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Auf der Basis des warmen, zu großer dramatischer Kraft fähigen, aber nicht im Übermaß unter Strom stehenden Orchesterklangs der Musiciens du Louvre erweckt ein teilweise erstklassiges Sänger-Ensemble die illustren Figuren der antiken Liebesgeschichte zum Leben: In der Titelpartie ist die ungeheuer kraftvolle, hinsichtlich ihrer Klangfarbe bisweilen fast androgyne Marijana Mijanovic zu hören, die die komplexe Persönlichkeit des römischen Herrschers nuancenreich ausleuchtet. Die ägyptische Königin Cleopatra wird von Magdalena Kozená nicht weniger vielschichtig in Szene gesetzt; von Kozená, die im Rahmen der historischen Aufführungspraxis für eine im Vergleich zur vorausgehenden Sängergeneration aufgewühltere, klein gliedriger angelegte Art der Interpretation steht, darf man freilich auch in der berühmten Arie "Piangeró" keinen weltentrückten, in lethargische Trauer getauchten Gesang erwarten: Die tschechische Mezzosopranistin gestaltet auch den Affekt der Trauer emotional höchst differenziert aus. Anne Sofie von Otter hingegen in der Rolle des Sesto kann ihre stimmliche Ermattung nicht mehr verbergen; die hervorragende Offenbach-CD des vergangenen Jahres war wohl nur eine kurze Reminiszenz an bessere Zeiten. Ebenso wie von Otter vermag auch die blässliche Charlotte Hellekant als Cornelia nicht wirklich zu überzeugen -- zwei Schwachpunkte innerhalb einer ansonsten jedoch über weite Strecken bravourösen Gesamtaufnahme, mit der es sich zu beschäftigen lohnt. --Michael Wersin
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Und die Sänger? Marijana Mijanovic als eleganter Cäsar "steht" ihre Partie ohne Feld, Tadel - und Ausstrahlung ("Alma del gran Pompeo"). Gleiches lässt sich über die Figur der Cornelia (Charlotte Hellekant) sagen ("Son nata a lagrimar"). Gerade verglichen mit den Interpretationen von Jennifer Larmore (ein energischer, "herrischer" Cäsar) und Bernarda Fink (eine große, tragische Cornelia) unter René Jacobs (Harmonia Mundi) wird klar, dass Minkowski hier zwei Stützpfeiler des Dramas fehlen.
Was ist mit den anderen beiden Mezzosopranistinnen? Magdalena Kozená mag nicht die heißblütigste aller Cleopatras sein, aber dank ihrer berückenden Stimme und überragenden Gestaltung ("Che sento? Oh Dio!" und "Se pietà...") kann man ihr so etwas wie "kühlen Sex" nicht absprechen. Ein klarer Pluspunkt der Aufnahme.
Die von der Kritik wegen - gerade in ruhigen Legatopassagen deutlich hörbarer - stimmlicher Ermüdungserscheinungen viel (zu sehr) gescholtene Anne Sofie von Otter ist die zweite Figur , die hier einen bleibenden Eindruck hinterlässt: Sie ist - was mir viel zu selten heraus gestellt wird - ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Bühnenpräsenz und Singschauspielerei stimmliche Defizite mehr als ausgleichen können: Den rachevergessenen und - versessenen Heißsporn Sesto nimmt man ihr fürwahr ab ("L'aura che spira")!
Und sonst? Bejun Mehta als Tolomeo ist ein charismatischer Bösewicht, der Derek Lee Ragin bei Jacobs klar distanziert. Die beiden anderen Männer (Alan Ewing, Pascal Bertin) sehr gut.
Was ist also insgesamt zu dieser Aufnahme zu sagen? Das Orchester herausragend, eine hervorragende Magdalena Kozená und sehr gute Männer samt Sesto auf der Haben-, ein Cäsar und eine Cornelia, die aus ihren Rollen zu wenig machen, auf der Sollseite.
