Die Autoren sind authentische und lebenserfahrene Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer vielfältigen Tätigkeiten seit Jahren der Öffentlichkeit als kompetente und vertrauenswürdige Menschen bekannt und vom wahrhaftigen Christsein geprägt sind. In der erschreckende Analyse ihrer sehr detailliert zusammengetragenen Faktenfülle kommen sie zu dem Ergebnis, dass die katholische Kirche einen erheblichen Systemfehler aufzuweisen hat, wobei abscheuliche Kindesmisshandlungen u.v.m. auf perfideste Art vertuscht werden. Die Autoren schreiben von einer Katastrophe und Wunden, die auch die Zeit nicht heilen kann. Ein Opfer schildert den gemeinsamen Besuch mit anderen Misshandelten bei Erzbischof Dr. Robert Zollitsch in Freiburg am 30. August 2009: "'Wir waren im Ordinariat. Es war der Sekretär mit dort. Mir saß der Erzbischof gegenüber. Ich hatte das Gefühl: der sitzt da, hört sich das an, so in der Art: 'Das geht mir doch am Ding vorbei! Was interessiert mich, was die da erzählen!' Und die anderen zwei haben am Schluss auch gesagt: 'Der Erzbischof saß da, wie wenn ihn das gar nichts angeht. Zum Schluss hat er gesagt: 'Ja, Ihre Geschichte ist sehr tragisch, aber da hat Ihnen Gott eine Prüfung auferlegt und ich werde für Sie beten".'
Verschleiern, Vertuschen, Kälte, Zynismus gehören ' von wenigen Ausnahmen abgesehen ' bis zur Stunde zur Grundhaltung der egomanischen Kirchenfürsten. Die Autoren stellen die berechtigte Frage, ob die Verantwortlichen in der katholischen Kirche die angesichts der Katastrophe geforderte Umkehr wirklich wollen, ja, ob sie wirklich dazu fähig sind. '"Aus der herrschenden Kirche muss wieder eine Gott und den Menschen dienende Kirche werden ' eine Kirche Jesu Christi. Der Weg führt weit ab von den öffentlichen Parolen und Erklärungen. Er wird mehr verlangen als die Umsetzung von ein paar wegen des Drucks der öffentlichen Kritik angeordneten kosmetischen Maßnahmen'". Großartig der Beitrag des führenden lateinamerikanischen Jesuiten und Befreiungstheologen Jon Sobrino (73 J.) zum Thema "'Überheblichkeit und Demut -- ' zum gegenwärtigen Zustand der Kirche"'. Wörtlich schreibt der vom Vatikan wiederholt zum Schweigen verurteilte Jesuit: "'Die Kirche scheint sich selbst als Trägerin einer letzten Wirklichkeit zu verstehen, die niemand sonst besitzt und die außer für sie für niemanden sonst erreichbar ist. Sie meint in der Tat, dies sei sie durch Auserwählung und daraus leite sich ihre Überlegenheit über alle anderen ab...'" Am Schluss des Buches gibt der Mit-Autor Ludwig Brüggemann (Theologe, ehem. Priester, Facharzt für psychotherapeutische Medizin) bemerkenswerte Anleitungen zur Heilung und betont, dass jeder Mensch ein Würdenträger ist.
Dieses Buch macht zunächst betroffen und öffnet den Horizont für die Möglichkeit zum dringend notwendigen Korrekturkurs der römisch-katholischen Kirche.
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist