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Höhere Welten: Ein deutscher Alltagsroman
 
 
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Höhere Welten: Ein deutscher Alltagsroman [Taschenbuch]

Hella Streicher
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Books on Demand Gmbh; Auflage: 1 (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3831146764
  • ISBN-13: 978-3831146765
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.312.152 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Andreas Schnell in: BREMER, Mai 2003, S. 17.

"Bremen ist nicht gerade eine Stadt, die in der Literatur eine wichtige Rolle spielte, jedenfalls nicht als Schauplatz wie New York oder St. Petersburg. Hella Streicher, die gerade ihren ersten Roman 'Höhere Welten' veröffentlicht hat, findet das so bedauerlich wie ändernswert. [...] So entstand zwischen 1995 und 2000 ein Buch voller Details, Zitate, Sprachwitz, Verweise auf Literatur und Musik und mit Gespür für Melodie und Rhythmus der Sprache. [...] Für BremerInnen gibt es viel wiederzuerkennen [...]. Und auf einer allgemeinen Ebene geben oft satirische Exkurse in die Zeitgeschichte - Kohl-Ära, Wendezeit und erster Golfkrieg - dem Buch ein besonderes Gepräge."

Kurzbeschreibung

"Morgen, endlich! Jaaa! Deutschland balla, balla!" Mit dieser BILD-Schlagzeile und Erinnerungen an die gute alte Bremer Punkzeit im Kopf fährt Andrea zur Arbeit, wo ihr die Esoterikerin Luise begegnet. Obwohl Welten zwischen ihnen liegen, freunden sich die beiden Frauen miteinander an. 'Höhere Welten' ist die Geschichte dieser turbulenten und bald für beide qualvollen Freundschaft, zugleich aber auch eine Geschichte über den deutschen Alltag der 90er Jahre und die Generation derer, die 1968 zu jung und 1989 zu alt waren. Mit dokumentarischer Genauigkeit und satirischem Biß läßt Hella Streicher ihre Protagonistin Andrea von den Irrungen und Wirrungen der Menschen in Bremen, am Bodensee und anderswo berichten, bis hin zu einer düsteren Phantasie über die neuen Menschen in einer Welt am Draht, innerlich leer und getrieben, alle lebendig tot. Damit verweist der zwischen 1995 und 2000 geschriebene Roman auf eine Zukunft, die am 11. September 2001 begonnen hat: die Zukunft unserer Borderlinewelt.

