Eine exemplarisch involvierende, singschauspielerisch glänzende Umsetzung in historisierendem Ambiente, das auch Traditionalisten gefallen könnte. Die Inszenierung stellt das Drama singschauspielerisch in den Focus und das mit Vehemenz. Auch wenn die Aufführung nicht vor Publikum stattfand, hat sie packenden Charakter der unmittelbaren Präsenz. Insbesondere der letzte Akt u.a. mit der Auseinandersetzung zwischen Ariodante und Dalinda ist fulminant.
Sängerisch steht ein geschlossen hochkarätiges Ensemble zur Verfügung. Hervorragend in der singschaupielerischen Präsenz der lichthelle Sopran von Ann Murray, ebenso die herausragende Leistung von Joan Rodgers als Ginevra mit einem besonderen Soprantimbre. Ein sängerischer Höhepunkt. Der Pollione vom Counter Christopher Robson ist gut gestaltet. Allerdings fehlt mir bei Counter Besetzungen immer die personale Identität zwischen Stimme und Person. Aber das ist rein subjekiv. Lesley Garett kann als Dalinda überzeugen, ist besonders im dritten Akt ganz herausragend.
Ivor Bolton dirigiert das klangsinnlich farbstarke Spiel des English Opera Orchestra.
Insgesamt eine herausragende Einspielung, die auch Traditionalisten gefallen könnte, obwohl ich da vorsichtig geworden bin, weil hier manchmal schon Details zur Ablehnung führen. Die Einlassung eines Rezensenten, der die optisch schlechte Besetzung beklagte, also mangelnde körperliche Attraktivität, finde ich gerade im Opernbereich eher als Joke.