Der Historiker und Generalleutnant a. D. Franz Uhle-Wettler legt nun bereits in dritter neu überarbeiteter Auflage das Standardwerk zur jüngeren deutschen Militärgeschichte vor. Erweitert um ein Kapitel zur Seeschlacht vor dem Skagerrak 1916, schildert er anhand von neun Schlachten, beginnend mit Leuthen 1757 und endend mit Stalingrad 1942/43, die Höhen und Tiefen des deutschen Soldatentums. Der Autor beschreibt außerordentlich spannend nicht nur das Schlachtengeschehen auf taktischer und operativer Ebene, sondern bettet das Ereignis in seinen historisch-politischen Zusammenhang. Außerdem befaßt er sich mit der wichtigen und leider bei etablierten Historikern selten behandelten Frage nach der Motivation des Soldaten. Dieses Problem beschäftigt den Autor als ehemaligen militärischen Vorgesetzten natürlich besonders und hier befindet sich Uhle-Wettler in seinem Element. Wieso gelang es deutschen Truppen so oft, gegen eine Übermacht von Feinden nicht nur durchzuhalten, sondern sogar zu siegen? Des Autors Antwort ist verblüffend einfach: zur Voraussetzung jeder erfolgreichen Truppenführung gehört zu allen Zeiten eine zeitgemäße innere Führung (41). Ohne eine vorzügliche Ausbildung der Führer, Unterführer sowie Mannschaften und die Bereitschaft der jeweils führenden Schichten, die Soldaten nicht nur in den Krieg zu schicken, sondern die Truppen selbst anzuführen, wäre die ungewöhnliche Motivation der einfachen Soldaten nicht denkbar gewesen. Hinzu kommt die aus der Auftragstaktik resultierende, zuweilen fast unglaubliche Selbständigkeit der Führer und Unterführer (180), was selbst bei Ausfall aller Vorgesetzten den Gefreiten befähigte, den Auftrag in Eigeninitiative auszuführen. Die Auftragstaktik ist es, die nach einhelligem Fachurteil die Überlegenheit deutscher Heere über beinahe 150 Jahre begründet. Hinzu tritt ein fast unglaublicher Ausbildungsstand, die Achtung der Würde des Soldaten und die zeitgemäße Humanität des preußisch-deutschen Disziplinarwesens (337).
Dank gebührt dem Verlag, der es möglich machte, diese unverzichtbare Untersuchung in ergänzender Überarbeitung neu herausgebracht zu haben.