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Vom Höchsten der Gefühle. Wie der Mensch zum Orgasmus kommt
 
 
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Vom Höchsten der Gefühle. Wie der Mensch zum Orgasmus kommt [Gebundene Ausgabe]

Rolf Degen
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (23. Juli 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821855703
  • ISBN-13: 978-3821855707
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 16 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 393.996 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rolf Degen
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eigentlich erstaunlich, dass man ein ganzes Buch über ein Phänomen schreiben kann, das durchschnittlich nur 12 Sekunden dauert. Aber es sind halt ganz besondere Sekunden -- für die sich die Wissenschaft allerdings lange Zeit nicht sonderlich interessierte. Das hat sich inzwischen geändert, auch aufgrund besserer technischer Möglichkeiten. Weshalb Rolf Degen auf vielfältige Untersuchungen zum Thema zurückgreifen kann, um dieses höchste der Gefühle von allen Seiten zu beschreiben. Aber es gibt immer noch einige spannende, ungelöste Fragen. Allen voran die nach dem weiblichen Orgasmus: Hat er einen evolutionären Sinn -- wenn ja, warum ist er beim Koitus so unbeständig? Der Bogen, den der Autor spannt, reicht aber viel weiter: Von der Frage, was Tiere beim Sex empfinden, über die Vorgänge in Gehirn und Körper während des Höhepunkts, bis hin zu Störungen der Orgasmusfähigkeit.

Wie schon bei seinem Lexikon der Psychoirrtümer (asin 3492240208) versteht es Rolf Degen ausgezeichnet, komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Erkenntnisse für ein breites Publikum unterhaltsam aufzubereiten. Diesmal hat er auch seinen Hang zur Polemik besser im Zaum. Auch wenn er Sigmund Freund und seine These vom vaginalen Orgasmus genüsslich zerlegt, aber da irrte der Begründer der Psychoanalyse nun mal gewaltig. Der offenbar so rätselhafte weibliche Orgasmus ist es aber auch, bei dem Degen ein paar sehr voreilige Schlüsse unterlaufen: So erklärt er den G-Punkt schlicht als inexistent. Die bei manchen Frauen auftretende weibliche Ejakulation fertigt er gar auf einer halben Seite ab und verweist das Phänomen ins Reich der Sex-Mythen. Beides ist Unsinn, aber wenn der große Sigmund Freud bei der weiblichen Sexualität ins Stolpern geriet, warum nicht auch ein Rolf Degen.

Mit kleinen Abstrichen ist Vom Höchsten der Gefühle eine sehr lesenswerte Erkundungsreise in die spannenden Gefilde der menschlichen Sexualität, bei der deutlich wird, wie viel diese paar Sekunden Seeligkeit mit dem Menschsein und der Menschwerdung zu tun haben. --Christian Stahl

Kurzbeschreibung

Rolf Degen präsentiert das aktuelle Wissen der Orgasmusforschung. Der endgültige Reader zu einem der größten Menschheitsthemen.Der Orgasmus ist das Moment, das die Welt im Innersten zusammenhält. Er garantiert seit Äonen unsere Arterhaltung, er bindet und zerstört Ehen, er ernährt das älteste Gewerbe der Welt. Wir alle existieren, weil unzählige Vorfahren einen Orgasmus haben wollten.Rolf Degens in ihrer Form bisher einzigartige Gesamtdarstellung geht der Frage nach, welche verschiedenen Zwecke der Orgasmus erfüllt, wo und wie er im Gehirn entsteht und weshalb die Gattung Mensch auch den Weibchen diesen Luxus gönnt. Weshalb es trotzdem nicht immer dazu kommt und warum viele Menschen darunter leiden, zu wenig davon zu haben, wird ebenso diskutiert wie die kontroverse Geschichte der Masturbation. Degens Kompendium der Orgasmus-Forschung begibt sich auf die Suche nach den gesundheitlichen Nutzen und Risiken des Höhepunkts, handelt von multiplen Orgasmen und vorzeitigen Ejakulationen, von Freuds Vaginal-Theorien und den Problemen, die die Weltreligionen vor allem mit der Lust der Frau hatten und immer noch haben.Ein Buch, das den Leser in Atem hält, weil es den Orgasmus als Menschheits-und Naturrätsel porträtiert und die aufregendsten Antworten aus Biologie, Psychologie, Medizin- und Kulturgeschichte auf dieses Mysterium schildert.

