Aus der Amazon.de-Redaktion
Begonnen hat ihre Freundschaft damit, dass Maja, die gewandte und vor Einfällen sprühende Cora mit auf ihre Diebestouren nimmt. Eigentlich interessieren Maja die geklauten Sachen überhaupt nicht und meistens schmeißt sie diese sofort weg. Für sie sind diese kleinen Kavalierinnendelikte eine Möglichkeit, der engen und düsteren Familiensituation zu entkommen. Da ist ihr ständig betrunkener Vater, ein Möchtegern-Maler, der sich von der depressiven Mutter getrennt hat, und ihr ewig stichelnder Bruder. Das wird ihr alles zuviel. Da geht sie lieber zu Cora, der Tochter eines Sinologie-Professors, die sehr viel Zeit und noch bessere Ideen hat, da ihre Eltern ständig in der Welt herumreisen oder Vernissagen besuchen.
Die beiden Mädchen gehen schonungslos und herrlich erfrischend mit der Männerwelt um. Als Maja ein Baby erwartet und das spießige Familienleben sie einzuholen droht, wird sie von Cora nach Florenz eingeladen, die dort in der Zwischenzeit einen gutbetuchten, älteren Bauunternehmer kennen gelernt hat. Doch auch im sonnigen Florenz wollen die Männer nicht immer so wie sie sollen und die beiden jungen Frauen müssen ihrem Glück auf die Sprünge helfen. Nichts kann sie jedoch davon abhalten, genau dies zu bekommen, was sie sich vorgenommen haben. Egal, ob es sich dabei um eine seladongrüne Vase aus der Sung-Dynastie handelt oder um die alte toskanische Villa in Florenz. Am Ende geht die Rechnung immer zu ihren Gunsten auf.
Krimiautorinnen der Klasse einer Ingrid Noll haben bislang in Deutschland bitter gefehlt. Schon ihr Debüt Der Hahn ist tot war ein guter Krimi, doch mit dem Roman Die Häupter meiner Lieben schrieb sie sich an die Spitze der Krimifrauen. Es ist ein richtiger Genuss, sich von der herrlichen Bösartigkeit und Gemeinheit des Romans treiben zu lassen -- bitte mehr davon. --Manuela Haselberger
Kurzbeschreibung
Klappentext
»Männer sind die Opfer in dem neuen Roman, einer witzig und temporeich geschriebenen Erzählcollage aus Kindheitserinnerungen, Vergangenheitsbewältigung, Liebesaffären und Morden an lästigen Zeitgenossen, die das Seelenheil der beiden Protagonistinnen und ihr beschauliches Frauenidyll in der Toskana zu zerstören drohen. Eine Geschichte voll Ironie und schwarzem Humor.« Frankfurter Allgemeine Zeitung
Spannung. Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Schelmen- und Entwicklungsroman, gepaart mit einem feinen Schuß Erotik. Der wohl geistreichste Roman, der in letzter Zeit geschrieben wurde.« Darmstädter Echo
»Spätestens seit im Kino Thelma & Louise Machos verschreckt haben, floriert überall der biestige Charme gewissenloser Frauenzimmer. So entledigen sich in Ingrid Nolls makabrer Mörderstory Die Häupter meiner Lieben zwei Freundinnen beim Streben nach dolce fa niente ihrer Verehrer und Verfolger. Ihre Waffen: flinke Finger, Tränen, Zyankali.« Stern, Hamburg
Autorenportrait
Auszug
Wenn ich im Bus zum Mikrofon greife und den deutschsprachigen Touristen Florenz vorführe, dann hält man mich für eine Romanistikstudentin, die ihr Taschengeld aufbessern will. Sie finden mich reizend; ein altes Ehepaar sagt mir ins Gesicht, daß sie sich ein Mädchen wie mich als Tochter wünschten. Sie haben immer noch nicht gelernt, daß das äußere und innere Bild eines Menschen nicht übereinstimmen muß.
Meine Touristen beginnen hier im allgemeinen ihre Toskanareise und können die Nullen der Lire nicht rasch genug einschätzen. Man könnte annehmen, daß das Trinkgeld deswegen so hoch ausfällt, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Um wenigstens einigermaßen auf meine Kosten zu kommen, warne ich meine Schäflein am Ende der Rundfahrt vor Diebstahl und Handtaschenraub und erzähle ihnen als abschreckendes Beispiel die Geschichte einer Rentnerin aus Leipzig, der alle Verwandten zum siebzigsten Geburtstag eine Italienreise schenkten, ein lang gehegter Herzenswunsch. Vor wenigen Tagen habe man ihr das ganze Geld gestohlen. Ich lasse eine Zigarrenschachtel herumgehen, um für die Rentnerin zu sammeln. Die meisten lassen sich nicht lumpen, denn der Nachbar schaut zu.
Wenn die Tour beendet ist, teile ich mit Cesare, dem Busfahrer. Das ist gewissermaßen Schweigegeld, damit er der Agentur nichts von der sächsischen Tante verrät.