicht noch ein paar Menschen mehr zu dieser ausserordentlich schönen Form finden, aber bei diesem Buch hier war ich wirklich sehr hin und her gerissen. Obwohl man zweifellos auch einige schöne Gedanken darin findet, wirkt es im Gesamten doch seltsam aufgesetzt und unauthentisch. Zu sehr versucht Hinnerk Polenski vielleicht sich als gestandener und erfolgreicher Zen-Meister zu zeigen. Das beginnt schon auf den ersten Seiten, als er uns wissen lässt, dass er am liebsten als "Sensei" angesprochen wird oder als "Syobu Sensei", was so viel wie "respektabler Zen-Krieger" bedeutet - also nichts von "ohne Rang und Namen", wie es im Zen so schön heisst.
Dann fällt auch auf, wie Hinnerk Polenski durch das ganze Buch hindurch immer gegen die Esoterik und sogenanntes "Wellness-Zen" lästert, auf Seite 222 bezeichnet er solche Menschen sogar als "Esoterik-Trötchen", er aber dann gleichzeitig sein eigenes Buch "Hör auf zu denken - sei einfach glücklich" betitelt, und auf die Rückseite des Buches dann auch noch gross schreibt: "Folge dem Weg deines Herzens"- was vom Jargon her doch sehr Esoterik-orientiert anmutet. Das alles wirkt einfach nicht wirklich überzeugend. Ein Zen-Meister lässt sich wohl eher nicht über Wellness-Zen aus, weil er weiss, dass das ohnehin keinen Wert hat.
Oder dann fragt ihn die Journalistin Ulrike Wischer (die gleichzeitig auch seine Schülerin ist), es handelt sich über weite Strecken ja um ein Interview zwischen den beiden, ob er selbst denn erleuchtet sei, und Hinnerk Polenski antwortet darauf nur: "Kümmere dich um deinen eigenen Dreck." - so als hätte er irgendwo mal gelesen, dass ein Zen-Meister auf solch eine Frage eine ruppige Antwort geben muss - und so gibt er sie dann halt. Solche Dinge findet man über das ganze Buch hinweg, und sie muten doch eher seltsam an. Aber dann gibt es doch immer wieder auch einzelne wirklich schöne Passagen, die man mit Freude liest. Man hat also durchaus den Eindruck, dass Hinnerk Polenski viel über Zen weiss und es den Menschen auch näher bringen will, ich möchte wirklich nicht ungerecht sein, aber möglicherweise spürt man einfach auch zu sehr das Bemühen, dass alles furchtbar zen-mässig daherkommen muss, damit es auch wahnsinnig kompetent erscheint - und es könnte sein, dass dies dem Buch gerade zum Verhängnis wurde:
Denn Zen, das unbedingt Zen sein will, ist kein Zen mehr.
Vielleicht ist dies also ein gutes Einstiegsbuch für Anfänger, um durch die leichte Art der Dialogform etwas über Zen zu erfahren. Oder man greift dann direkt zu Shunryu Suzuki's "Zen-Geist - Anfänger-Geist", einem der nach wie vor schönsten Bücher, wenn man etwas über dieses Thema erfahren möchte. Denn genauso empfiehlt es ja auch Hinnerk Polenski selbst in seinem Buch (auf Seite 51): "Lies ältere Autoren, die über Zen schreiben. Jemand wie Taisen Deshimaru Roshi, Shunryu Suzuki...".
Das scheint mir ein sehr aufrichtiger Hinweis zu sein.