Eigentlich ist der Inhalt schnell umrissen: Frau liebt Mann, der nicht gut für sie ist, und gerät dabei in Lebensgefahr. Aber so „einfach" ist es bei Nicci French natürlich nie. Alice ist gescheit, vernünftig und lebt in einer glücklichen Zweierbeziehung mit einem großen Freundeskreis. Das alles lässt sie von heute auf morgen sausen, um mit Adam, einem Bergsteiger mit einem gewissen Charisma, zusammenzuleben. Die Autoren lassen dem Leser Zeit, zu verstehen, wie „so etwas passieren kann", nämlich dass eine selbständige, patente junge Frau fast alles aufgibt, um sich einer obsessiven und oft gewalttätigen Liebe zu unterwerfen. Denn was erst nach „großer Liebe" aussieht, artet schnell in Zwang und Gewalt aus. Es ist die Kunst der Autoren, Sex- und Gewaltszenen so dezent darzustellen, dass man genau weiß, was abgeht, ohne an den unerfreulichen Details teilhaben zu müssen. Eigentlich durch Alices Bemühen, mehr aus dem Leben des überaus schweigsamen Adam zu erfahren, kommt sie nach und nach darauf, dass es auch eine dunkle Seite in Adams Charakter gibt. Ihr wird klar, dass er sie töten wird, wenn sie ihn verlässt. - Ein Buch ist spannend, wenn man „wissen will, wie's weiter geht". Das ist hier gegeben. Hinzu kommt noch der „Thrill" durch die Todesangst, die Alice ab einem gewissen Punkt empfinden muß, als sie sich schutzlos Adam ausgeliefert sieht. „Höhenangst" ist ein Psychothriller der subtilen Art.