Kurzbeschreibung
Denis Johnson beschreibt in seinem unverwechselbar klaren, rauhen und poetischen Stil drei Reisen in das von Armut und Bürgerkrieg verwüstete Afrika. In großer Schonungslosigkeit und Radikalität stellt er die verzweifelte Grausamkeit der Menschen neben die schillernde Schönheit des Kontinents.
Klappentext
Denis Johnsons Afrika-Reportagen In der Hölle stellen ohne Zweifel einen Höhepunkt seines Werkes dar. Er ist im Auftrag der Zeitschrift »The New Yorker« zweimal nach Liberia und einmal nach Somalia gereist. Johnson erkundet das dunkle Herz Afrikas und blickt tief in die Abgründe des menschlichen Wesens. Es sind Reiseberichte von schockierender Klarheit und Erzählungen vom Verlust der äußeren und inneren Zivilisation. Mit seinen Romanen und Erzählungen hat sich Johnson eine herausragende Stellung unter den amerikanischen Autoren erschrieben. Zu seinen Bewunderern zählen Don DeLillo, Philip Roth, Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides, Stewart O'Nan und Tobias Wolff. Und auch im deutschsprachigen Raum überschlägt sich die Presse vor Lob, von »grandios« (Die Welt) und »wahnwitzig gut« (FAS) bis »meisterhaft« (NZZ) und »schrecklich schön« (SZ).
Über den Autor
Denis Johnson wurde 1949 in München als Sohn eines amerikanischen Offiziers geboren. Er hat zahlreiche Romane und Gedichtbände veröffentlich und schreibt Reportagen für die Zeitschrift »New Yorker«. Johnson lebt in Idaho und gilt als einer der wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur.
Auszug aus In der Hölle. Blicke in den Abgrund der Welt von Denis Johnson. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Sonntagabend: Wir sind immer noch hier. Wieder einmal hocke ich irgendwo in Afrika und warte. Warte auf morgen. Vielleicht tut sich bis dahin etwas, vielleicht auch nicht. Was für ein gräßlicher Ort für einen ungeduldigen Mann ...
Im Dunkeln scheint der Horizont so weit entfernt wie der Himmel über uns. Kein Mond heute Nacht, nur alle Sterne, die es jemals gab, und Satelliten auf ihrer Umlaufbahn und manchmal, ganz selten, etwas Blinkendes, ein Flugzeug in zehn Kilometern Höhe vielleicht. Eine weitere Nacht unter einem fremden Himmel in einem anderen Winkel der Welt. Im Radio höre ich Berichte von Bombenanschlägen, Kämpfen, Seuchen, ja sogar Hexenverbrennungen (in den letzten zehn Monaten wurden in Südafrika siebzig ältere Frauen verbrannt), und ich habe das Gefühl, in einer Welt zu leben, in der es nichts anderes gibt als das. Ich habe eine Taschenbuchausgabe des Neuen Testaments dabei, aber es fällt mir nicht leicht, darin zu lesen, denn im Augenblick lebe ich selbst in der Welt der Bibel - einer Welt der Krüppel und Monster, einer Welt der verzweifelten Hoffnung auf einen wütenden Gott, einer Welt der Verbannung, der Machtlosigkeit und des Wartens, Wartens und Wartens. Aber auch einer Welt der Wunder und der Erlösung.
Im Dunkeln scheint der Horizont so weit entfernt wie der Himmel über uns. Kein Mond heute Nacht, nur alle Sterne, die es jemals gab, und Satelliten auf ihrer Umlaufbahn und manchmal, ganz selten, etwas Blinkendes, ein Flugzeug in zehn Kilometern Höhe vielleicht. Eine weitere Nacht unter einem fremden Himmel in einem anderen Winkel der Welt. Im Radio höre ich Berichte von Bombenanschlägen, Kämpfen, Seuchen, ja sogar Hexenverbrennungen (in den letzten zehn Monaten wurden in Südafrika siebzig ältere Frauen verbrannt), und ich habe das Gefühl, in einer Welt zu leben, in der es nichts anderes gibt als das. Ich habe eine Taschenbuchausgabe des Neuen Testaments dabei, aber es fällt mir nicht leicht, darin zu lesen, denn im Augenblick lebe ich selbst in der Welt der Bibel - einer Welt der Krüppel und Monster, einer Welt der verzweifelten Hoffnung auf einen wütenden Gott, einer Welt der Verbannung, der Machtlosigkeit und des Wartens, Wartens und Wartens. Aber auch einer Welt der Wunder und der Erlösung.