Diese Aufnahme gehört unbedingt auf die Liste der CDs für die einsame Insel. Auf einer solchen spielt passenderweise auch die Handlung der Oper, die trotz ihrer typisch barocken Komplexität (um nicht zu sagen Verworrenheit) zahlreiche fesselnde Situationen enthält, intensiviert durch die Musik, die zum Schönsten gehört, was Händel geschaffen hat. Zur vorliegenden Interpretation: Der zu philharmonisch-fülliger Unschärfe tendierende Orchesterklang mag zwar dem heutigen Stand historischer Aufführungspraxis nicht mehr entsprechen, doch in gesanglicher Hinsicht ist diese Aufnahme bis heute unübertroffen. Was Joan Sutherland an Kunststücken in der vokalen Stratosphäre vorführt (etwa in "Tornami a vagheggiar"), grenzt an Hexerei. Zudem passt ihr elegisches Timbre (fast unwirklich schön in "Mi restano le lagrime") sehr gut zur Figur der Magierin, deren Zauberkraft an der Macht der Liebe zerbricht. Auf gleichem Niveau Teresa Berganza als Ruggiero. Die wehmütige Rondo-Arie "Verdi prati" zelebriert sie mit erlesener Piano Kultur. Auch die übrigen Rollen sind auffallend prominent besetzt. Glanzvoll und bewegend!