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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der Orgasmus - durchschnittlich 12,2 Sekunden dauert die Glückseligkeit beim Mann, bei der Frau zwischen 13 und 51 Sekunden. Auf ein ganzes Leben hochgerechnet, sind es 9,3 Stunden beim Mann, der er im höchsten Wonnerausch verbringt. Dieses und viele andere verblüffende Fakten und Einsichten präsentiert Rolf Degen in seinem Buch vom Höchsten aller Gefühle auf höchst unterhaltsame Weise. Wie kein anderer zuvor beschreibt er, was in einem Menschen vorgeht, der auf dem Höhepunkt seiner Lust angekommen ist. Dabei vermittelt der Autor uns einen tiefen Einblick in biochemische Vorgänge und nimmt die entsprechenden Gehirnprozesse genauer unter die Lupe. Wir erfahren, dass für die Entstehung des Orgasmus es nicht wichtig ist, welche speziellen Stellen im Gehirn aktiviert werden, sondern dass große Teile der Großhirnrinde deaktiviert werden, so wie dies bei einem Rauschzustand oder bei schönen Gefühlen der Fall ist. Biologie, Psychologie, Medizin und Kulturgeschichte sind die wichtigsten Fachdisziplinen, aus denen er sein Wissen zusammenträgt. Degens Buch ist kein Sexratgeber, es ist aber für alle eine besondere Art Aufklärungsbuch, die verstehen möchten, was beim Sex in und mit ihrem Körper und der Psyche vorgeht. Dennoch finden sich auch einige Hinweise für die Praxis, so zum Beispiel wenn Degen erklärt, wie sich Störungen der Orgasmusfähigkeit beheben lassen. Degens Buch beinhaltet scheinbar das gesammelte Wissen der Orgasmusforschung, und viele Leser werden - wie ich - wahrscheinlich verwundert darüber sein, dass es überhaupt so viel Forschung zu diesem sehr intimen Thema gibt. Orgasmen von Männern und Frauen werden auch unter experimentellen Laborbedingungen analysiert und studiert. Nichts bleibt auch den Wissenschaftlern verborgen. Im Kapitel über den Orgasmus der Frau erstaunt die wissenschaftlich belegbare Erkenntnis, dass eine höhere Orgasmusrate weder von attraktiven noch von einfühlsamen Männer erzielt werden. Die gleichen Ergebnisse erzielen also auch weniger attraktive und weniger einfühlsame Liebespartner. Degens Buch vom Höchsten der Gefühle ist eine mit viel Sachverstand verfasste, kurzweilige Lektüre, die alle ansprechen wird, die dieses Gefühl nicht nur erleben, sondern auch begreifen wollen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ja, ich gebe zu, zunächst dachte ich: Wie kann Rolf Degen, auch wenn er als Wissenschaftsjournalist einen guten Ruf hat, knapp 300 Seiten über den Orgasmus füllen? Ich war skeptisch, begann zu lesen, hörte nicht mehr auf, blätterte schier ekstatisch jede Seite um und legte schließlich, erschöpft aber hoch befriedigt, dieses Buch erst nach der letzten Seite aus der Hand. Wer schon immer wissen wollte, was beim Sex im Kopf und den darunter liegenden Stockwerken vor sich geht und wozu das Ganze gut ist, der sollte Vom Höchsten der Gefühle lesen. Es ist wissenschaftlich korrekt und umfassend recherchiert. Degen hat zusammengetragen, was Zoologen, Evolutionsbiologen, Anthropologen, Mediziner, Psychologen, Philosophen, Statistiker