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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Fulminante Symphonie der Sprachkunst, 2. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Höhere Welten: Ein deutscher Alltagsroman (Taschenbuch)
Mehr zufällig bin ich auf "Höhere Welten" gestoßen und habe mir das Buch, durch die Webseite der Autorin überzeugt, gekauft, was ich während der Lektüre keine Sekunde bereuen mußte. Dieser Roman ist ein großartiges, ein wichtiges Werk, welches mich in seiner dramatischen Intensität und seiner stringenten, kunstvollen Sprache schlicht begeistert hat.
Ein wenig verwundert jedoch bleibt der Leser über den Untertitel ("Ein deutscher Alltagsroman") zurück, welcher eine weitläufige Figurenkonstellation sowie mehrere Handlungsstränge suggeriert; im Grunde, wie man korrigierend bemerken müßte, handelt es sich vielmehr um eine Liebesgeschichte. Doch wenn schon kein Vielheitsroman, so handelt es sich bei "Höhere Welten" dennoch um ein Zeiten- und Sittenbild im Sinne beispielsweise eines Theodor Fontane, atmet es doch wie selbstverständlich den Zeitgeist der frühen neunziger Jahre. Gleichzeitig werden die Probleme und Sinnfragen einer ganzen Generation thematisiert, was die schwierige Vergangenheit der Erzählerin als Enkelin Julius Streichers durchaus verstärkt. Abgesehen davon bündelt der Roman viele Aspekte des (modernen) Menschseins im Brennglas sozialer Zu- und Mißstände, von denen die beiden wichtigsten vielleicht das Thema Homosexualität sowie die Zwänge der Arbeitswelt sind. Es "menschelt" gewissermaßen in "Höhere Welten", doch wer hier den schalen Mundgeruch eines alltäglichen Melodrams wittert, irrt: Das Buch möchte seine Leser immer auch unterhalten, und immer schwingt ein satirisch-bissiger, bisweilen selbstironischer Humor mit.
Luise Weyrich, eine Kollegin, in die sich die Ich-Erzählerin am Anfang des Buches verliebt, möchte man dennoch irgendwann am liebsten packen und schütteln. Sie durchläuft in der Liebesbeziehung, die eigentlich keine ist, alle Stadien - von der subtilen Verführerin über die "kalte" und "klare" Polemikerin (gegen Homosexuelle) bis hin zur haßerfüllten Rächerin, die sich in ihren Gefühls- und Seelenwirren einfach nicht von ihrer Verehrerin, die sie im Grunde ablehnt, lösen kann. Luises tyrannischer, ja fast psychopathischer Umgang mit ihrer "Freundin" erreicht in seiner pathologischen Bösartigkeit bisweilen die Schmerzgrenze. Es kann nicht zur Erfüllung der "Liebe" zwischen den beiden ungleichen Frauen kommen; und obwohl man am Ende Mitleid mit der Protagonistin empfinden mag, vermittelt das in mehrfacher Hinsicht offene Ende auch Hoffnung.
Die Entwicklung der Protagonistin, einschließlich ihrer eigenen Hin- und Hergerissenheit, gelingt dem Text in meisterhafter Eindringlichkeit. Gelegentlich allerdings, insbesondere wenn die Ich-Erzählerin im Dialog die einzige bleibt, die noch "normal" und "vernünftig" argumentiert, scheint selbige gefährdet, in die Funktion eines bloßen Sprachrohrs der Autorin abzugleiten. Gewisse Passagen scheinen zudem stark autobiographisch gefärbt zu sein, wenngleich sich die Autorin auf einer der ersten Seiten vom "Werk meiner Phantasie" distanziert und auf der Trennung von Fakten und Fiktion besteht. Warum dann, könnte man fragen, die bisweilen stereotyp anmutende Unterdrückung der Protagonistin durch ihren Chef, ein Thema, welches die deutsche Arbeitswelt anzuprangern versucht, oder die durchaus kritischen Bemerkungen der Protagonistin gegenüber anthroposophischen bzw. religiösen Einrichtungen? Nicht zuletzt ist letzteres auch ein Aspekt, welchem das Buch offensichtlich seinen Titel verdankt.
Sprachlich ist "Höhere Welten" ein fulminantes Meisterwerk. Man spürt die Affinität der Autorin zu Joyce, und Leser, die die Sätze eines Thomas Mann zu schätzen wissen, kommen ebenfalls auf ihre Kosten, ohne daß der Text jedoch unlesbar oder gar gestelzt wirken würde - die Sprachmelodie ist konsonant und in sich äußerst stimmig. Apropos Musik: Sie spielt in dem Roman eine große Rolle, bestimmt sie ihn doch nicht nur thematisch, sondern auch sprachlich. Immer wieder durchsetzen Zitate von Songtexten, liturgischen Gesängen sowie natürlich Werken der Literatur den Text und verleihen ihm so transparente Dichte und ästhetisches Gewicht. Auch beweist die Autorin grammatisches Geschick, wenn sie indirekte Rede einsetzt, und weiß diese stets mit dosierendem Gespür zu plazieren. Obwohl selbstverlegt, ist der Text überdies erfreulich fehlerfrei; das Lektorat eines jeden Publikumsverlags könnte sich hieran ein Beispiel nehmen. Überhaupt fragt man sich, wieso sich kein Verlagshaus finden konnte oder wollte, welches "Höhere Welten" ediert hätte; denn das Buch ist wichtiger und gewichtiger als so manches konventionell publizierte Werk.
Lediglich ein paar Wiederholungen trüben die Begeisterung für Sprache und Stil; so z. B. ein abgewandeltes Faust-Zitat, wonach zwei Seelen in Luises "Apfelbrust" wohnen, oder die Inquit-Formel "monologisierte sie". Andere wiederholt gebrauchte Wendungen haben leitmotivischen Charakter, so der "bebende Bart" Niemanns, das Tasten der Protagonistin nach ihrer Gänsehaut oder die Chips, welche Sebastian kontinuierlich einzuheben pflegt. Diese Technik beherrscht die Autorin in brillanter Manier; dennoch braucht sich manch erzählerischer Kniff, der der humoristischen Auflockerung dient, spätestens nach dem zweiten Mal ab, so u. a. das nur allzu oft wiederkehrende "sbrach Frau Sdeenken" oder "ich rauchte Kette".
Alles in allem jedoch ist dieses Buch ein Meisterwerk sprachlicher und erzählerischer Kunst, thematischer Dichte und menschlich-sozialer Relevanz, welches den Vergleich mit zeitgenössischen und historischen Vertretern seines Genres (Zeit- und Liebesroman) absolut nicht zu scheuen braucht. Es bleibt die Hoffnung, daß die Autorin mehr Werke in Arbeit hat und diese ggf. bei einem "richtigen" Verleger wird unterbringen können!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Glanz und Elend der neunziger Jahre, 20. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Höhere Welten: Ein deutscher Alltagsroman (Taschenbuch)
"Höhere Welten" ist ein höchst dichter und gelungener Roman. Hella Streicher besitzt die seltene Gabe, Zeitgeschichte und eigene Erfahrungen zu einem stimmigen Ganzen zusammenzubringen. Noch weit mehr als das ist Andrea, die Hauptperson und Erzählerin der "Höheren Welten" jemand, der in unseren Jahren der "shareholder-value" ihresgleichen sucht: Sie ist gebildet und herzenswarm, aufrichtig und unbestechlich - und wohl gerade deswegen gestrandet in einem der Winkel des Lebens. Wie vieles hat Andrea schon gemacht: Germanistik studiert mit Auszeichnung, um als Deutschlehrerin in die Arbeitslosigkeit entlassen zu werden. In einem Labor gearbeitet, wo die PTA sich im Nebenraum mit alkoholgeladenen Pröbchen der Pharmakonzerne betrank. In verschiedenen Bremer Bands getrommelt, es bis zur Platte geschafft, und doch nebenher, um der lieben Patte (nicht Platte) willen, im "Bücherwurm" gearbeitet, einer jener zahllosen Futterkrippen "for the German beststeller-mind", die wir alle kannten, lange bevor es amazon gab.

