Trotz der total verfehlten Inszenierung gebe ich fünf Sterne.
Rein musikalisch würde ich ohne weiters zehn Sterne geben, wenn das möglich wäre.
William Christie dirigiert sein Orchestra of the Age of Enlightment hervorragend und die Sänger sind ausnahmslos Weltklasse. Ich möchte nur Andreas Scholl erwähnen, den ich für den besten Countertenor der Welt halte.
Der genaue Titel dieser Oper ist Rodelinda, Regina de'Langobardi und die Handlung ist laut dem Pahlen Opernlexikon sehr genau für das Jahr 670 in Mailand anzusetzen. Diese Angaben muß jeder Regiseur sehr genau beachten.
Selbstverständlich weiß heute niemand genau, wie damals die Menschen angezogen waren, aber wie sie nicht angezogen waren, das weiß man sehr genau.
Der Vorhang geht auf und man sieht einen Herrn im Frack, eine Dame im Abendkleid und einen K.u.K Operettengeneral, die Sekt trinken. Für mich gibt es da nur einen Vergleich, Die lustige Witwe" von Franz Lehár (Wien 1905). Als dann Andreas Scholl, dunkel gekleidet, rechts am Bühnenrand mit einem Koffer auftaucht, erinnert mich das an den Beckmann in Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert (1947). Dazu ist Andreas Scholl beim ersten Auftritt so ungünstig auf der Bühne plaziert, daß seine wunderbare Stimme zunächst gar nicht richtig zur Geltung kommt. Es werden dann einige Operettengenerale mehr, manche mit und manche ohne Kopfbedeckung. Die ohne Kopfbedeckunung sind scheinbar die guten Menschen und die ohne die schlechten. Als dann im letzten Akt Scholl mit einem schwarzen Umhang und einer Pistole erscheint und als dann auch noch geschossen wird, ist der Schwachsinn komplett. Es feht nur noch das Handy und der VW-Käfer auf der Bühne. Bei Gefühlsausbrüchen, die von Händel so phantastisch auskomponiert wurden, müssen die Sänger dazu noch am Boden herumkriechen und herumwälzen. Warum?
Ich erlaube mir drei Beispiele für sehr gut gelungene Regiearbeiten anzugeben:
Giorgio Strehler, Mozarts Don Giovanni" und Cosi ..." (Mailand). Sir Peter Hall, Salome" von Richard Strauss (London Covenrt Garden), dann den ebenfalls ausgezeichnet inszenierten L'Orfeo aus Madrid, Teatro Real, Regie Lier Luigei Pizzi und dirigiert von William Christie.
Brecht bezeichnete Strehler als den besten Regisseur Europas.
Es geht also! Die Regisseure sollten sich etwas mehr mit den Partituren der Werke beschäftigen, denn darin sind meistens die genaue Zeit und Örtlichkeit der Handlung angegeben. Dazu würden die Beschäftigung mit etwas Kunstgeschichte und Kostümkunde nicht schaden. Allen meine Kollegen und Freunden werde ich diese DVD nicht empfehlen, sondern die CD.
Schade, was hätte daraus werden können!
Horst Huber, München