Der zweite Krimi der erst 33-jährigen Friedrich-Glauser-Preisträgerin
Der 13. Brief. Kriminalroman Lucie Flebbe, ehemals Lucie Klassen, spielt im Krankenhaus. Das Krankenhaus wurde vor kurzem privatisiert. Sie selbst ist gelernte Physiotherapeutin. Das hat mich neugierig gemacht ...
Und sie hat mich nicht entäuscht!!! "Mein Name ist Lila. Ich bin zwanzig Jahre alt und mein Leben ist eine Katastrophe." Lila Ziegler, die unkonventionelle Heldin dieses pfiffigen und respektlosen Kriminalromans, zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie mit drei Dutzend Männern geschlafen hat ehe sie volljährig wurde, mit dem Kiffen aufhörte, als ihre Klassenkameraden noch dachten Hanf sei Kaninchenfutter und ihre Haarfarbe am liebsten Ton in Ton mit der aktuellen Knallfarbe ihres Schlabberpullis trägt.
Gerade hat sie ihre große Liebe, den attraktiven Privatdetektiv Ben Danner, in flagranti erwischt und versucht nun ihren Liebeskummer in Alkohol und Drogen zu ertränken. Als sie auch ihr letztes bißchen Würde verliert begibt sich Lila hilfesuchend in die Notfallambulanz des Otto-Ruer-Klinikums in Bochum und wird dort stationär aufgenommen. Einfach urkomisch, wie Flebbe den Klinikalltag eines soeben privatisierten Krankenhauses beschreibt. Das kann nur eine Insiderin. Habe mich zum Beispiel köstlich über die erste Visite amüsiert. "Ich ahnte allmählich, warum die Ärztin die Visite nur unter Aufsicht einer Krankenschwester machen durfte." Aber auch das Klinikessen, outgesourced aus Kostengründen, kriegt sein Fett weg. "Jetzt wußte ich, warum hier jeder Patient automatisch eine Magentablette verordnet bekam: Das war die einzige Möglichkeit, dieses Essen zu verdauen."
Und der Chefarzt heißt natürlich ... "Gott". Wie könnte es anders sein. Sein Stethoskop ist gülden, erhat das größte Büro und er weiß einfach alles und noch vieles mehr viel besser. Schonungslos offen, authentisch, respektlos und frech sind diese Schilderungen. Das hat mir sehr gefallen.
Per Zufall wird Lila Zeugin, wie auf dem Krankenhausflur die junge Leiterin der Putzkolonne, Johanna Degenhardt, genannt Janna, tot umfällt. "Herzversagen" meint Gott. Doch bleibt ein Herz mit Anfang 30 einfach so stehen ???
Das und ein riesiges Hämatom am Handgelenk der Toten macht Lila stutzig. Sie selbst steht vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, weiß aber nach dem Liebesaus nicht, wohin. So bewirbt sie sich kurzerhand auf Jannas Job und beginnt mit ihrer Ermittlung. "Ich hatte das Gefühl, daß Jannas Leben hatte enden müssen, damit ich endlich schaffte, meines neu zu beginnen."
Doch lesen Sie selbst, was zum Tode dieser jungen Reinigungsfachkraft geführt hat und wie Lila ihr Leben wieder in Ordnung bringt. Mir hat dieser völlig andere Krimi sehr gut gefallen und die oft realistische Schilderung der Krankenhausszenen köstlich amüsiert, aber auch betroffen gemacht.