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Höhenrausch. Die wirklichkeitsleere Welt der Politiker [Gebundene Ausgabe]

Jürgen Leinemann
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1. Auflage (2. November 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896671561
  • ISBN-13: 978-3896671561
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,6 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 78.766 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jürgen Leinemann
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Aus der Amazon.de-Redaktion

"Der Eintritt in die Politik ist der Abschied vom Leben, der Kuss des Todes" hat Hans Magnus Enzensberger einmal gesagt. Der Journalist Jürgen Leinemann sieht das nicht anders. Seit mehr als vierzig Jahren beobachtet der 1937 geborene Chronist den politischen Betrieb, der in Vielem eindeutig die Züge eines Suchtprozesses trägt. Und wie alle Abhängigen machen sich diejenigen, die der Droge Politik, und das heißt vor allem: der Droge ihrer eigenen Wichtigkeit verfallen sind, lange Zeit vor, sie hätten alles im Griff. Dabei entgleitet ihnen ihr Ich ebenso, wie die Wirklichkeit, in der das wahre Leben sich abspielt. Leinemann hat dies bei vielen Politik-Junkies über Jahre aus nächster Nähe beobachten können. Er hat gesehen, "wie die Macht sie verändert, wie sie sich einmauern in Posen von Kompetenz und Zuversicht, während die öffentliche Verachtung wächst" -- und insgeheim auch die Selbstzweifel.

"Eine Weile", berichtet der Autor, habe er sich in seiner Beobachterposition auf der sicheren Seite gewähnt -- bis er merkte, dass er "als Journalist keineswegs nur Zuschauer war, der auf der Tribüne des Geschehens saß und cool protokollierte". Er geriet selbst in die Suchtfalle, entwickelte "einen unersättlichen Hunger nach Anerkennung und Bestätigung" und sah sich "bald nicht nur auf der Erfolgsleiter, sondern zugleich auf der Flucht vor der immer unangenehmer werdenden Realität aus Selbstzweifeln, Furcht vor dem Scheitern und quälenden Fragen nach dem persönlichen Preis für die Karriere." Leinemann weiß also, worüber er schreibt. Das unterscheidet sein Buch sehr angenehm von thematisch verwandten Publikationen, die sich gerne in platter Politiker-Schelte erschöpfen.

Höhenrausch ist eine kluge Sucht-Analyse, die ohne Häme den Ursachen für den Realitätsverlust nachspürt, der bei vielen Politikern unübersehbar ist. -- Hasso Greb

Kurzbeschreibung

Verdienen wir die Politiker, die wir haben?

Jürgen Leinemann zählt zu den besten Kennern der deutschen Politik und ihrer wichtigsten und tonangebenden Vertreter - seine SPIEGEL-Geschichten aus dem Innenleben der politischen Klasse sind legendär. Er hat die parteipolitische Machtszenerie jahrzehntelang aus nächster Nähe betrachtet und sich seinen analytischen und gleichzeitig leidenschaftlich wertenden Blick weder von politischen Interessen noch von persönlichen Vorlieben trüben lassen. Sein Befund, das Fazit seiner Beobachtungen und Erkenntnisse, ist alarmierend.