In dieser Bremer Buchhandlung lernt Andrea Luise kennen, ihres Zeichens Esoterikerin und damit eine Frau, die verschiedener von Andrea kaum sein kann. Hat die Liebe zwischen beiden eine Chance? Tja, man kann vieles fragen: Was im "balla-balla" Deutschland der neunziger Jahre, von dem "Höhere Welten" nebenher eine witzige, scharfzüngige und detailreiche Bestandsaufnahme bietet, hatte denn überhaupt eine Chance?

Zwar spielt der Roman völlig abseits der gefallenen Mauer, er spielt weit weg vom schmucken, ach so sauberen und doch angestaubten München, er spielt auch nicht - letzte Hoffnung für Kosmopoliten - in Hamburg, aber trotzdem keinesfalls in der Provinz. Plus trifft Minus, Himmel trifft Erde, Geist trifft Körper, Aufrichtigkeit trifft Verleugnung, Fisch trifft endlich mal nicht Fahrrad, sondern Andrea trifft Luise - wenn das ins Spiel kommt, ist der Schauplatz eigentlich egal.

Der Roman ist nicht gerade plotstark, doch auch das ist richtig, nur gut so. "Höhere Welten" bezieht Stellung dort, wo die Dinge scharf geschnitten sind, wo Glück und Unglück, wo Erkenntnis und Wahn dicht beieinander wohnen - und das ist nun mal meistens an den Rändern so, bei Menschen (nicht in Action), bei solchen, die der Mainstream ausgespuckt hat in ihren eigenen, freien Fall. Florian Illies und seine Generation Golf werden es nicht lesen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß eine Frankfurter Allgemeine Bilanz bei mir in den Bücherhimmel kommt. Nein, die guten Letzten müssen die Ersten sein. Weit hinten in den "Höheren Welten" bittet Luise Andrea, ihre Geschichte doch aufzuschreiben, weil Andrea "so schön schreiben kann", und Andrea überlegt, da sich ihre und Luises "Beziehung" inzwischen zum Roman ausgewachsen hat, wer dieses Buch denn später lesen möge.

Also, wer macht das Abseits zur Mitte? Darauf hatten die Neunziger eine gute Antwort: "Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Hongkong", hieß es damals in der Chaos-Theorie, "kann die Ursache sein für einen Hurrikan in den Vereinigten Staaten." Einen solchen Flügelschlag wünsche ich Hella Streichers "Höheren Welten": Kauft dieses Buch im Sturm, und lest es!

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Aufklärung wider Esoterik; Liebe in schwarz-rot-goldenen Zeiten, 25. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Höhere Welten: Ein deutscher Alltagsroman (Taschenbuch)
Hella Streichers Roman ist eine echte Überraschung.

Er ist spannend und erzählt vor dem Hintergrund des beginnenden neoliberalen Wandels in der Gesellschaft 1995 bis 2000 in Bremen die schwierige Liebesbeziehung zwischen einer aufgeklärten, emphatischen Stadtbewohnerin und einer sich selbst suchenden, aber nie findenden, Anthroposophin.

Die Autorin beobachtet genau und hat auch das Talent diese Beobachtungen zu beschreiben;

egal ob es um das Alltagsleben in Bremen als eine dem Chef ausgelieferte, angestellte Buchhändlerin geht(ökonomischer Zwang oder Selbstaufgabe);

oder um die Freuden und Leiden in der Liebe;

oder um die Schicksale befreundeter,und dem Leser seltsam bekannter, Randexistenzen, und nicht zuletzt in dem übergeordnet angelegten Diskurs "Aufklärung wider Esoterik und Propaganda".

Es bleibt immer spannend und einfühlsam.

Fazit: Vor allem für jene, die sich der Anthrosophie oder der Aufklärung verbunden fühlen, also für alle denkeden und fühlenden Leser: kaufen!

anspruchsvolle Gegenwartsliteratur!
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