Selbst wer nicht unbedingt für Countertenöre schwärmt, muss von dieser CD ganz einfach begeistert sein! Der US-amerikanische Sänger David Daniels (*1966) legt mit diesem Album eine Händel-Sammlung vor, die in keiner guten Klassik-Diskothek fehlen sollte. Daniels studierte Musik und Gesang in Cincinnati und Michigan und begann seine Laufbahn als Tenor. Da er in diesem traditionellen Fach nicht so recht reüssieren konnte, ließ er seine Stimme zum Countertenor umbilden und debütierte in dieser Stimmlage 1999 an der New Yorker Metropolitan Opera in der Rolle des Sesto in "Giulio Cesare" von Georg Friedrich Händel, in der er auch in der vorliegenden Ausgabe zu hören und zu bewundern ist.
Schon Track 1 der CD, das berühmte sogenannte "Largo", die Arie "Ombra mai fù" aus "Xerxes", lässt aufhorchen und gespannt auf die weiteren Darbietungen werden. Gleich das nächste Stück, "Va tacito e nascosto" aus "Giulio Cesare", ist wiederum eine Trouvaille, die das Herz jedes Liebhabers solcher Musik höher schlagen lassen muss. Mit herrlichem Schmelz und wunderbaren Koloraturen vorgetragen, ist es, begleitet von Roger Montgomerys Solo-Horn, einer der Höhepunkte der CD. Nicht weniger eindrucksvoll die Arie "Aure, deh, per pietà" aus demselben Werk, glänzend vorgetragen und nicht weniger glänzend gesungen. Man staunt über die Biegsamkeit und Wandlungsfähigkeit der Stimme, die für mich eine der schönsten in diesem Fach zu sein scheint. Insgesamt singt Daniels zwölf Arien aus sechs Händel-Opern, und es fällt schwer, besondere Fixpunkte zu nennen. Nicht nur die gesangliche Darbietung, auch die Werkauswahl ist hervorragend und lässt den Hörer fast siebzig Minuten herrlicher Musik erleben, die dem breiten Publikum weitgehend unbekannt sein dürfte.
Geradezu mitreißend haben sich mir noch Track 9, "Scherza infida" aus "Ariodante", und Track 15, das Largo "Cara sposa, amante cara" aus "Rinaldo" ins Gedächtnis geprägt. Das ist Musik zum Träumen und Genießen.
Begleitet wird der Sänger vom Orchestra of the Age of Enlightement, einem großartigen Ensemble mit alten Instrumenten. Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen von Sir Roger Norrington.
Die technische Seite der CD, aufgenommen 1998, ist hervorragend, und so bedarf sie keiner weiteren Empfehlung. Selbstverständlich liegt der Ausgabe ein gutes Textheft bei. Kaufen!