Noch nie war Politikverdrossenheit derart weit verbreitet, noch nie war das Ansehen der Politiker so katastrophal: Wo leben die eigentlich? Wissen die noch, wie es zugeht in der alltäglichen Welt, oder haben sie den Kontakt zur Wirklichkeit verloren?
Fast 40 Jahre lang hat Jürgen Leinemann in Washington, Bonn und Berlin beobachtet, wie die Politiker von Generation zu Generation schicksalsärmer, farbloser und austauschbarer wurden. Je weniger sie vom Leben und durch die Geschichte geprägt sind, desto anfälliger erweisen sie sich für die Privilegien und die hektische Selbstgenügsamkeit des politischen Betriebes. Das Fernsehen verstärkt diese Tendenz, weil es eine Ersatzwirklichkeit bereitstellt, in der die Polit-Profis ihr Ego aufblähen und ihre faktische Ohnmacht verdrängen können. Realitätsverlust aber ist ein Sucht-Symptom, und Leinemann, der in der Sucht die spezifische Krankheit unseres Zeitalters erkennt, macht deutlich, dass für den Großteil unserer Volksvertreter der Beruf zur Droge geworden ist. Ob Macht, Erfolg, Arbeit, Alkohol, öffentlicher Applaus - an Auslösern für Höhenrausch besteht kein Mangel. Ist diese fatale Anfälligkeit dem Zeitgeist geschuldet, oder ist sie ein Risiko, das jeder eingeht, der Politik als Beruf betreibt?
Jürgen Leinemann hat die prägenden politischen Figuren erlebt, er hat an ihnen und mit ihnen gelitten und lässt sie in seinen Schilderungen lebendig werden - ein einzigartiges bundesrepublikanisches Panorama von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Mit Kurt Biedenkopf beginnt Jürgen Leinemann und mit Cem Özdemir hört er auf. Dazwischen liegen 459 Seiten mit 7 Kapiteln (Berliner Republik, Die Weimarer, Die Soldaten, Die Kriegskinder, Die Trümmerkinder, Die Ostdeutschen, Die Hoffnungsträger) in denen Jürgen Leinemann die jeweiligen Politiker und ihre Welt beschreibt. Er kennt sie alle, die einem selbst so vertraut sind, weil man sie so viele Jahre lang erlebt, bekämpft und manchmal auch bewundert hat.
Wer im eigenen (lokalen und regionalen) Umfeld mit offenen Augen sieht, wie sich Persönlichkeiten verändern, denen Macht (und damit Aufmerksamkeit und Lebenssinn) zufällt, der ahnt, was der Höhenrausch in den Menschen an der Macht (und denen drumherum) bewirkt.
Leinemann begleitet sie einfühlsam und geht dabei verständnisvoll mit seinen eigenen Vorurteilen um. Kohl in seiner Dummheit und Selbstbezogenheit wird zu dem, was er immer war und was manche seiner Wähler bis heute nicht sehen wollen, während Menschen wie Theo Weigel in der Darstellung Leinemanns näher scheinen und ihre persönlichen Entwicklungen authentischer. Joschka Fischer kommt auch hier nicht gut weg: Der beliebteste deutsche Politiker (aller Zeiten?) reizt Journalisten, Gegner, Bewunderer und Freunde zu ganz eigenen Zerrissenheiten. Dass ihm die Deutschen 5 Ehen (oder nur 4?) und Prügelszenen mit der Polizei verzeihen, sein miesepetriges Gesicht und seine knarzenden inhaltslosen Beschreibungen hinnehmen und in ihm den authentischsten aller Politiker sehen, das kann auch Leinemann nicht nachvollziehen.
Brandt und Schmidt, Weizsäcker und Herzog, Rau und Merkel, Krause und Thierse (letzteren hält Leinemann wohl für den verlässlichsten), Lafontaine und Schäuble (und viele, viele andere) werden den Lesern, die die meisten von ihnen kennen, von einer anderen Seite präsentiert.
Höhenrausch? Ja, der zeigt sich. Nicht nur bei Möllemann und Barschel.
Politik-Arzt Dr. Leinemann stellt die Diagnose und legt die Ursachen bloß.
Zur Therapie sagt er wenig: Ein starkes persönliches Umfeld wie die Wohngemeinschaft von Henning Scherf? Vielleicht am ehesten die Vierte Gewalt, die Presse. Solange sie so kritisch bleibt (und unkritische Nähe rechtzeitig benennt) wie hier haben wir gute Chancen.
Eine spannendes Reise durch die letzten Jahrzehnte des demokratischen Deutschlands. Wir sind schon ein erstaunliches Volk.
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Curacao
Format:Gebundene Ausgabe
Der Titel dieses Buches - besonders der Untertitel - ist meiner Ansicht nach etwas unglücklich gewählt. Denn anders als der Titel suggeriert, findet der Leser hier keine Analyse, wie der politische Betrieb auf die Psyche der Handelnden einwirkt. Sind es wirklich nur die Fernsehbilder und der Applaus, die die Leute verändern? Oder gehören die einflussreichen Lobbyisten der Großkonzerne etwa nicht zu den Protagonisten in der Scheinwelt im Umfeld unserer Regierenden?

