Der Eichborn Verlag in Berlin setzt mit diesem wunderbaren Buch seine erfolgreiche Reihe der "literarischen Führer" fort. War schon in der Vergangenheit Lis Künzli als Herausgeberin den Spuren von Schriftstellern in Hotels und Bahnhöfen gefolgt, unternimmt nun der junge Autor und Texter Florian Beckerhoff zusammen mit 23 verschiedenen Schriftstellern ein literarische Kreuzfahrt durch die Häfen dieser Welt.
Dabei geht er besonders der tiefer liegenden Bedeutung von Häfen nach, als einem Ort, der nach einer Fahrt durch das tobende und gefährliche Meer Ankunft und Sicherheit verspricht und auch bietet. Nach einer langen Zeit wieder einmal festen Boden unter den Füßen zu spüren, tut gut.
Doch wehe, wenn man übersieht, dass ein Hafen eine direkte Fortsetzung des Meeres ist, weniger wankend vielleicht, aber nicht weniger gefährlich und erregend.
Es verwundert also nicht, dass die Schriftsteller ganz unterschiedlicher Zeiten sich immer wieder mit dem Hafen auseinandergesetzt haben und dem, was er für sie ausstrahlt. Ob Italo Svevo fast verliebt der Hafen von Triest beschreibt, Günter Grass der Erinnerung Ausdruck gibt an die Tausende von Menschen, die vom Danziger Hafen aufgebrochen und geflüchtet sind, Ernest Hemingway im Hafen von Havanna spazieren geht oder Anna Seghers dem rettenden Hafen Marseille für viele Flüchtlinge aus Nazideutschland ein bleibendes Denkmal setzt, alle waren und sind sie begeistert und angezogen von der Atmosphäre der Häfen, in denen sie angekommen oder von denen sie aufgebrochen sind.
Auffällig ist, das in der Reihe der 23 Schriftsteller neben der schon erwähnten Anna Seghers lediglich noch zwei weitere Frauen erzählen von Häfen, nämlich Vicki Baum und Marguerite Duras. Ich möchte es nicht weiter interpretieren, aber auffällig bleibt es doch.
Ein wunderbares Buch mit wunderbaren Texten und Bildern. Ein geeignetes Geschenk für Menschen die gern reisen, aufbrechen oder ankommen.