Nach beihnahe 30 Jahren liegt nun eine Neueinspielung des Admeto von Händel vor.
Der Käufer dieser DVD-Box hat die Wahl, ob er die Oper in der Inszenierung des Opernhauses Halle für die Händelfestspiele 2006 sehen möchte oder den Livemitschnitt lieber als CD hören will. Immerhin erhält er für einen stolzen Preis ganze 2 DVD's und 2 CD's. Leise stellt sich mir die Frage: Und wofür das alles? Mir hätten die DVD's gereicht! Satt 2 Audio-CD's hätte ich mir ein paar Hintergrundinformtionen zur Produktion gewünscht, die jetzt gänzlich auf der Strecke geblieben sind.
Die Sängerriege ist im internationalen Zusammenhang eher unbekannt, dennoch schlagen sie sich wacker. So finden sich in dieser Aufführung kleinere Unsauberkeiten im Gesang, welche aber durchaus verschmerzbar sind, da sie hier einen gewissen Charme haben. Ich bin eh kein Freund von 120% perfekt eingespielter Musik, die dann aber nicht mehr lebt. Und so lebt diese Aufführung mit den Sängernn, denen man den Spaß an der Sache anmerkt.
In diesem Zusammenhang verblüffend ist die Ähnlichkeit der Antigone-Darstellerin Mechthild Bach mit Sandrine Piau. Bach hat die gleiche Mimik und den gleichen Habitus und eine ähnliche Stimmführung wie die Piau - ich musste mich im Booklet vergewissern, das eben die Piau dort nicht agiert. Köstlich, wenngleich Sandrine Piau in einer wesentlich höheren Klasse mitmischt.
Das Festspielorchester unter Arman ist für meinen Geschmack zu brav und zurückhaltend. Ein bißchen mehr Feuer hätte gut getan und so steht dieser Produktion die 30 Jahre ältere Aufnahme unter Curtis musikalisch (und das ist sehr bemerkenswert!) in nichts nach.
Ein moderenes Bühnenbild wird durch medizinische Ausrüstung, Gerätschaften und entsprechendes Fachpersonal beherrscht. Klare und fast kalte Formen und Farben werden größflächig in Szene gesetzt. Die Handlung wird dadurch zwar konsequent unterstützt, mitunter erhält Händels Klangsprache aber grotesk komische Züge. Man lacht an Stellen, sie eigentlich gar nicht so komisch sind (z.B. wenn sich die beiden Damen am Schluß um die Gunste des Königs zanken - Zickenalarm!).
Nundenn: Dieser Admeto ist eine sehr willkommene Ergänzung zu der bei der Virgin wiederveröffentlichen Aufnahme unter Alan Curtis und hat den unendlichen Vorteil, dass er auch zu "sehen" ist. Diese Tatsache trägt zum Verständnis einer Barockoper und so auch des Admetos entscheidend bei. Ob sich für die magere Ausstattung und die beiden Audio-CD's der recht hohe Preis lohnt, sei mal dahingestellt.