"Höllenreiter der Nacht" ist der erste Teil der neuen Reihe "Vergessene Kriegsfilme" von Voulez Vous Film und Intergroove, die auch die Reihe "Vergessene Western" herausbringt.
Der 1951 entstandene Film erzählt in sehr geraffter Form die Geschichte einer amerikanischen Luftwaffeneinheit während ihres Einsatzes im Pazifik im Zweiten Weltkrieg von der Einführung der B29 ("Fliegende Festung") bis Kriegsende.
Über den Inhalt von Kriegsfilmen lässt sich viel streiten. Einerseits gehört der Film -wie die meisten der amerikanischen Kriegsfilme der damaligen Zeit- zwar in die offiziell nie ausgerufene Serie "Patriotisches Waffengeklirr", hebt sich von dieser aber auch wieder wohltuend ab. Wie in den meisten seiner Kriegsfilme verzichtet der Regisseur Allan Dwan darin nämlich auf einige zu dieser inoffiziellen Reihe gehörenden Dauerelemente wie den ewig grinsenden Japaner, dessen Gesicht insbesondere beim Töten von wehrlos im Wasser schwimmenden abgeschossenen Piloten vollends zur Grimasse wird. Dwan beschränkt seine Darstellungen weitgehend darauf wie die amerikanischen Piloten in Krisensituationen über sich hinauswachsen. Das Ergebnis kann man mögen oder nicht. Jedenfalls hebt es sich von vergleichbaren Filmen der damaligen Zeit merklich ab und ist insofern zumindest eine geschickte Wahl für den Start der Reihe "Vergessene Kriegsfilme".
Die Bildqualität der DVD ist in Ordnung. Lediglich der schon aus der Reihe "Vergessene Western" bekannte Tonteufel schlägt wieder zu, allerdings in nur moderater Form: Während die Besatzung aus einer abgeschossenen Maschine die Besatzung abspringt, ertönt etwas unerwartet eine weibliche Stimme mit "Guten Abend, meine Damen und ...". Aber das war es dann auch.
Als Bonusmaterial wird der Film in der amerikanischen Schnittfassung beigefügt, die kürzer (!) ist als die deutsche Fassung, wobei die 88 Minuten der deutschen Fassung auch nicht die längste Version ist: Die britische Fassung hat eine Länge von 98 Minuten. Das Phänomen unterschiedlich langer Fassungen ist bei vielen Kriegsfilmen der damaligen Zeit, die den Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand haben, zu beobachten, wobei "Höllenreiter der Nacht" einer der wenigen Filme ist, der in der deutschen Version länger ist als in der amerikanischen. Normalerweise ist die amerikanische Fassung die längste, gefolgt von der britischen mit moderaten Schnitten und diese gefolgt von dem deutschen Radikalkurzschnitt. Mein Lieblingsbeispiel "Back to Bataan" hat eine Originallänge vom 98 Minuten, die britische Version ist 85 Minuten lang und die deutsche 70 Minuten lang, wobei in der deutschen Version Szenen enthalten sind, die in der britischen fehlen. Insofern bietet das Beifügen verschiedener Fassungen immer einen interessanten Einblick in die Sichtweise auf den zurückliegenden Krieg in den verschiedenen Nationen in den 50-er Jahren.
Begrüßenswert ist weiter, daß dem Film der ursprüngliche deutsche Titel erhalten blieb. Und auch beim Cover scheinen sich die Fehler aus der Reihe "Vergessene Western" nicht zu wiederholen. Es scheint nämlich tatsächlich im Zusammenhang mit dem Film zu stehen (Filmplakat ?).
Insgesamt ein recht gelungener Start der neuen Reihe "Vergessene Kriegsfilme". Wenn jetzt noch die letzten Tonprobleme bereinigt werden, kann man die berechtigte Hoffnung haben, daß vergessene Filme doch noch eine angemessene Plattform finden.