Das Interessanteste an Härtlings Buch ist vielleicht die Perspektive. Während des Lesens hat man ganz deutlich den Eindruck von sich ständig ändernder Nähe und Ferne, räumlich, zeitlich, persönlich.
Härtling schreibt als Autor: Berichtet von Briefen, die er analysiert, von einem Bild Hölderlins, das er betrachtet, von seiner Geburtsstätte am Neckar, heute.
Dann wieder nähern wir uns Hölderlin, sinken in seine Zeit ein, sehen in seine Gedanken, verstehen ihn. Und dann wieder dürfen wir nur beobachten, das Geschehen von aussen betrachten, aus unserer Zeit heraus.
Vielleicht hat mich das am meisten beeindruckt. Und natürlich lernt man viel über Hölderlin, erfährt über seine Zeit, seine Zeitgenossen, sein Leben - lernt Diotima kennen, liest Briefe seiner Freunde, Briefe Hölderlins aus dieser Zeit.
Ein gelungenes, zum Nachdenken aufforderndes Buch. Wenn ich eine Hölderlin-Biographie empfehlen müsste, so würde es diese sein.