Warum also volle 5 Punkte? Erst beim Vergleich mit dieser Aufnahme ist mir aufgefallen, dass auch der für mich bisher unangefochteten Jacobs-Version einiges fehlt, insbesondere - trotz tadelloser Leistung - eine vergleichbare Intensität im Orchesterpart. Gäbe es 4.5 Punkte, wären sie angebracht - für BEIDE Interpreationen. So lange also keine perfekte Aufnahme daher kommt, bleiben diese beiden "gemeinsame Spitze".
Er war lange angekündigt und ist jetzt endlich auf dem Markt. Mit „Giulio Cesare" knüpft Marc Minkowski an seine phänomenale Einspielung des „Ariodante" von Händel an. Vielleicht landet er mit seinem Cäsar ähnlichen einen ähnlichen Coup.
Gleich bei der Ouvertüre kommt das Gefühl auf, dass sich die Mitwirkenden das Ende herbei sehen. Sie wirkt unsauber heruntergespult, wenig akzentuiert und lieblos abgedudelt. Auch im anschließenden Chormenuett schleichen sich gesangliche Ungenauigkeiten ein. Ein ärgerlicher Auftakt, zumal es eigentlich ganz hübsch weitergeht und sich der geschlampte Auftakt beim ersten Solistenauftritt wieder relativiert. Plötzlich sind die Musiciens du Louvre wieder sie selbst - so kennt man sie. Plötzlich ist der alte Biss wieder da! Plötzlich ist man bei der Sache. Plötzlich geht es um die Musik und nur ihr wird gedient. Vielleicht hätte man die Ouvertüre nachvertonen müssen?
Dass Frau Otter in Position der Nebenrolle abgeruscht ist und hier nicht den Cesare sondern den Sesto gibt, lässt sie in dessen Auftrittsarie hören. Sie wirkt in der Tat etwas angestrengt und ermattet. Kein Vergleich mehr mit dem furiosen Ariodante. Sie hat Mühe sich stimmlich durchzusetzen und singt förmlich gegen das Orchester an. Vielleicht ein bisschen zu schmalbrüstig. Nicht auszudenken, was sich mit der Rolle des Cesare gemacht hätte. Da ist Marijana Mijanovic sicherlich der bessere Griff. Haben wir es bei ihr vielleicht mit einer Frau, einem Counter-Tenor oder gar einem Kastraten zu tun? Unglaublich wunderbar! Auch Magdalena Kozena bietet eine brilliante Cleopatra, vielleicht mit ein bisschen zu viel Vibrato, vielleicht stimmlich ein bisschen zu kalt. Bejun Metha gibt einen vielleicht etwas zu braven Tolomeo ab (aber der ist ja schließlich noch ein Kind), bietet allerdings bereits bei seiner Auftrittsarie eine furiose Vorstellung mit akrobatischen Verziehrungen. Erfreulicherweise setzt sich die Verzierung der Arien immer mehr durch, so auch hier eindrucksvoll durch die Solisten präsentiert.
Erwähnenswert ist die Tatsache, dass in der barocken Oper die Handlung in den Rezitativen stattfindet. Hier geraten diese zum spannenden und mitreißenden Krimi und werden fast nahtlos mit den Arien verbunden.
Eine gute Aufführung auch gut auf die CD zu bannen fällt offensichtlich immer noch schwer. Bei McGeagan oft misslungen, bei Minkowskis Ariodante meisterhaft geglückt. Hier aber kommen die Unwägsamkeiten einer Live-Aufnahme unangenehmer in Wiese durch extrem laute und störende Hintergrundgeräusche (selbst bei den Mitwirkenden) und eine nicht optimale Akustik zum Tragen.
Viele „Vielleichts", aber auch viele Dinge die einen zum Staunen bringen. Eine Einspielung, die nicht aus einem Guss ist und nicht an „Ariodante" heranreicht, aber dennoch ihre Reize hat. Glücklich, wer sie in Wien live miterleben konnte.
Alternativen? Vielleicht René Jacobs, vielleicht Jean-Claude Malgoire.
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