Ich möchte hier nicht auf die Filmhandlung eingehen. Hierüber wurde in den vorausgegangenen Rezensionen ja bereits alles geschrieben. Stattdessen möchte ich an dieser Stelle ein wenig über den realen historischen Hintergrund des Filmes mitteilen.
Die Geschichte spielt in jener Zeit, als der spätere Bundesstaat Oklahoma noch das sog. Indianerterritorium war. Hier bot sich für die unterschiedlichsten "zwielichtigen Gestalten" in jenen Tagen ein ideales Rückzugsgebiet und Betätigungsfeld. Der Arm des (weissen) Gesetzes reichte hier nicht hin, da die in dieses Terrain zwangsumgesiedelten Indianerstämme (überwiegend Mitglieder der sog. "5 zivilisierten Nationen" Cherokee, Creek, Choctaw, Chickasaw und Seminolen aus dem Südosten der USA)ihre eigene Verwaltung und Polizei unterhielten. Andererseits durften diese indianischen "Polizeibehörden" nicht gegenüber weissen Gesetzesbrechern tätig werden. Um dennoch die teils chaotischen Zustände dort in den Griff zu bekommen wurde im Grenzgebiet zum späteren Bundesstaat Oklahoma in Fort Smith/Arkansas ein Gericht eingerichtet, welches nach entsprechender Gesetzesänderung auch für weisse "Outlaws", die sich im Indianerterritorium aufhielten, zuständig war. Als "Jäger" wurden vom zuständigen Richter US-Deputy Marshals ernannt. Anfangs waren die Erfolge recht bescheiden, da Korruption, Untätigkeit und Desinteresse bei den zuständigen Richtern vorherrschten.
Doch als im Jahre 1875 Richter Isaac Charles Parker (entspricht im Film Richter Fenton) im Alter von 37 Jahren nach Fort Smith versetzt wurde, "räumte" dieser dort schnell und rigoros auf. Er ernannte nur Männer zu Deputies, die sein vollstes Vertrauen genossen. Aufgrund seiner als sehr hart empfunden Urteile (ca. 9.500 Urteilssprüche, davon 188 Todesurteile, von welchen 88 vollstreckt wurden) wurde er später als "The Hanging Judge" oftmals regelrecht verteufelt (insbesondere in manchen früheren US-Western wurde er als "menschliches Monstrum" dargestellt). Dieses wird ihm jedoch nicht gerecht. Er war einerseits überzeugter Humanist (so setzte er sich schon frühzeitig für die Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner ebenso ein wie für eine faire Behandlung der Ureinwohner), andererseits jedoch auch ein alttestamentarischer "Eiferer". Für ihn galt: Einen Toten kann man nicht wieder lebendig machen und keine nachfolgende gute Tat wiegt ein Tötungsdelikt - egal aus welchen Motiven oder persönlichen Zuständen wie Affekt, Trunkenheit etc. dieses auch erfolgte - gleichwertig auf. Im Film wird dieses ja auch am Beispiel der zwei jungen "Outlaws", die Marshal Cooper zuvor hilfreich zur Seite standen und dennoch von Richter Fenton trotz der Aussage Coopers für die beiden zum Tode verurteilt wurden, dargestellt. Die Erfindung des ersten 6-Personen-Galgens ist ebenso Richter Parker zuzuschreiben wie auch die der "rollenden Gefängniswagen", beide ebenfalls im Film zu sehen. Die Szene, als Richter Fenton bei einer Hinrichtung aus dem Fenster schaut und dabei weint, ist ebenfalls historisch akkurat wiedergegeben. Dieses Verhalten des "echten" Richters ist verbürgt und spiegelt anschaulich seine innere Zerrissenheit wider. Parker alterte aufgrund dieser inneren Konflikte äusserlich sehr schnell und am Ende seiner gut 20-jährigen Amtszeit war er ein gebrochener Mann, der bereits im November 1896 mit 58 Jahren als weisshaariger Greis verstarb. Er soll als letzte Worte geäussert haben: "Ich habe keinen einzigen Menschen gehenkt. Das hat das Gesetz getan."
Parkers Ehefrau besuchte im übrigen die zum Tode verurteilten Gefangenen, führte mit ihnen ausführliche Gespräche und brachte ihnen selbstgebackenen Kuchen mit.
Der im Film als "Mr.Schmidt" vorkommende Henker entspricht Parkers deutschstämmigen "Vollstrecker" George Maledon. Dieser war ein Perfektionist, der sich akribisch auf jede Hinrichtung und jeden einzelnen Delinquenten vorbereitete. Für ihn war sein "Handwerk" höchste Kunst, die dem Delinquenten einen schnellen und quallosen Tod bringen sollte (was ihm auch stets gelang).
Die Szene, in der der junge Priester vor der ersten "Massenhinrichtung" seinen grossen Auftritt geniesst ist ebenso historisch belegt wie der grosse "Volksauflauf mit Volksfestcharakter" bei den Hinrichtungen generell.
Us-Deputy Marshal Cooper hingegen ist eine fiktive Figur. Die "echten" historischen Marshals des Richters Parker waren jedoch für ihre rauhe Vorgehensweise in den "einschlägigen Kreisen" berüchtigt. Diese Vorgehensweise war allerdings aus ihrer Sicht notwendig, da z.B. die durchschnittliche Lebenserwartung eines "Neu-Marshals" im Dienste Richter Parkers bei rd. 3 Monaten lag. Für sie galt das Motto "Erst schiessen, dann fragen" tatsächlich. Insgesamt wurden 68 US-Deputy Marshals aus Richter Parkers "Truppe" im Dienst getötet. Die bekanntesten Namen waren Bud Ledbetter, Bill Tilghman, Andrew "Heck" Thomas und Chris Madsen. Sie waren zu ihrer Zeit als "The Four Guardsmen" richtige Berühmtheiten im alten Westen.
Mit diesen historischen Fakten im Hinterkopf ist der Film also fast schon semidokumentarisch zu nennen. Mir hat er jedenfalls wegen des hohen "Wiedererkennnungswertes" historischer Personen und Geschehnisse sehr gut gefallen. Aber vielleicht sieht ein Zuschauer, der sich nebenbei für den "wahren Wilden Westen" interessiert, derartige Filme auch mit etwas anderen Augen.