...sagt Regisseur David McVicar im Interview zu dieser Produktion. Der Erfolg gibt ihm Recht. Dieser "Julius Cäsar" scheint durchweg mit lockerer Hand inszeniert - wieviel Arbeit wahrscheinlich gerade die Choreographie erfordert hat, sei dahingestellt.
Vom Anfang bis zum Ende wird deutlich, dass sich hier ein Team gefunden hat, das Händel liebt. Peppige Showeinlagen wechseln sich mit ernsten Szenen ab, die anrühren und anregen. Dabei wirkt nichts willkürlich, unpassend oder gar vulgär. McVicar versetzt die Handlung in die britische Kolonialzeit. Im Gegensatz zu auf modern gequälten Produktionen, die Cäsar beim Einmarsch in Kuweit oder Bagdad zeigen, schwingen aktuelle Bezüge im Hintergrund zwar immer mit, drängen sich aber nicht mit dem Holzhammer auf.
Fulminant ist die musikalische Seite. William Christie liefert mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment die ganze Bandbreite barock-musikalischer Farben - von zartester Solobegleitung bis zum satten Schlachtgetümmel. Die Sänger sind handverlesen und geben bis in die Nebenrollen vollen Einsatz. Star des Abends ist die zum Zeitpunkt der Aufnahme erst 25jährige Danielle de Niese, die Cleopatra nicht nur wundervoll singt, sondern auch tanzt, und ihren Julius darüber hinaus mit einer gehörigen Portion Exotik verführt. Sarah Conolly als hoher Mezzo ist für die Titelrolle, die auf einen echten Alt zugeschnitten wurde, etwas hell timbriert - trotzdem überzeugt sie vollkommen durch eine sehr konzentrierte Leistung und frappierend männliches Spiel. Patricia Bardon und Angelika Kirchschlager reiben sich in ihren Leidenspartien als Cornelia und Sesto regelrecht auf. Daumen hoch auch für Christophe Dumaux als Tolomeo, Christopher Maltman als Achilla und Rachid Ben Abdeslam als Nireno. Dessen einzige Arie - sogar bei René Jacobs in den Anhang verbannt - wird hier durch ein swingendes Tänzchen à la Bollywood zum "Hingucker".
Die vierstündige Aufführung vergeht im Flug. Wer Appetithäppchen möchte, schaue bei Youtube nach.