und Verhaltensforscher zu dem Thema zu sagen haben. Obwohl Degen meint, dass die weibliche Sexualität das männliche Begriffsvermögen schlicht übersteigt (hat der gute Mann damit nicht soooo Recht?), hat er sich in dieselbe lobenswert intensiv eingearbeitet. So räumt er endlich mit dem ominösen G-Punkt auf, nach dem in den feministischen 70er/80er Jahren ganze Heerscharen von Frauen und ein paar Männer gesucht haben. Und er verbannt die Theorie von Freud, das der vaginale Orgasmus echter als der klitorale Orgasmus sei, endgültig in das Reich der Phantasie. Und schließlich präsentiert er sogar eine Theorie über den weiblichen Orgasmus (bisher hat ja keiner erklären können, warum es den gibt). Seiner Ansicht nach ist dieses weibliche Höchstgefühl keine von der Natur gewollte "Adaptation", die irgendeinen evolutionären Nutzen hat, sondern ein Nebeneffekt der gemeinsamen Körperanlagen von Mann und Frau. Na, von solch angenehmen Nebeneffekten hätte ich gerne ein paar mehr. Trotz des intimen Themas ist Degens Buch überhaupt nicht schlüpfrig und auch nicht staubtrocken, sondern es ist witzig und bereitet enorme Leselust. Herrlich, wie der Autor mit dem Wort umzugehen weiß. So beschreibt er, was mann dagegen unternehmen kann, wenn "das Zepter der Leidenschaft im Kampf gegen die Schwerkraft den kürzeren zieht", wie der "elfte Finger des Mannes" auf Berührung reagiert, dass die männliche "Brücke der Seufzer" genau der Muskel ist, mit dem der Hund mit dem Schwanz wackelt. Auch an harten Daten mangelt es nicht. Man liest, dass Spermien mit 17 km/h fixer als ein Wanderer sind, dass der Orgasmus bei Männern im Schnitt 12,2 Sekunden (auf das Komma genau!)dauert und bei Frauen zwischen 13 und 51 Zuckungen liegt. Wer hat das nur alles gemessen?! Kein Thema lässt der Autor aus. Neben dem verwirrenden Zusammenspiel von Dopamin, Oxytozin, Serotonin, Testosteron, Östrogen und Prolaktin erfährt man, was im Gehirn beim Sex passiert, dass Geilheit gesund hält und auch Tierchen sehr wohl ihr Pläsierchen haben. Und man lernt sogar, was ein Vaginalphotoplethysmograph ist (tja, da grübeln Sie, gell?). Ein weiser Rat zum Schluss. Zum Schluss: Ich muss Sie warnen! Mich hat die geballte Ladung wissenschaftliche Literatur desillusioniert. Zeitweise wenigstens. Beim Küssen war`s nix mehr mit Schmetterllingen im Bauch, sondern mein Hirn flüsterte penetrant "alles nur Dopamin: Beim intensiven Kuscheln dachte ich "jetzt wird wieder eine ordentliche Portion Oxytozin frei, das stabillsiert die Partnerschaft", und wenn es zum Höchsten der Gefühle kam, registrierte ich fast Nichts mehr, höchstens, dass genau dieser Verlust des Wahrnehmungsvermögens auch irgendwie mit den überschäumenden Hormonen und Neutrotransmittern zu tun hat. Bei mir war dieses Phänomen nur transient - mein Hirn ist vergesslich, mit zunehmendem Alter immer mehr. Zum Glück!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
man lernt nie aus 24. Dezember 2006
Format:Gebundene Ausgabe
Meine Rezension erschien im Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken Heft 4/2004:

