Die bisher einzige, mir bekannte DVD Einspielung der Alcina aus Stuttgart, wartet bei sängerischer Klasse mit einer modernen Inszenierung auf, die nicht jedermanns Geschmack ist. Diese Inszenierung aus der Wiener Staatsoper ist in ihrer Grundkonzeption als ein Theater im Theater angelegt, arbeitet aber mit eher traditioneller Bühnenbildgestaltung, dürfte insofern dem traditionellen Geschmack wesentlich mehr entsprechen, erlaubt das Konzept doch die Entfaltung barocker, aber nicht aufgesetzter Pracht. Die Handlung beginnt im prunkvollen Ballsaal des Devonshire Hauses mit der Inszenierung eines Theaterfestes. Die beiliegende Erläuterung eröffnet den Blick auf die Perspektive des Regisseurs. Aber das ist eben kein Regie-Theater wie Traditionelle es ablehnen.
Sängerisch steht ein hervorragendes Ensemble zur Verfügung, aus dem alle Rollen adäquat besetzt sind. Herausragend Anja Harteros als Alcina, die subtil nuanciert gestaltet, hier vielleicht ein wenig Farbigkeit vermissen läßt, allerdings aus meiner Perspektive ihre Stärken eher in der dramatischen Stimmentfaltung hat. Dies aber als rein subjektive Einlassung angemerkt. Vesselina Kasarova sehr nuanciert gestaltend, singt den Ruggiero involvierend und mezzo-präsent. Veronika Cangemi als Morgana und Kristina Hammarström als Bradamante überzeugen ebenfalls.
Mark Minkowski dirigiert Les Musiciens du Louvre farbstark involvierend, subtil.
Insgesamt eine Aufführung, die die Suche nach einer Alcina in traditionellem Gewand beenden könnte. Der sängerische Vergleich mit der Stuttgarter Aufführung würde sich qualitativ eher auf reiner Geschmacksebene anbieten, ist insofern nicht zwingend relevant.