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Produktinformation
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"Eine Weile", berichtet der Autor, habe er sich in seiner Beobachterposition auf der sicheren Seite gewähnt -- bis er merkte, dass er "als Journalist keineswegs nur Zuschauer war, der auf der Tribüne des Geschehens saß und cool protokollierte". Er geriet selbst in die Suchtfalle, entwickelte "einen unersättlichen Hunger nach Anerkennung und Bestätigung" und sah sich "bald nicht nur auf der Erfolgsleiter, sondern zugleich auf der Flucht vor der immer unangenehmer werdenden Realität aus Selbstzweifeln, Furcht vor dem Scheitern und quälenden Fragen nach dem persönlichen Preis für die Karriere." Leinemann weiß also, worüber er schreibt. Das unterscheidet sein Buch sehr angenehm von thematisch verwandten Publikationen, die sich gerne in platter Politiker-Schelte erschöpfen.
Höhenrausch ist eine kluge Sucht-Analyse, die ohne Häme den Ursachen für den Realitätsverlust nachspürt, der bei vielen Politikern unübersehbar ist. -- Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Besonders die Frage, warum die inhaltlichen Positionen der Politiker während ihrer "Sozialisation" im parlamentarischen Raum zunächst verschwimmen und dann verschwinden, wird nicht beantwortet. Ohnehin werden die politischen Inhalte von Herrn Leinemann komplett vernachlässigt, da er sich - wie er selbst schreibt - seit vielen Jahren auf die Beschreibung politischer Persönlichkeiten spezialisiert hat. Soweit so schade, denn bei der vorliegenden Thematik wäre es hochinteressant für uns Wähler gewesen, zu erfahren, warum unsere Anliegen bei der Gesetzgebung zu wenig berücksichtigt werden und stattdessen die Interessen der Unternehmen so stark überbewertet werden. Der Autor hat dies nur kurz angeschnitten (die Konzerne drohen mit Arbeitsplatzabbau im Wahlkreis der Abgeordneten), aber keine Analyse nachgeliefert. Das ist mir so zu dürftig, ich will wissen, welche Mechanismen Politiker dazu bringen, die Nöte der so genannten kleinen Leute zu verdrängen und sich den Bossen anzubiedern.
Der eigentliche Wert dieses Buches, der Grund, warum es mir dennoch sehr gut gefallen hat, obgleich es ein wenig am Thema vorbei schrammt, ist, dass der Autor ganz toll pointierte, hochinteressante Hintergrundgeschichten über die handelnden Personen in der deutschen Politik der Nachkriegsgeschichte zu erzählen weiß. Er hat sozusagen eine Art Zusammenfassung seiner Arbeit über 30 Jahre hinweg geschrieben.
Und da Herr Leinemann ein sehr einflussreicher Journalist war, der immer dicht dran war an den Regierenden, sollte man sich diesen Hintergrundbericht nicht entgehen lassen.
Die Verknüpfung des Themas der Politiksucht mit der Geschichte seiner eigenen Suchtbekämpfung finde ich passend. Er kann aus eigener Erfahrung mitteilen, wie schwer das fällt. Überträgt man es auf die Politik, so wird dem Leser leichter klar, warum es manchen Polit-Rentnern auch nach frei gewähltem Karriereende so schwer fällt, sich aus der politischen Debatte zurückzuhalten.
Man kann dem Autor zwar vorhalten, arg schematisch vorzugehen: je nach Geburtsjahr werden die jeweiligen Politiker ziemlich schnell "katalogisiert" und ein oft etwas grobschlächtiges Porträt einer angeblichen Politikergeneration skizziert (Kapitel für Kapitel hangelt sich der Autor so von den "Weimarern" zu den "Ostdeutschen"). Dennoch: Leinemanns Einfühlsamkeit, seine Aufgeschlossenheit gegenüber der Politik und ihren Repräsentanten, seine Fairness gegenüber anderen, seine Ehrlichkeit gegenüber seiner eigenen Sücht, seine pointierten Beobachtungen: All das hebt dieses Buch ab von der Masse der politischen Sachbücher.
Wohltuend ist auch, dass Leinemann nicht dem oft arroganten Duktus seiner Spiegel-Kollegen und anderer vermeintlich so viel intelligenteren Journalisten verfällt. Das Buch spart zwar nicht mit Kritik - aber es lobt auch einzelne Personen. Ob man nun Leinemann folgt und Weizsäcker, Thierse und Willy Brandt als positive Beispiele für den Typus des deutschen Politikers hält, dagegen aber Kurt Biedenkopf, Joschka Fischer, Helmut Kohl und andere eher kritisch sieht, überlässt der Autor sicher gerne dem Leser. Er schreibt bewusst subjektiv - aber gerade das macht dieses Buch so lesenswert.
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