Über die grundsätzliche Qualität HÄNDELs, RENÉ JACOBS', des Freiburger Barockorchesters und der hochkarätigen Besetzung braucht man wohl kein Wort zu verlieren (Top-Profis), dennoch fällt die Aufnahme nach meinem Geschmack hinter der von NAXOS ab. JACOBS verfällt in manche Marotten der ALTE-MUSIK-SZENE, wie wir sie seit spätetens den 80er Jahren tot glaubten. Bisweilen schriller Sound, verhetzte und verrissene Tempi oder (in der Trompetenarie des Rinaldo) eine erstaunliche Behäbigkeit, alles natürlich blitzsauber (spielen können die). Einige Experimente (Continuo-Impros etc.) sind nicht zu Ende gedacht und blähen die Rezitative auf. Die Aufnahmetechnik lässt generell Fragen offen. Die Sänger wurden oft sehr direkt aufgenommen, was leider VIVICA GENAUX' Stimme erst beim zweiten Hinhören wiedererkennen lässt. Sie klingt (Aufnahmetechnik?) schrill, schwitzig, brachial. Auch Stimmklang entfaltet sich im Raum und nicht an den Schneidezähnen. Sind wir hier bei RICHARD WAGNER? Überhaupt verwechseln die Musiker bisweilen ungestüm mit lebendig, brutal mit kraftvoll und lahm mit elegant. Poesie findet man hier kaum. WER muss hier WEM WAS beweisen? Dabei hat JACOBS doch diese herrliche GIULIO CESARE Einspielung gemacht. Ich verstehe das nicht. Herrlich üppig die Instrumentierung, wunderschön das Cover und vorbildlich das Textbuch. Es gibt auf dem Markt nicht eine Aufnahme, auf der das LASCIA CH'IO PIANGA zart, flirrend und "rein" zu hören ist. Auf dieser findet man es auch nicht...