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4.0 von 5 Sternen
Irritierend und eigensinnig - aber unbedingt lesenswert!, 29. Oktober 2010
Für einen überzeugten Protestanten ist dieses Buch wie ein Abtauchen in eine völlig fremde und eigenartige Welt. Man reibt sich an fast allem und wird doch auch irgendwie neugierig darauf, einmal eine solche Messe nach dem alten Tridentinischen Ritus mitzuerleben. Mosebach schildert die einzelnen Abläufe so genau und detailversessen und gleichzeitig so liebevoll, dass man nicht umhin kann, sein Bedauern über den unendlichen Verlust, den die Kirche mit der Abschaffung dieser Gottesdienstform hinnimmt, ein wenig zu verstehen. Aber dann regt sich doch wieder der Lutherische Widerspruchsgeist und mir fallen all die älteren Katholiken (teilweise inzwischen Ex-Katholiken) ein, die in den 40er oder 50er Jahren mit genau diesem Ritus aufgewachsen sind und die sich an nichts anderes erinnern können als völlig unverständliches Gemurmel, autoritäre Gesten und angsteinflößenden, kalten Prunk. Man vergisst manchmal, wie viele Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diese Messen immer nur mit Furcht und Zittern besuchen mussten, weil ihnen schreckliche Höllenängste drohten, wenn sie auch nur versuchten, sich diesem System zu entziehen. Und ich glaube auch, dass vielen Menschen durch die Distanziertheit und Kühle dieses Ritus ein echter Zugang zu dem lebendigen Gott unmöglich gemacht wurde. Mosebach blendet zu vieles aus, was eben auch zur Geschichte der katholischen Liturgie hinzu gehört. Die Liturgiereform in der Folge des II. Vatikanischen Konzils war eben nicht eine "Tyrannei", die den Katholiken gegen ihren Willen aufgedrückt wurde, sondern für viele Menschen eine längst überfällige Befreiung. Ich stimme Mosebach zu, wenn er kritisiert, dass die Kirche zu weit ging, indem sie diesen Ritus gleich ganz verboten hat, - aber das lockert sich ja gerade wieder durch aktuelle Äußerungen des Papstes. Die Reform insgesamt war allerdings absolut notwendig. Das Buch reizt an vielen Stellen zum Widerspruch, bringt einen aber auch auf positiv anregende Weise zum Nachdenken. Wer - als Katholik oder Protestant - die katholische Frömmigkeit besser verstehen möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
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87 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Glänzendes Plädoyer eines Literaten für MR1570, 23. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind (Broschiert)
Es gibt Bücher, die kann man eigentlich gar nicht rezensieren - die muss man ganz lesen, schon allein wegen der köstlichen Sprache und der gedanklichen Dichte. Jeder Satz ist wichtig. Mosebach schreibt ein glänzendes Plädoyer für den alten, durch die Liturgiereform der 60er Jahre weitgehend "abgeschafften" Ordo der katholischen Messfeier, und dies aus der Perspektive des Literaten, des Ästheten, des Kulturphilosophen, und des Nicht-Fachtheologen. Zugleich rechnet er schonungslos mit dem ab, was er eben "Formlosigkeit" nennt - die weitverbreitete Meinung, es komme nur auf das Innere an, das Äußere sei egal. Wenngleich aus theologisch-fachlicher Sicht einige kleine Fragwürdigkeiten und Unpräzisheiten auftreten und man Mosebach nicht zwingend in allem zustimmen muss, so ist das Buch doch gerade in seiner Außenperspektive jedem fachlich Interessierten zu empfehlen, da es vor allem eines überdeutlich klarmacht: Mögen manche Beweggründe der Liturgiereformer noch so edel und rational begründet sein - was beim Gläubigen angekommen ist, ist vor allem der Eindruck, es sei heute alles nicht mehr so ernst gemeint...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
gut, 12. Juli 2011
Dieses Buch lässt sich gut lesen. Martin Mosebach erklärt in verständlicher Form, was er am überlieferten Ritus schätzt und bezieht da auch die Orthodoxie mit ein. Dies gefällt mir. Und es hat mir geholfen, den überlieferten katholischen Ritus zu verstehen.
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