Ich hab mir das Buch gestern Nachmittag gekauft und heute habe ich es schon durch. Liest sich recht flüssig, man ist schnell drin in der Story und möchte gern wissen , wie es weitergeht.
Enthüllungsbücher über die Hells Angels gibt es ja schon eine ganze Menge, aber die meisten sind aus der Perspektive von verdeckten Ermittlern geschrieben, die sich sich unerkannt eine Zeit in der Szene herum getrieben haben, oder von Journalisten, die unter dem Deckmantel des Enthüllungsjournalismus eher tendenziöse Ansichten breittreten.
Hier hat man es nun mit einem Ex-Angel zu tun, der nach eigener Aussage, aus dem Club herausintrigiert wurde, und nachdem sein Leben wie das seiner Schwester bedroht wurde, sich entschloss, mit der Polizei zusammen zu arbeiten und dann eben noch vorliegendes Buch zu verfassen, welches kaum ein gutes Haar an seinen ehemaligen Brüdern und der Organisation an sich läßt.
Interessant ist das alle mal, vorausgesetzt man interessiert sich für die Outlaw-Biker-Subkultur und damit verbundene Insight-Enthüllungen.
Der Autor läßt im Kurzverlauf seine Jugend passieren und wendet sich dann seiner Zeit als Bordellbesitzer, Bonemitglied bis hin zum Eintritt bei den Angels zu.
Man hätte sich hier vielleicht eine etwas detailiertere Beschreibung gewünscht. Alles wird recht kurz angeführt, und man merkt, das Hauptbedürfnis des Autors besteht darin, das ihm zugefügte Unrecht durch den Club anzuprangern, und jedem mal so richtig gegens Schienbein zu treten.
Das ist dann auch ein Problem , das ich mit dem Buch habe. Dass ich mich nämlich frage: würde der Autor all die Punkte gegen die Hells Angels genau so vertreten, wäre er nicht heraus geschmissen worden. Ob nun zu Recht oder aufgrund einer Intrige spielt da ja erst mal keine Rolle. Man muß sich einfach vor Augen führen, dass wir es hier nicht ,wie bei Neo-Nazi -Aussteiger Ingo Hasselbach, mit jemandem zu tun haben, der ein soziales Umfeld, aufgrund von Einsicht verlassen hat, um dann andere davor zu warnen, sondern der gezwungen wurde, es zu verlassen.
Das führt dann dazu, dass wenn auch nicht alles , so doch fast alles auf einmal als schlecht empfunden wird, und so auch dargestellt wird.
Bad Boy Uli führt zwar an, dass er auch schon zu seinen aktiven Zeiten beim Club, eine zunehmende Entfremdung des Ursprungsgedanken der Hells Angels erkannt haben will, und beruft sich gleichzeitig auf die amerikanischen Wurzeln und Auslebung der Angelsideale, die er als wesentlich wahrhaftiger und ehrhafter als die deutschen betrachtet.
In Deutschland gehe es nur darum , Geld zu machen, und jeder würde sein eigenes Süppchen kochen.
Das hindert ihn aber nicht daran, letztendlich alle in die Pfanne zu hauen- die deutschen wie die amerikanischen Hells Angels.
Er plaudert die World Rules aus, führt internationale Rassismusvorfälle an, verurteilt den Security -Einsatz beim Altamountfestival etc...
Letztlich muß ich sagen, dass ich etwas skeptisch bin , was den Wahrheitsgehalt angeht. Interessant zu lesen , wie gesagt , auf jedem Fall.
Man muß natürlich immer bei solchen Werken zwischen den Zeilen lesen. Wenn ich ein Buch von Sonny Barger lese , erwarte ich auch nicht , dass das alles so passiert ist, sondern ich weiß , dass Barger so schreibt, wie er möchte, dass die Wirklichkeit vom Leser wahrgenommen werden soll.
Der Autor von "Höllenritt" hat sich mit diesem Buch auf jedem Fall ganz schön in die Nesseln gesetzt. Es dürfte im Moment wohl kaum jemanden geben, der bei den Hells Angels unbeliebter ist als er. Ist das nun Mut oder Schwachsinn ?-Keine Ahnung !
Gut verkaufen wird das Buch sich sicherlich, so präsent wie das Thema Hells Angels in der Öffentlichkeit im Moment ist.