Besonders die Frage, warum die inhaltlichen Positionen der Politiker während ihrer "Sozialisation" im parlamentarischen Raum zunächst verschwimmen und dann verschwinden, wird nicht beantwortet. Ohnehin werden die politischen Inhalte von Herrn Leinemann komplett vernachlässigt, da er sich - wie er selbst schreibt - seit vielen Jahren auf die Beschreibung politischer Persönlichkeiten spezialisiert hat. Soweit so schade, denn bei der vorliegenden Thematik wäre es hochinteressant für uns Wähler gewesen, zu erfahren, warum unsere Anliegen bei der Gesetzgebung zu wenig berücksichtigt werden und stattdessen die Interessen der Unternehmen so stark überbewertet werden. Der Autor hat dies nur kurz angeschnitten (die Konzerne drohen mit Arbeitsplatzabbau im Wahlkreis der Abgeordneten), aber keine Analyse nachgeliefert. Das ist mir so zu dürftig, ich will wissen, welche Mechanismen Politiker dazu bringen, die Nöte der so genannten kleinen Leute zu verdrängen und sich den Bossen anzubiedern.

Der eigentliche Wert dieses Buches, der Grund, warum es mir dennoch sehr gut gefallen hat, obgleich es ein wenig am Thema vorbei schrammt, ist, dass der Autor ganz toll pointierte, hochinteressante Hintergrundgeschichten über die handelnden Personen in der deutschen Politik der Nachkriegsgeschichte zu erzählen weiß. Er hat sozusagen eine Art Zusammenfassung seiner Arbeit über 30 Jahre hinweg geschrieben.

Und da Herr Leinemann ein sehr einflussreicher Journalist war, der immer dicht dran war an den Regierenden, sollte man sich diesen Hintergrundbericht nicht entgehen lassen.

Die Verknüpfung des Themas der Politiksucht mit der Geschichte seiner eigenen Suchtbekämpfung finde ich passend. Er kann aus eigener Erfahrung mitteilen, wie schwer das fällt. Überträgt man es auf die Politik, so wird dem Leser leichter klar, warum es manchen Polit-Rentnern auch nach frei gewähltem Karriereende so schwer fällt, sich aus der politischen Debatte zurückzuhalten.

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der langjährige Spiegel-Reporter Jürgen Leinemann hat seine Eindrücke aus fast vierzig Jahren Washingtoner, Bonner und Berliner Politik in diesem dicken Buch zusammengefasst. "Höhenrausch" ist aber mehr als eine (auch so äußerst gelungene) Sammlung von Politikerporträts; es zeichnet ein tiefgehendes Psychogramm heutiger und vergangener Politikertypen und -charaktere. Leinemanns pessimistischer Einschätzung der "Gefahren" von Politik und ihres "Suchtpotenzials" kann wohl jeder nachvollziehen, der schon mal über längere Zeit parteipolitisch aktiv war.

Man kann dem Autor zwar vorhalten, arg schematisch vorzugehen: je nach Geburtsjahr werden die jeweiligen Politiker ziemlich schnell "katalogisiert" und ein oft etwas grobschlächtiges Porträt einer angeblichen Politikergeneration skizziert (Kapitel für Kapitel hangelt sich der Autor so von den "Weimarern" zu den "Ostdeutschen"). Dennoch: Leinemanns Einfühlsamkeit, seine Aufgeschlossenheit gegenüber der Politik und ihren Repräsentanten, seine Fairness gegenüber anderen, seine Ehrlichkeit gegenüber seiner eigenen Sücht, seine pointierten Beobachtungen: All das hebt dieses Buch ab von der Masse der politischen Sachbücher.

Wohltuend ist auch, dass Leinemann nicht dem oft arroganten Duktus seiner Spiegel-Kollegen und anderer vermeintlich so viel intelligenteren Journalisten verfällt. Das Buch spart zwar nicht mit Kritik - aber es lobt auch einzelne Personen. Ob man nun Leinemann folgt und Weizsäcker, Thierse und Willy Brandt als positive Beispiele für den Typus des deutschen Politikers hält, dagegen aber Kurt Biedenkopf, Joschka Fischer, Helmut Kohl und andere eher kritisch sieht, überlässt der Autor sicher gerne dem Leser. Er schreibt bewusst subjektiv - aber gerade das macht dieses Buch so lesenswert.

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