Über einen Artikel des Fonoforum vor ca. 15 Jahren gelangte ich zum Opernschaffen Händels. Seitdem haben sich meine Plattenschränke mit Einspielungen von Händeloratorien und -opern gefüllt. Von den ca. 60 CD-Alben bleibt dies für mich die schönste Aufnahme überhaupt.
Dies hängt zunächst mit dem Werk zusammen, das zutiefst menschliche Seiten berührt und in ergreifende Musik umsetzt: Schon der Beginn der Oper, in der Zoroastro den Helden zur großen Taten aufrufen will und dieser sich gegenüber der Verinnahmung ergreifend zur Wehr setzt, setzt den Maßstab und wirkst auch nach fast 300 Jahren unerhört modern. Es folgen weitere Tableaus, in denen enttäuschte Liebe, Dankbarkeit, aus der keine Liebe entstehen kann und schiere Verzweifelung meisterhaft in Musik umgesetzt sind. Sicherlich sind dies auch Vorzüge von Alcina (ich empfehle die Einspielung von Richard Hickox), hier aber ist die Bandbreite fast noch schöner und die wundervolle Musik erdrückt sich fast. Selbst für eine Nebenfigur wie die unglücklich verliebte Dorinda findet Händel zu Herzen gehende Töne, und wenn Emma Kirkby diese vernehmen lässt, ..., was soll ich sagen!
Denn vor allem die Leistung der Interpreten hier ist etwas ganz Besonderes: Alle Rollen sind vortrefflich besetzt. Zwar wird i.S.d. historischen Aufführungspraxis präzise und mit großer Dynamik musiziert. Aber gerade Hogwood verliert nie die großen Gefühle aus den Augen.
Der Preis dieser Aufnahme ist über die Jahre leider extrem hoch geblieben, was der Verbreitung im Wege stehen dürfte. Wer es allerdings nur mit einer Händeloper versuchen möchte, sollte sich diese und keine Aufnahme kaufen: Es lohnt sich zu 100%&.