Die Thematik, dass wir Soldaten im Ausland haben, wird in Deutschland nicht klar genug aufgegriffen und diskutiert.
Es wird verdrängt, dass wir uns neuen Herausforderungen stellen müssen, die durchaus unseren ganz persönlichen Frieden in Deutschland gefärden. Aber auch, dass wir die Kraft, die klare Vorstellung, die Unabhängigkeit einer eigenen Entscheidung besitzen, um anderen Menschen aus ihrer unterdrückten Situation zu helfen und sie bei ihren ersten Schritten in die Demokratie und Meinungsfreiheit zu schützen und zu begleiten. Dafür müssen sich Männer und Frauen in diese Regionen begeben, vorort sein und stark bleiben, was immer ihnen dort widerfährt.
Daniela Matijevic ist so eine Frau, sie war da, sie war stark und muss damit leben, was sie gesehen und erlebt hat. Ihr Buch zeigt wie wenig vorbereitet wir eigentlich alle darauf sind, was in unseren Nachbarländern passiert und wie es passiert. Gräueltaten gehören für uns ins Mittelalter, sind bestenfalls ein Einzelfall und dann auch noch ganz weit weg.
Es ist nichts mehr weit weg. Die Welt ist kleiner geworden, Wege sind kürzer geworden, Bedrohung muss nicht persönlich am Leib erfahren werden. Die Bedrohung hat Flügel bekommen und kann jederzeit deine Seele verletzen, sogar zerstören. Frauen und Männer, für die Daniela Matijevic steht, müssen unsere Aufmerksamkeit haben, wir müssen zu ihnen stehen und uns in unserer heilen Welt so lange für ihre Geschichten interessieren, bis jeder von ihnen mit dem letzten bisschen unaussprechlichen herausgerückt ist. Wir hören zu, wir verstehen nicht gleich alles, vielleicht auch später nicht, aber wir teilen das Erlebte, wir sind Mitwissende und das ist eine Gemeinschaft.
Das Buch von Daniela Matijevic macht uns zu Mitwissenden und das ist gut so. Die Fakten sind nebensächlich, hier hat ein Mensch, der reinen Herzens war und helfen wollte, in die Realität eines anderen Landes geblickt und ist hineingeraten. Was gibt es da zu deuteln und zu kritisieren? Sie beschreibt sehr emotional den Verlauf ihrer ganz persönlichen Geschichte, die jedem von uns hätte passieren können.Sie lässt uns eintauchen in Mut und Engagement, Verunsicherung, Hilflosigkeit, Verzweiflung, funktionieren müssen. Dieses Buch sollten diejenigen lesen, die daran zweifeln. Diejenigen, die glauben diese Politik ist völlig falsch und diejenigen, die glauben ein Soldat macht diesen Job weil er Abenteuer erleben will. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein und Gespräche und Diskussionen hervorrufen, die unsere Gemeinschaft prägen und stärken. Stoff dazu liefert uns die Autorin genug davon und sie stellt sich selbst diesen Geprächen noch, obwohl sie soviel Beleidigendes bei der großen Belastung, die sie schon trägt, erfahren musste.
Mit der Hölle hätte ich leben können: Als deutsche Soldatin im Auslandseinsatz