Angelika Kirchschlager zählt für mich zu den sympathischsten und bemerkenswertesten Sängerinnen unserer Zeit, und das obwohl (oder vielleicht auch weil) um sie längst nicht so ein Rummel gemacht wird wie um einige ihrer Kolleginnen. Dabei hat sie sich solide nach oben gesungen, war überaus erfolgreich an der Met, der Scala, in der Wiener Staatsoper und natürlich bei den Salzburger Festspielen. Aber was auch immer sie macht, sie scheint es mit absoluter Sorgfalt anzugehen. Auch mit ihren CD-Aufnahmen scheint sie sich Zeit zu lassen und sich offenbar bewusst nur für Projekte zu entscheiden, die ihr wirklich am Herzen liegen. Jetzt also Händel-Arien und zwar ein klug ausgewähltes Programm mit ein paar echten (und eben auch schon häufig eingespielten) Klassikern wie Svegliatevi nel core, aber auch Raritäten wie die bewegende Arie Scherza infida aus Ariodante für mich eines der Highlights der CD. Wie Angelika Kirchschlager hier ganz trauriger Schatten und purer Geist ist, wie dazu das Kammerorchester Basel einfühlsam agiert und die einzelnen Instrumente transparent in Erscheinung treten lässt (das Fagottsolo!), das ist wirklich ganz große Kunst. Angelika Kirchschlagers Stimme vermittelt manchmal die Reinheit und Schärfe eines Countertenors, dann aber haucht sie ganz zart und sinnlich, aber dennoch absolut intonationssicher, ein paar tiefe Töne dahin und ich bin hin und weg!