"Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein.
Stock und Hut stehn ihm gut, ist ganz wohlgemut.
Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr.
Wünsch dir Glück! sagt ihr Blick, kehr' nur bald zurück."
Wer kennt es nicht, dieses Kinderlied? Neben "Alle meine Entchen" ist es wohl das Lied, dass man als erstes lernt, das man auf einem Instrument als erstes üben muss, das man noch heute auswendig kann. Manchmal nervig, aber eben eine Kindheitserinnerung...
Nach Andreas Winkelmanns neuem Thriller ist nun nichts mehr wie es war. Niemals werde ich dieses Lied noch hören können, ohne an dieses Buch zu denken. Nach "Tief im Wald und unter der Erde" ist es dem Autor auch mit "Hänschen Klein" gelungen, mich abermals und noch viel mehr zum Gruseln zu bringen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stehen hier die Ermittlungen der Polizei eher im Hintergrund. Vielmehr verfolgt man das Privatleben der Protagonisten, das langsam aber sicher vollkommen aus den Fugen gerät. Mit einem Hauch Mystik versehen, entstand so eine Story, die echten Horror und Herzklopfen bietet. Winkelmann versteht es perfekt mit kleinen Bemerkungen und Andeutungen die Fantasie des Lesers anzuregen, sodass die wirklich schlimmen Dinge im Kopf passieren. Feiner, leiser Horror, den man sich nur allzu bildlich vorstellen kann.
Die Identität des geheimnisvollen Briefschreibers wird recht früh aufgedeckt, was meiner Meinung nach die Spannung nur steigert, da man dieser Person noch viel schlimmere Taten zutraut als einem Unbekannten. Gerade diese Figur ist besonders gelungen, obwohl sie nur mit schlichten Worten beschrieben wird. Doch gerade diese Schlichtheit erzeugt eine besonders unheimliche Stimmung.
Die Story nimmt von Seite zu Seite an Tempo zu und man stolpert von einem Schockmoment zum nächsten. Ab der Mitte des Buches konnte ich es kaum mehr aus der Hand legen und habe fast ohne Pause bis zum passend unheimlichen Ende durchgelesen.
Wieder ein herrlicher Thriller, dessen Nachwirkungen noch lange zu spüren sein werden.