,,Sex sells" sagt eine alte Faustregel des Marketing. Was liegt also näher, als dem Thema ein ganzes Buch zu widmen? Wer jedoch in Rolf Degens neuestem Werk einen weiteren Beitrag zur Versexualisierung der Medien vermutet, der irrt. Sogar das Cover verzichtet völlig auf nackte Haut. Das Buch beschäftigt sich im Allgemeinen mit Sexualität und im Speziellen mit dem Thema Orgasmus. Grund für eine Besprechung an dieser Stelle sind die zahlreichen Mythen, die das Thema umgeben und die von Degen vorgestellt und widerlegt

werden. In den insgesamt sieben Kapiteln wird ein weiter Bogen geschlagen, von sexueller Lust im Dienste der Reproduktion

über Erkenntnisse aus dem Tierreich und den hirnphysiologischen Korrelaten des Orgasmus. Außerdem

geht es um Sex und Gesundheit sowie um Störungen der Orgasmusfähigkeit und ihre verschiedenen Lösungsansätze.

Im ersten Kapitel beschäftigt sich Degen mit den evolutionären Aspekten der sexuellen Lust. Unbestreitbar nehmen

männliche und weibliche Artgenossen große Kosten und Mühen auf sich, um miteinander in Kontakt zu treten.

Die zeitliche Koordination beim Akt klappt indes nicht immer. Aber für alle Männer, die unter frühzeitigen Ejakulationen

leiden, hat der Autor eine gute Nachricht: Es macht aus evolutionärer Sicht durchaus Sinn, wenn gerade

(junge) Männer tendenziell früher zum Orgasmus kommen als Frauen, denn dies erhöht die Wahrscheinlichkeit der

Reproduktion. Stellen Sie sich vor, es wäre umgekehrt, und die befriedigte Frau würde den Akt gelegentlich beenden,

bevor ihr Partner seinen Beitrag zur Fortpflanzung leisten konnte. Auch unsere nächsten Verwandten zeichnen

sich in dieser Hinsicht durch Schnelligkeit aus. So ist aus der Primatenforschung bekannt, dass sich untergeordnete

Männchen beim Sex öfter beeilen müssen, damit sie von dem älteren, Ranghöchsten nicht gemaßregelt werden. Das

Thema Orgasmen im Tierreich bringt aber auch Erstaunliches zu Tage. Den männlichen Orgasmus haben Wissenschaftler

dem Autor zufolge schon bei vielen Tierarten entdeckt, jedoch ist ihreSuche nach dem weiblichen Pendant nur

mit bescheidenem Erfolg gekrönt. Doch im Fokus von Degens Betrachtung steht der Mensch. Wie bereits in

seinem provozierenden, im Jahr 2000 erschienenen Lexikon der Psycho-Irrtümer (vgl. Skeptiker 4/2001, S. 205f.)

bekommt auch seinem neuesten Werk die umstrittene Psychoanalyse nach Freud ihr Fett weg. Während Freud

noch behauptete, dass eine glückliche Person nicht phantasiert und sexuelle Tagträume ein klarer Hinweis auf Neurose

und Unzufriedenheit sind, berichtet Degen, dass sich nach zahlreichen empirischen Studien auch diese Aussage

des Wiener Seelendoktors als unhaltbar herausstellte (S.192): Erotische Phantasien sind kein Ventil für Verklemmte

und Unbefriedigte, sondern Ausdruck einer aktiven, von Schuldkomplexen unbehelligten Libido. Doch auch die

Idee der Sublimierung nach Freud wird von Degen auf dem Altar der wissenschaftlichen Erkenntnis geopfert, ebenso

Freuds Dampfkessel-Metapher, nach der die menschliche Libido sich bis zu einem unangenehmen Überdruck

aufstaut, sodass der Mensch nach Abbau giert. Die Erregung erfolgt vielmehr aus dem einfachen Grund, weil

uns das Anfeuern und Zündeln Spaß erschienemacht, nicht weil etwa ein Überdruck

an Triebenergien raus muss. Auch mit dem auf Freud zurückzuführenden Mythos vom vaginalen Orgasmus geht

Degen hart ins Gericht. Demnach wäre eine gesunde und reife Frau allein durch die vaginale Penetration zum Höhepunkt

zu bringen, während die Klitoris nur eine infantile Ersatzbefriedigung bieten könne. Zwar sei diese bei kleinen

Mädchen noch die leitende erogene Zone, die Erregbarkeit ginge aber während des Erwachsenenwerdens von dort auf

die Vagina über. Solche unbegründeten Spekulationen gaben unzähligen Frauen das Gefühl der sexuellen Unzulänglichkeit.

