Dies ist nun schon die 4. Einspielung des "Serse", die ich mir angeschafft habe, und wieder bin ich nicht vollkommen glücklich.
Ich schätze William Christie als Spezialist für französische Barockmusik. Ohne ihn wären all die wunderbaren Werke von Lully, Rameau etc. für uns nicht hörbar geworden. Dieses Repertoire hat er nun annähernd vollständig eingespielt.
Seine Händel-Interpretationen haben mich bis dato nicht so überzeugt. Zunächst einmal ist es nicht von Vorteil, dass der "Serse" (wie zuvor schon "Alcina") live eingespielt wurde. Eine nervöse, teils hektische Atmosphäre zieht sich durch die ganze Oper. Im Studio hätte man vielleicht mehr Ruhe und Sorgfalt walten lassen können.
Tja, und auch die Interpreten zeigen sich nicht von ihrer allerbesten Seite. Annie Sofie von Otter hat mich hier zum ersten Mal nicht sonderlich begeistert, und auch Sandrine Piau bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück, was im Grunde für alle Solisten gilt. Der Orchesterklang ist schwankend. Dass Live-Aufnahmen auch ganz anders klingen können, hat John Eliot Gardiner bereits vor vielen Jahren bewiesen (Saul, Jephtha).
Insofern ist dies also lediglich eine weitere Aufnahme des "Serse", die aber keine wirklich neuen Akzente setzt. Die Chance zu einer Referenzeinspielung wurde leider vertan.
Dennoch ist es sicherlich zusammen mit der Einspielung von Ivor Bolton die beste derzeit erhältliche, deshalb 4 Sterne!