.... weil all das nie hätte erlebt werden dürfen. So oder ähnlich formulierte sich die Autorin Eva Demski, als sie das Nachwort zur der vorangehenden Auflage des Buches schrieb. Im "Höllentor" beschreibt Anja Lundholm mit klarer, unzweideutiger Sprache ihre Erlebnisse als Häftling im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie aufgrund ihrer Kontakte zu einer Widerstandsbewegung und ihrem Status als Halbjüdin inhaftiert ist. Unvermittelt findet sich der Leser regelrecht umzingelt von den Beschreibungen der täglichen Appelle, bei denen regelmässig entkräftete Häftlinge zu Boden sinken und von ihren Bewachern entfernt werden, von eindringlichen Schilderungen der Not, der Enge, des Schmutzes in den Baracken, von der Brutalität, welche den Umgang der Häftlinge untereinander prägt, und vom durch Anja Lundholms einprägende Worte geradezu real vernehmbaren Geruch des Krematoriums. Einige Häftlinge, so auch die Erzählerin werden als Zwangsarbeiter für eine nahegelegene Fabrik rekrutiert und entrinnen so für einige Zeit dem Grauen des KZ. Doch dann rückt die Rote Armee an und die Nazis müssen das Lager räumen um ihre Greueltaten zu verbergen. Die Häftlinge werden evakuiert und auf ein freies Feld getrieben....
Schemenhaft und doch eindrucksvoll kann der Leser die im Hintergrund stattfindenden Ereignisse des Krieges erahnen. Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern, welche schon in die Hände der Russen gefallen erreichen Ravensbrück und werden im Lager untergebracht. Eine unerträgliche Enge ist die Folge. Täglich geistern Gerüchte vom Ende des Krieges durch die Reihen der KZ-Insassen, aber eben nur Gerüchte.
Nie hat mich ein Buch mehr beeindruckt als das Höllentor, nie hat sich meine Einstellung zu einem Thema so grundlegend gewandelt wie durch dieses Buch. Anja Lundholm beschreibt präzise aber ohne Vorwurf, packend aber ohne Pathos, was allein der Titel des Buches widerspiegelt: Das KZ ist das Tor zur Hölle, aber es ist eben nur das Tor. Nur was bitte ist dann die Hölle? Die Autorin bleibt stets eine winzige Strecke unterhalb der Schwelle von Pathos, Vorwurf und Mitleid. Alles in diesem Buch ist selbst erlebt. Deswegen dürfte es das Buch nicht geben. Vergesst Bernhard Schlinks Vorleser, dieses Buch ist Pflichtlektüre für Deutsche Schüler, Erwachsene, Linke Rechte, Altnazis und alle Radikalen.
Der Verlag Langen-Müller hat das Buch rechtzeitig wieder aufgelegt: wenige Woche vor dem Tod der Autorin. Danke, Anja Lundholm, für dieses Werk.