Wie aber kam Freud zu seiner absurden Theorie? Dazu hat Degen eine interessante Vermutung. Seiner Ansicht

nach betrachtete Freud die Natur aus einem idealisierenden Blickwinkel und dichtete ihr gütige Wesenszüge an. In

ihrem Streben nach Wohl und Harmonie verknüpfe die Natur demnach die optimale Befruchtungstechnik (die vaginale

Penetration) auch mit der maximalen Befriedigung. Eine Abweichung vom Ideal wurde

folglich oft als therapiebedürftig diagnostiziert. Zu Unrecht. Die Gleichsetzungdes Guten und Gesunden mit

den Zielen der Natur bezeichnet Degen als einen verführerischen Psychoirrtum.. Die Evolution als Prozess ist weder

gut oder harmonisch noch per se perfektionistisch. Vielmehr greift die Natur bei Bedarf auf Flickwerk, Notlösungen

und Improvisation zurück. Welchen Parawissenschaftler verbindet man noch mit dem Thema Orgasmus?

Natürlich Wilhelm Reich, der den Begriff der Orgon-Energie prägte (Skeptiker 4/1998, S. 148  152). Dieser

kosmische Kraftstrom sei in der ganzen Erdatmosphäre zu finden und entlade sich im Orgasmus. Würde diese

Entladung verhindert, käme es zu Neurosen. Also behandelte Reich seine Patienten, indem er ihre Verklemmtheit

bekämpfte und ihnen zur orgastischen Potenz verhalf. Diese setzte er mit emotionaler Gesundheit gleich. Um die

Orgon-Energie zu sammeln, konstruierte Reich schrankähnliche Kästen, so genannte Orgon-Akkumulatoren. Wissenschaftliche

Anerkennung erntete er damit allerdings nicht, wie Degen ausführt. 1941 stellte Reich ein solches Gerät

Albert Einstein in Princeton vor. Dieser war jedoch nicht beeindruckt, da sich die geringen Temperaturunterschiede

zwischen dem Inneren des Orgon- Akkumulators und der Umgebung auf bekannte Theoreme zurückführen ließen,

sodass die Annahme einer neuen, kosmischen Bio-Energie überflüssig war. Doch auch Reichs psychotherapeutischer

Ansatz wird von Degen kritisiert. Woher wusste der Heiler eigentlich, wann seine Patienten die

orgastische Potenz besaßen? Immerhin beobachtete er sie nicht beim Geschlechtsverkehr  wobei aber selbst

dies wenig genutzt hätte, da Reich bis zum Schluss keine Methode zur Messung der orgastischen Potenz lieferte.

Interessant sind auch die dargestellten historischen Hintergründe der Verteufelung der Sexualität  vor allem der

weiblichen  und ihre Auswüchse. Im 19. Jahrhundert führten diese Vorurteile zu einer Art Massenpsychose. Frauen

waren sexuell meist nicht aufgeklärt und Paare wurden sogar davor gewarnt, die weibliche Lust zu entfesseln, denn

es gebe unbestreitbare Fälle, wo im Augenblick der Ekstase gezeugte Kinder ihr ganzes Leben schwachsinnig und

Idioten blieben (S. 129). Die amerikanische Historikerin Rachel Maines stieß auf eine weitere Skurrilität des 19. Jahrhunderts.

Demnach galt in der Zeit um 1900 die Unterleibsmassage mit Vibratoren als eine akzeptierte Therapie gegen

weibliche Hysterie. Um 1880 wurdedie Erfindung eines elektrischen Vibrators von der Ärzteschaft mit Begeisterung

aufgenommen, da er das mühselige Rubbeln überflüssig machte. Was die Frauen während dieser Therapie

erlebten, wurde nicht etwa als Orgasmus interpretiert, sondern vielmehr als hysterischer Paroxysmus also als

eine heilsame Krise, wie man sie man auch von Fieberkrankheiten her kennt. Zeitgenössischen Quellen zufolge

stammten drei Viertel aller damaligen Ärzte-Einnahmen in den USA aus der Hysteriebehandlung.

Degens Buch gibt einen sehr gelungenEinblick in die Thematik und zeigt, dass auch solch intime Themen genutzt

werden können, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln. Der unterhaltsame Stil und die zahlreichen Informationen

werden durch ausführliche Anmerkungen im Anhang ergänzt. Beides zusammen garantiert eine gleichermaßen

amüsante und fundierte Lektüre.
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